„In jungen Jahren schon ein Vorbild“

Noël Backhaus vom SV Buchenberg mit Lu-Röder-Nachwuchspreis geehrt

Gruppe von Personen mit Preisträgerin
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Strahlender Mittelpunkt: Noel Backhaus mit Scheck, Blumen und den Gratulanten Uwe Steuber, Vorsitzender Sportkreis Waldeck-Frankenberg, sowie (von links) Brigitte Senftleben, Vorsitzende des Landesausschusses für Gleichstellung im Sport, Dagmar Schmitt-Merkl, Rosel Schleicher, Alexandra Feith und Sally Kulemann, die alle dem Ausschuss angehören.

Zum zweiten Mal hat der Landessportbund Hessen eine Frau aus Waldeck-Frankenberg mit dem Lu-Röder-Preis geehrt. Noël Backhaus vom SV Buchenberg erhielt die Auszeichnung in der Kategorie „Engagierter Nachwuchs“.

Bad Vilbel/Buchenberg – In der Rubrik „Vorbild/Lebenswerk“ fiel die Wahl des LSBH auf Anita Witamwas (TGV Schotten) – sie folgte auf Marianne Becker vom VfL Adorf, die den mit 1500 Euro dotierten Preis im vergangenen Jahr erhalten hatte.

1000 Euro bekommt die Trägerin des Nachwuchspreises. Noël Backhaus habe ihn mehr als verdient. „Sie ist für mich schon mit jungen Jahren ein Vorbild für Frauen“, sagte Dagmar Schmitt-Merkl, Laudatorin und Mitglied im Landesausschuss für Gleichstellung im Sport, der die Preise vergibt. „Sie hat keine Angst sich in Sportarten zu engagieren und zu behaupten, die immer noch überwiegend von Männern dominiert werden. Ihr Wirken bringt die Gleichstellung im Sport einen Schritt voran.“

Noël Backhaus weist trotz ihrer erst 28 Jahre eine erstaunliche Dauer und Vielfalt ihres Engagements vor. Schon mit elf Jahren beteiligte sie sich als Staffelläuferin an „Gold für Olympia“, dem Staffellauf von Korbach nach Athen über 3600 Kilometer.

In der griechischen Hauptstadt gehörte Noël Backhaus zu denjenigen, die das Staffelholz an den damaligen IOC-Vizepräsidenten Thomas Bach, übergaben. Daraus erwuchs ein weitere nachhaltige Initiative: Die Zusammenarbeit zwischen der deutschen Nationalmannschaft der Fußballfrauen und den Highwalkers des TSV Korbach. Auch Noël Backhaus lief lange auf Stelzen für das gemeinsame Projekt zur Drogen- und Suchtprävention.

Durchgesetzt in einer „Männerdomäne“

Ihr Repertoire erweiterte sich: 2009 bestand sie die Ausbildung zur Fußballschiedsrichterin. Sie beweise damit „Durchsetzungsvermögen in einer immer noch als ,Männerdomäne" zu betrachtenden Sportart“, schreibt der LSBH.

Der Katalog freiwilliger Aufgaben umfasst noch viel nehr: Die Buchenbergerin organisierte große (Jugend-) Fußballturniere, gründete und trainiert Mädchenfußball-Teams, leitete die Talentfördergruppe der Badmintonabteilung des TSV Korbach, Auch war sie Vorstandsmitglied der Sparte, leitete zudem von 2014 bis 2018 die Talentaufbaugruppe der Ederseeschule Herzhausen und verantwortete fünf Jahre lang die Kooperation des SVB im Rahmen des Programms „Schule und Verein“ mit der Schule, an der sie nach Abschluss ihres Lehramtsstudiums 2019 heute unterrichtet.

Seit 2018 gehört Noël Backhaus zudem verschiedenen Ausschüssen des Hessischen Fußball-Verbandes an. Sie besitzt die C-Lizenzen im Leistungssport/Rudern und im Breitensport/Motorsport. Zum Bild gehört, dass sie Schulsportkoordinatorin im Schulbezirk Schwalm-Eder und zusammen mit Eva Zürker (Korbach) für Waldeck-Frankenberg zuständig ist. Backhaus sei eine Frau, „von der wir noch viel erwarten können“, meinte Dagmar Schmitt-Merkl.

