20-Jährige bleibt dennoch optimistisch

Willinger Biathletin Marie Zeutschel verliert Kaderplatz

Marie Zeutschel auf Skiroller
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Erst mal draußen: Marie Zeutschel hat ihren DSV-Kaderplatz für die kommende Saison verloren.

Mit dabei oder nicht? Diese Frage stellten sich m Freitag einige Wintersportler, denn der Deutsche Skiverband (DSV) gab seine Kader für die kommende olympische Saison bekannt.

Willingen – Marie Zeutschel, Junioren-Biathletin vom SC Willingen, suchte ihren Namen vergeblich in dieser Liste. Nicht mit dabei. Da kann man schon eine sprachlose, am Boden zerstörte Athletin am Telefon erwarten. Aber dem ist nicht so. Eine recht gut gelaunte Stimme antwortet und erklärt auch schnell, warum sie nicht so traurig sein muss.

„Wegen der wenigen Rennen durch Corona haben nur diejenigen einen Kaderstatus bekommen, die in der vergangenen Saison international gestartet sind“, sagt Zeutschel. „Deshalb ist eigentlich auch noch alles offen.“ Ihr nächstes Etappenziel lautet daher: deutsche Meisterschaft auf Rollerski im Spätsommer. „Hier kann ich mir den Kaderplatz sichern und mich auch noch für internationale Rennen qualifizieren.“

Übergang zum Vollprofi war nicht einfach

Die 20-Jährige aus Usseln, die seit Sommer 2020 am Bundesstützpunkt Notschrei im Schwarzwald trainiert war nicht für die Juniorinnen-WM nominiert worden.

Wenn es nach ihr ginge, möchte sie dem Bundestrainer in der kommenden Saison, ihre letzte als Juniorin, ihm nicht noch einmal die Möglichkeit einräumen, den WM-Kader an ihr vorbei zu nominieren.

Doch nun muss Zeutschel erst einmal zusehen, dass sie im deutschen Kader wieder ihren Platz findet. Sie weiß auch einige Gründe, warum die vergangene Saison nicht optimal für sie gelaufen ist. Da war zunächst der Umzug vom Upland nach Freiburg verbunden mit dem Wechsel zur Sportgruppe bei der Bundespolizei in Bad Endorf und der Übergang zum Vollprofi, mit mehr und härteren Trainingseinheiten.

Kaderlos sein, bedeutet auch finanzielle Einbußen

„Daran muss sich der Körper auch daran gewöhnen und er sagt einem dann auch schon mal, das es etwas zu viel war.“ Solch ein Leistungstief habe sie leider bei dem wichtigen Testrennen in Oberhof erlebt. „Das hat mich den Kaderplatz gekostet“, vermutet die 20-Jährige, die sich vor wenigen Wochen außerdem noch auf den Operationstisch legen musste, weil Narbengewebe im Knie entfernt wurde. Wegen dieser Spätfolge ihres Kreuzbandrisses vor drei Jahren, konnte sie das Knie nicht komplett strecken. „Das hat mich nicht nur beim Laufen, sondern auch beim Stehendschießen gestört, aber jetzt ist wieder alles in Ordnung und ich sehe, dass es bei mir gut vorangeht.“

Kaderlos sein, bedeutet auch finanzielle Einbußen. „Sie sind nicht so hoch, denn ich bekomme ja noch mein Gehalt von der Bundespolizei weiter“, betont die Biathletin. Vermutlich falle nun die Sporthilfe weg und auch die DSV-Lehrgänge müsse sie nun selbst bezahlen. „Hier unterstützen mich aber auch der SC Willingen und der Hessische Skiverband.“

Wenn Zeutschel momentan in ihren Köper hineinhört, nimmt sie einige positive Reaktionen wahr. „Ich merke, dass ich viel leistungsfähiger bin, die Kraft-Ausdauerwerte sind auch besser.“ Sie gönnt sich vorerst keine freie Minute bis zur deutschen Meisterschaft. „Erst danach ist Urlaub angesagt.“ Vielleicht mit einem Kaderplatz in der Tasche. rsm

Fünf Athleten vertreten die Willinger Farben

Nachdem Marie Zeutschel ihren Kaderplatz verloren hat, sind noch fünf Sportlerinnen und Sportler des Ski-Clubs Willingen in den neuen Mannschaftslisten des Deutschen Skiverbandes zu finden.

Die größte Chance eine Saison mit einem Auftritt bei den Olympischen Spielen zu erleben, hat Stephan Leyhe. Der Skispringer möchte nach seinem Kreuzbandriss und der einjährigen Pause ein erfolgreiches Comeback feiern und auf den Olympiazug nach Peking 2022 aufspringen.

Die Lehrgangsgruppe 1 der Skispringer umfasst neben Leyhe die WM-Starter Karl Geiger, Markus Eisenbichler, Severin Freund, Pius Paschke, Constantin Schmid sowie Martin Hammann und Andreas Wellinger, die Im Perspektivkader geführt werden. Richard Freitag und David Siegel gehören nur noch zum Kreis der Lehrgangsgruppe 1b.

Auch die SCW-Skispringerin Michelle Göbel hat sich hohe Ziele gesteckt. Olympia kommt für sie vermutlich noch etwas zu früh. Aber wer weiß. Sie bildet mit Pia Lilian Kübler und Lia Böhme die Lehrgangsgruppe 2a und gehört schon zu den zwölf besten DSV-Skispringerinnen.

Ramona Straub hat ihre Laufbahn beendet, spätestens nach den Olympischen Spielen steht bei den Skispringerinnen ein Umbruch an. Mit Robin Kloß gehört der derzeit talentierteste Willinger Nachwuchsspringer zur Lehrgangsgruppe 2 b, die von Rolf Schilli trainiert wird.

Anders als im vergangenen Jahr, als Vereinskollege Janne Puk den Kaderplatz schaffte und Robin Kloß diesen knapp verfehlt hatte, verpasste diesmal Puk die Einstufung knapp. Er darf aber an allen Einheiten der Gruppe teilnehmen und sich somit wieder empfehlen.

Der für den SCW startende Skispringer Paul Winter taucht nicht mehr im Kader auf, weil er seine Laufbahn beendet hat.

Biathlet Linus Kesper schaffte den Sprung in die Lehrgangsgruppe 2b. Auch im Langlauf ist der Ski-Club Willingen wieder durch Ila Kesper (2b) vertreten, deren Trainingsgruppe von Jens Filbrich geleitet wird.

Die gebürtige Ottlarerin und für Clausthal-Zellerfeld startende Karolin Horchler steht in der Lehrgangsgruppe 1 im Biathlon als Mitglied des Perspektivkaders ähnlich wie Stephan Leyhe vor einem Neustart. Sie musste wegen eines Rippenbruchs auch eine Saison aussetzen.

Aus dem Winterberger Teil des gemeinsamen Stützpunktes mit Willingen schafften Lukas Nellenschulte oder Simon Spiewok, der nach dem Abitur vor dem Absprung nach Hinterzarten steht, den Sprung in die Kader aufgrund ihrer guten Saisonergebnisse, an denen auch die Arbeit des Willinger Skigymnasium ihren Anteil hat.  (be/rsm)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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