Poolbillard: Knappe Niederlage gegen Wiesbaden

Spannung bis zur letzten Neun: Bad Wildunger Nachwuchs startet gut in die Regionalliga

Guter Saisoneinstand: Die Regionalligaspieler vom Nachwuchs des 1. PBC Bad Wildungen – von links: Simon Schreiter, Jacob Sassor, Felix Vogel, Andreas Klauser (Vorsitzender und Trainer), Emma Mundhenke, Tim Skura und Emil Sassor.
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Guter Saisoneinstand: Die Regionalligaspieler vom Nachwuchs des 1. PBC Bad Wildungen – von links: Simon Schreiter, Jacob Sassor, Felix Vogel, Andreas Klauser (Vorsitzender und Trainer), Emma Mundhenke, Tim Skura und Emil Sassor.

Fünf Regionalligen gibt es im Pool-Billard bei der Jugend. Bundesweit ist das die höchste Liga. Auch der PBC Bad Wildungen ist dabei, und das sogar mit zwei Mannschaften. Mit Heimrecht ging die Saison los.

Bad Wildungen – Gespannt blickt Felix Vogel der gelb-weißen Neun hinterher. Sie findet den Weg in die Ecktasche. Doch wo ist die weiße Spielkugel? Hoppla! Gerade noch hebt Felix im Sprung die Hand vom blaubespannten Billardtisch, um ein Foul zu vermeiden und getroffen zu werden. Kräftiges Durchschnaufen bei den Teamkollegen. Und Freude über den Ausgleich zum 3:3 im packenden Match Bad Wildungen I gegen BC Wiesbaden.

Es ist quasi das Gipfeltreffen gewesen zum Saisonauftakt in der Jugend-Regionalliga Mitte im Poolbillard, an der der 1.PBC Bad Wildungen als einziger Club mit gleich zwei Mannschaften teilnehmen kann. Die Premiere 2020 fiel der Pandemie zum Opfer. Die Saison 2021/22 hat am Sonntag im Vereinsheim des PBC in Altwildungen begonnen und einen guten Einblick gegeben in das Resultat der intensivierten Nachwuchsarbeit des Wildunger Vereins.

Poolbillard: Modus der Regionalliga ungewohnt

Sechs Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren, die Hälfte der aktuellen Jugendabteilung, nehmen es erfolgreich auf mit ihren Gegnern aus Südhessen. Von denen sind manche erst zehn Jahre alt müssen und in ihr Trikot erst noch hineinwachsen.

An den vier Tischen herrscht eine lockere Atmosphäre, Zwischenbemerkungen im Spaß sind nicht zwingend unerwünscht. Aber Billard-Teamsport ist hier eine besondere Herausforderung: Der Modus der Regionalliga sieht vor, dass pro Durchgang ein Einzel und ein Doppel gespielt werden, also zwei Spieler abwechselnd stoßen. Ungewohnt für die meisten, auch für Jacob Sassor, der mit Simon Schreiter und dem jungen Marburger Ausnahmetalent Felix Vogel das Team Bad Wildungen I bildet. „Ich habe den Modus vorher wenig gespielt. Es war trotzdem gut, jemanden an der Seite zu haben, der Tipps oder eine andere Sicht auf die Situation hat“, sagt der 19-Jährige.

Geht die rein? Felix Vogel vom Team Bad Wildungen I probiert‘s, Emma Mundhenke und Emil Sassor (Wildungen II, hinten) gucken, ob es klappt.

Zunächst steht für sein Team der interne Vergleich mit Wildungen II auf dem Spielplan; für diese Mannschaft gehen Emil Sassor sowie Tim Skura und Emma Mundhenke an den Tisch, die wie Jacob Sassor vor vier Wochen die heimischen Farben bei der deutschen Meisterschaft vertreten haben. Mit 4:2 holt Wildungen I den Sieg, wobei die „Zweite“ ihre Punkte in den Einzeln gewinnt.

Tim holt den einen, Emma den anderen. Sie brachte es vor kurzem zu Bronze bei den Deutschen Meisterschaften und zählt zu den größten Talenten. Hessens Landestrainer Martin Hummel überzeugt sich am Sonntag selbst davon und sieht eine 13-Jährige, die auch in den Pausen immer wieder am Tisch ein paar Bälle trainiert – der Sport hat es ihr angetan, auch wenn sie erst seit einem halben Jahr spielt.