Der Lu-Röder-Preis

Mit dem Lu-Röder-Preis würdigt der Landessportbund Hessen „besondere Leistungen von Frauen für Frauen im Sport“. Er erinnert an die 1987 gestorbene Lu Röder, die von 1973 bis 1986 als erste Frau Mitglied im Präsidium des LSBH war. Sie setzte sich einerseits für das selbstbestimmte Sporttreiben von Frauen ein und ermutigte Frauen andererseits, Führungspositionen im Sport zu übernehmen. Dafür entwickelte sie Konzepte und Qualifizierungsmaßnahmen. (red)

Preisträgerin Anita Witwam kam zwar erst mit 26 zum organisierten Sport, engagiert sich aber seit bald 40 Jahren, unter anderem als Leiterin der Skiabteilung und zweite Vorsitzende des Hauptvereins TGV Schotten.

Die Vergabe des Lu-Röder-Preises an die beiden Frauen sei mehr als gerechtfertigt, betonte LSBH-Vizepräsidentin Juliane Kuhlmann. Ihr Engagement und der Preis per se „soll anderen Frauen und Mädchen Mut machen, sich im Sport zu engagieren. Damit wollen wir als Landessportbund gleichzeitig einen Beitrag leisten für mehr Gleichstellung und somit auch für mehr Lebensqualität in Hessen“.

Frühes Engagement: Noël Backhaus (rechts) wirbt gemeinsam mit Svenja Schweitzer im Jahr 2009 für die Frauenfußball-WM zwei Jahre später.

Mit Mick Schumacher beim Kartrennen

Ob Trainerin, Schiedsrichterin, Highwalkerin: Manche der Engagements von Noël Backhaus sind einem im Laufe der Jahre auf die ein oder andere Weise begegnet. Dass die Lu-Röder-Preisträgerin eine C-Lizenz im Motorsport besitzt, gehörte nicht dazu.

Dabei ist die 28 Jahre alte Buchenbergerin dank dieser Qualifikation schon ganz Großen der Branche begegnet. Formel-1-Pilot Mick Schumacher zum Beispiel. Das erzählt sie nebenbei, und wie es dazu kam, ist auf dreierlei Art typisch. Mit 16 Jahren wurde sie auf einer Kartmesse angesprochen – sie war da am Stand ihrer Eltern, die ein Geschäft mit Kartreifen aufgebaut haben. Sie sei gefragt worden, ob sie nicht im Kartsport mitmachen wolle. Sie sagte ja. „Ich bin eine Person, die schlecht sagen kann“, erzählt sie und lacht.

Die Verbindung mit den Eltern ist der zweite Punkt. Noël Backhaus findet, sie sei ins Ehrenamt sozusagen hineingeboren worden. Mutter Jutta engagiert sich etwa als Chorleiterin, Vater Bernd ist seit 25 Jahren rühriger Vorsitzender des SV Buchenberg. „Bei uns in der Familie kennt man das nicht anders“, sagt die Tochter.

„Preis ist eine schöne Anerkennung“

Das Dritte ist die Nachhaltigkeit: Noël Backhaus hat nicht einfach die C-Lizenz erworben, und gut ist. Sie stieg auf in dem vom ADAC Hessen-Thüringen organisierten Kartsport und betreut bis heute ganztätige Rennen als Rennsekretärin und Organisationsleiterin im sogenannten Youngster Cup, also der Serie, wo im besten Fall die Formel-1-Piloten von morgen die Erstausbildung erfahren. Am kommenden Samstag betreut sie wieder eine Veranstaltung in Schaafheim bei Aschaffenburg.

Dass der Landesausschuss für Gleichstellung im Sport sie auf Vorschlag des Sportkreises Waldeck-Frankenberg sie zur Preisträgerin gekürt hat, habe sie überrascht, sagt Noël Backhaus. „Ich finde es toll, dass ich gewählt worden bin.“ Ehrenamtliche seien ja in der Regel die Personen, die im Hintergrund arbeiteten und blieben. „Das ist auch deshalb eine schöne Anerkennung.“ mn

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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