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Fight Night in Külte vor ausverkauftem Haus: Mit einem breiten Grinsen in den Ring

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Eine heftige Auseinandersetzung zwischen Astrit Pireva (Nürnberg/links) und Philip Schubjé (Gladenbach).
In den Tritt kommen: Eine heftige Auseinandersetzung zwischen Astrit Pireva. (Nürnberg/links) und Philip Schubjé (Gladenbach). © Artur Schöneburg

Die Fight Night war wieder einmal ein Zuschauermagnet. Diesmal zog es die K1-Szene in die Halle nach Külte und auch dort hieß es für Veranstalter Heinfried Wicke: ausverkauft und 17 Kämpfe.

Külte - Dichter Nebel steigt aus dem Fenster des Backsteinhäuschens, einige Stichflammen lodern blitzartig hervor, dann öffnet sich die Haustür und aus den Schwaden werden auf dem Laufsteg allmählich menschliche Konturen für den Zuschauer sichtbar, die immer deutlicher werden, je näher sich die Personen in Richtung Ring bewegen. So mystisch wurden alle Kämpferinnen und Kämpfer der Fight Night mit ihren Trainern dem Publikum vorgestellt. Sie fand erstmals nicht in Volkmarsen, sondern in der Halle in Külte statt.

17 Duelle standen auf dem Programm und kein Trainer musste seinem Schützling diesmal sagen, er solle seinem Gegner ordentlich einheizen, dafür sorgten diesmal die hohen sommerlichen Temperaturen. Die Hitze stand in der Halle und sie war für die Sportlerinnen und Sportler durch die Scheinwerfer am Ring noch viel unangenehmer als für die Zuschauer.

Da hieß es, sich die Luft und Kraft gut einzuteilen und sie nicht schon in der ersten Runde aufzubrauchen, dann könnten weitere zwei Minuten unglaublich lang und schmerzhaft werden. „Es war wie in der Sahara da oben, ich schätze es waren 50 Grad im Ring“, schätzt Veranstalter Heinfried Wicke, der vier seiner K. Vier davon kamen aus dem Wickes Thaipanther-Stall in Volkmarsen. Der erste von ihnen musste den Abend vor ausverkauftem Haus eröffnen.

Kickboxerin auf dem Weg zum Ring
Dampf ablassen im Ring: Die Volkmarserin Mirka Nasemann und ihr Trainer Heinfried Wicke sind auf dem Weg zur Kampfstätte. © Artur Schöneburg

Joel Huber (21) aus Ehringen besiegte im K1 Henri Demandt aus Bochum nach drei Runden nach Punkten. „Das war ein sehr knapper Sieg, aber Joel hat vor allem die dritte Runde dominiert“, sagt Wicke. Lokalmatadorin Mirka Nasemann (20) stand im fünften Duell des Abends ebenfalls gegen einen Bochumerin im Ring.

In ihrem dritten Kampf lieferten sich die Polizeianwärterin aus Volkmarsen und Laura Schiprowski einen verhalten geführten Kampf. „Beide waren zu passiv und hatten zu viel Respekt voreinander und keine wollte etwas wagen“, sagte Wicke. „Ein Heimspiel hat Vorteile, sagt man immer, aber der Gegner hat dabei viel weniger zu verlieren.“ Für Mirka Nasemann war es „megaschöner Kampf , ich gehe da immer mit einem Grinsen rein, egal, ob ich gewinne oder verliere, denn vor so vielen Zuschauern macht es einfach nur viel Spaß“.

Gelungenes Debüt der Boxer

Der achte Kampf bot eine Neuheit bei der Fight Night: ein Boxkampf. Ein kleines Risiko für Wicke, denn Boxkämpfe können ein Kickbox-Publikum schnell langweilen, wenn dabei viel gehalten, geschoben und wenig geschlagen wird.

Doch der Thaipanther-Trainer nahm diesen Boxkampf ins Programm, weil „es die Korbacher Boxer verdient haben, endlich mal bei mir zu kämpfen“. Er hatte sich Haki Balica (TSV Korbach) und Domenik Arnold (Fulda) auch beim Sparring angesehen und sie als ideales Paar für einen interessanten Boxkampf angesehen. Wicke sollte damit recht behalten, denn der Korbacher und der Fuldauer lieferten sich tatsächlich eine intensiv geführte Ringschlacht, die viel Applaus erhielt und am Ende mit einem Remis gewertet wurde.

