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Mario Jassmann gewinnt im Hotel – Punktsieg gegen den Ungar Gabor Detre

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Eins auf die Nase geben: Mario Jassmann trifft Gabor Detre (Ungarn) dahin, wo es weh tut. Der Korbacher stand nach 307 langen Tagen wieder im Ring.
Eins auf die Nase geben: Mario Jassmann trifft Gabor Detre (Ungarn) dahin, wo es weh tut. Der Korbacher stand nach 307 langen Tagen wieder im Ring. © Artur Schöneburg

Der Korbacher Profiboxer Mario Jassmann hat sich vor seinem Auftritt bei der „Gladiators Fight Night“ im Maritim Hotel in Bad Wildungen auf einen Kampf „in schöner Atmosphäre“ gefreut.

Bad Wildungen – Boxen auf feinem Teppichboden und unter LED-Kronleuchtern. Dieses andere Umfeld, das weit weg vom spröden Sporthallen-Ambiente ist, hat der 31-Jährige vor, und nach seinem Kampf gegen den Ungarn Gabor Detre genauso genossen wie seinen sportlichen Auftritt über sechs Runden im Ring. Jassmann gewann die Auseinandersetzung im Supermittelgewicht gegen den 36 Jahre alten Kontrahenten mit 3:0 Richterstimmen nach Punkten.

Ein Faustkampf in einem Hotel ist eigentlich keine Werbung für eine Unterkunft, aber wenn er sportlich im Ring ausgetragen wird, wie im Maritim, können auch zwölf Profikämpfe durchaus eine positive Ausstrahlung auf das Haus haben. Im Ring stehen an diesem Abend 16 deutsche Boxer, drei Ungarn, zwei Georgiern und je ein Kämpfer aus Uganda, Mexiko und Bulgarien. Der Veranstalter Besnik Shemsiu aus Bad Wildungen hat bei diesem Profiboxabend vieles richtig gemacht und wenn er diese „Nacht der kämpfenden Gladiatoren“ mehr beworben hätte, wäre sie vermutlich auch ausverkauft gewesen. So bleiben einige Stühle im holzgetäfelten Saal frei.

Klimaanlage hält die Hitze draußen

Wer den Saal betritt bekommt den Hotelkomfort sofort zu spüren. Eine Klimaanlage sorgt dafür, dass die Hitze draußen bleibt. Das wissen vor allem die Sportler zu schätzen und der Zuschauer beweist mehr Sitzfleisch, weil er nicht auf einem harten Stuhl Platz nehmen muss, sondern auf einem gepolsterten. Auch die Akustik in diesem Saal klingt für die Ohren angenehmer als der meiste dumpfe Klang aus Hallenlautsprechern. Shemsiu hat auch sportlich für diese Veranstaltung ein qualitativ gutes Programm auf die Beine gestellt. Das ist auf diesem Mittelklasseniveau nicht immer einfach. Wer einen Fallobst-Abend befürchtet hat, wird positiv überrascht.

Nahezu alle Kämpfer wirken äußerlich gut austrainiert, keiner ist hier nur auf das Geld aus und gibt bereits nach einem har losen Schlag vorzeitig auf. Mario Jassmann steht hier im Vergleich zu seinen von ihm selbst und seinem Promotor Enrico Schütze veranstalteten Kampfabenden nicht als Hauptkämpfer im Ring. Er ist im zehnten der zwölf Duelle an der Reihe und wird vom Ringsprecher auch in Wildungen als Lokalmatator angekündigt.

Publikum erhöht beim Einmarsch sofort die Lautstärke

Als der 31-Jährige mit seinen Trainern in den Boxsaal einmarschiert, erhöht das Publikum sofort die Lautstärke. Seine mitgereisten Fans bereiten dem Korbacher ein Heimspiel. Was ihm wohl jetzt durch den Kopf geht? Corona hat seine Karriere zwei Jahre lang mehr als nur gebremst. Jassmann ist schließlich auch nicht mehr der Jüngste. Dann kam auch noch der Bruch in der linken Hand hinzu. Komplette Zwangspause.

Doch nun geht es für ihn nach 307 Tagen wieder in den Ring und dort empfängt ihn diesmal kein Sparringspartner. Der Ungar Detre, der kurzfristig für seinen verletzt ausgefallenen Landsmann Peter Orlik eingesprungen ist, hat bisher sieben seiner 16 Kämpfe gewonnen. Jassmann bestreitet seinen 23. Profikampf und auch nach diesem wird er immer noch nicht wissen, wie es sich als Berufsboxer anfühlt, den Ring als Verlierer zu verlassen.

Mit dem linken Haken spärlich umgehen 

Mario Jassmann besteigt das Ringgeviert in einem roten Mantel mit goldenen Aufsätzen, schick, als wolle er sich mit seinem Outfit dem adrett wirkenden Saalambiente anpassen.

Das Ring-Girl hält das Schild mit der „1“ hoch, der erste Gongschlag, dann gilt es: Gegenseitiges Abtasten ist in diesen drei Minuten angesagt, aber es ist ein technisch sauberes Abtasten, beide Kämpfer wahren die Distanz, wollen boxen statt früh klammern. Diese Haltung bewahrten beide Boxer in allen sechs Runden, was die technische Note für diesen Kampf erhöhte.

Jassmann wählt den Vorwärtsgang und ist damit auch optisch der aktivere Boxer, der in Runde zwei viele Körpertreffer an den Mann bringt, aber am Kopf des Gegners meist noch auf eine gute ungarische Deckung stößt. Sein Rivale ist viel mit Defensivaufgaben beschäftigt und kommt daher weniger dazu, Schläge auszuteilen.

Gong stoppt möglicherweise vorzeitigen Erfolg

Die dritte Runde sollte Jassmanns beste werden. Er findet nun auch immer häufiger Lücken für Kopftreffer, seine Führhand verdient ihren Namen, sie lenkt, ist stabil, verhindert Treffer des Ungarn und ist selbst ein guter Punktlieferant. Gegen Ende von Runde drei gelingen Jassmann mehrere Wirkungstreffer, aber der Gong stoppt dieses Trommelfeuer. Glück für den Ungarn. „In dieser Situation hat mir der linke Haken gefehlt“, wird Jassmann nach dem Kampf sagen.

Diesen Schlag, einer seiner besten, setzt er wegen des Handbruchs nur im Notfall ein. Die Schonzeit werde auch noch rund ein halbes Jahr dauern, schätzt der Supermittelgewichtler. Das furiose Ende der Runde drei kann Jassmann nicht in den vierten Durchgang mitnehmen. Er boxt besonnen, lässt sich nicht blenden von der Gier nach dem K.o.-Sieg und setzt auch dieser Runde noch einige Endglanzpunkte.

Die vorletzte Runde sollte Jassmanns schwächste werden, er vernachlässigte nun vor allem die Körpertreffer, aber der Ungar selbst kam mit seinen Schlägen immer noch sehr selten durch. Die Fans feuern Jassmann in der Schlussrunde noch einmal an, aber der eine Schlag zum vorzeitigen Kampfende wollte nicht mehr kommen.

Vielleicht auch gut so, denn jede geboxte Runde ist für Jassmann momentan eine gute Runde. Denn im November möchte er wieder bei einem Kampfabend im Ring stehen – in Korbach. (rsm)

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