Danach wollte Wicke die Mafia auf seine Zuschauer loslassen. Doch diese Show-Einlage fiel einem fast 45 Minuten dauernden Stromausfall zum Opfer. Die Veranstaltung dauerte so schon bis 1 Uhr. So sorgten nur der Schweizer Beatboxer Miguel Camero und eine Feuerschluckerin aus Berlin während der Kampfpausen für Unterhaltung.

Catalin Rusu gewinnt nach Endspurt

Zufrieden war Wicke mit dem Verlauf seiner Spendenaktion. Der Becherverkauf und die Versteigerung eines Boxhandschuhpaars mit der Unterschrift des ehemaligen niederländischen K1-Europameisters Nieky Holzgen brachte rund 1000 Euro, die an die Kinder-Palliativabteilung des Klinikums Kassel übergeben werden.

Holzgen war auch in Külte, aber ohne seinen Sohn Geraldo, der seinen Kampf wegen einer Verletzung absagen musste. Als dritter Thaipanther musste Catalin Rusu gegen Muhammed Turhan aus Bielefeld in den Ring. „Ich muss ehrlich sagen, wir hatten den Gegner unterschätzt. Er sah auch nicht austrainiert aus, aber er war ein guter Boxer.“ Anfangs musste Rusu auch Treffer hinnehmen, dann bekam er zwei Punkte abgezogen, weil ihm mit dem Knie Kopftreffer unterliefen, die im Amateurbereich nicht erlaubt sind. Nach einer Aufholjagd kam Rusu aber noch zu einem Punktsieg.

kickboxer
Durch die Deckung: Joel Huber aus Volkmarsen (rechts) verpasst Henri Demandt (Bochum) einen Wirkungstreffer. © Artur Schöneburg

Nach dieser Auseinandersetzung ging es um den Gürtel der Stadt Volkmarsen und der tritt nun die Reise in die Schweiz an. Der Profi Kevin Buser aus Basel machte mit Enid Spago (Bosnien) kurzen Prozess: K-o.-Sieg in der ersten Runde.

Dann stieg auch der Volkmarser Bürgermeister Hartmut Linnekugel in den Ring und überreichte Buser den Gürtel und Heinfried Wicke eine Urkunde. Der Rathauschef ernannte den Thaipanther für sein Engagement im Kampfsport zum Ehrenbürger von Volkmarsen.

Organisator Wicke denkt ans Aufhören

Der Gürtel für den Hessenmeistertitel blieb nicht in Volkmarsen. Dieses Ziel hatte Resa Rashidi. Der 29-jährige Volkmarser traf auf Albin Hundozi aus Mainz. Obwohl Rashidi mit einer Schulterverletzung antrat, lieferte er seinem Kontrahenten einen mutigen Kampf und verlor nach drei Runden erst in der Verlängerungsrunde. „Trotz der Niederlage eine tolle Leistung von Resa, denn er konnte nicht voll trainieren“, lobt Wicke.

Der Coach weist daraufhin, dass bei der Fight Night immer wieder Duelle zu sehen sind, bei denen eine Amateur auf einen Profi treffe und obwohl sich die Trainingsumfänge weit unterschieden, schlage sich der Amateur häufig sehr gut.

Bleibt am Ende nur noch eine Frage offen: Findet die nächste Fight Night statt, Herr Wicke? Er selbst hält sich da noch bedeckt und dankt vor allem seiner Lebensgefährtin für die Unterstützung ohne die er die Fight Night nicht organisieren könnte. Das gelte auch für die gute Unterstützung seitens der Stadt Volkmarsen und von den Helfern in Külte und aus seinem Verein.

Eine mögliche Antwort auf diese Frage gab dagegen Ringsprecher Tobias Gerold: „Wenn du schon aufhören willst Heinfried, dann mit einer Fight Night in der Nordhessenhalle in Volkmarsen.“ (rsm)

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