Der BC Wiesbaden gewinnt parallel mit 6:0 gegen den PBC Gelnhausen, später besiegt die Wildungen II die Gelnhäuser mit 4:2. Tim Skura bleibt dabei in Einzel und Doppel ungeschlagen.

Ein packendes „Stechen“ zum Abschluss

Den Schlusspunkt bildet das Match Wildungen I gegen Wiesbaden, es ist das Spiel mit dem höchsten Niveau, zumal drei deutsche Meister mitwirken. Neben Bundeskader-Spieler Felix Vogel, der vier DM-Medaillen geholt hat, sind dies beim Gegner Natalia Gabriel und 1,90-Meter-Hüne Laurenz Geitz. Nach einem Sieges-Hin und Her und spannendem Verlauf muss das Regelwerk bemüht werden. 3:3 – und jetzt?

Die Verlängerung bildet im Billard ein Shootout – drei gegen drei auf drei Gewinnspiele. „Das ist fair, weil so das Können des gesamten Teams zum Endstand beiträgt, nicht nur die Leistung von einzelnen“, meint Simon Schreiter – obwohl er mit dem Wildunger Team mit 2:3 hauchdünn den Kürzeren zieht. „Das war wie ein Finale mit Elfmeterschießen“, beschreibt Andreas Klauser die Spannung. Der Wildunger Vorsitzende und Trainer der Jugendteams ist zufrieden mit seinen Teams. Ärger über die knappe Niederlage gibt es nicht.

Gut hingeschaut: Simon Schreiter (Wildungen I) ist dran, Tim Skura (Wildungen II, hinten) will drankommen.

Klausers Schützlinge meistern die neue Situation ohne Nervosität. „Das Shootout war ganz neu für mich und sehr spannend bis zum letzten Ball. Nervös war ich aber nicht“, sagt Jacob Sassor. Er sieht wie auch Simon Schreiter keinen Grund für Enttäuschung: „Dass wir gegen Wiesbaden bis ins Shootout gekommen sind, war eine Überraschung, da sie eigentlich das stärkere Team sind.“

Anfang Februar und Mitte März treffen sich die Teams erneut; zunächst in Gelnhausen, dann in Wiesbaden. Dort ist dann die Wildunger Revanche geplant für dieses 3:4. (Dirk Schäfer)

PBC Bad Wildungen in Hessen führend bei Jugendarbeit

Seit 13 Jahren gibt es beim 1989 gegründeten 1. PBC Bad Wildungen die „erste konstruktive Jugendarbeit“, wie es Andreas Klauser nennt. Der Vorsitzende darf sich heute darüber freuen, dass sein Verein mit elf Jugendlichen die größte Nachwuchsabteilung in Hessen hat.

In den Anfängen der Jugendarbeit beteiligte sich der PBC unter anderem regelmäßig an Aktionen der Stadt. Entstanden sind im Rahmen des Landesprogramms „Schule und Verein“ Kooperationen, die heute ein wichtiger Bestandteil im Vereinsleben sind. Als erste Schule ließ sich das Gustav-Stresemann-Gymnasium auf die Billardspieler ein. Nach jahrelangen Anfragen entstand 2018 auch eine Kooperation mit der Ense-Schule, 2019, außerdem mit der Gesamtschule Edertal.

Einmal wöchentlich fahren die Schüler zur Billard-AG ins PBC-Clubhaus in der ehemaligen Geflügelfarm. „Aus dieser AG haben wir den Großteil der heutigen Jugendspieler rekrutiert“, erklärt Klauser, der den Samstag zum Nachwuchstreff im Clubhaus gemacht hat. „Wir haben beschlossen, dass wir gemeinsam frühstücken; dabei sprechen wir auch über Privates.“ Um 11 Uhr geht es für meist drei Stunden zum Trainieren an die Tische. „Wenn kein Spieltag ist, wird es auch mal sechs Uhr abends“, erzählt Klauser, dessen Schützlinge offenbar nicht genug kriegen vom Billard. (schä)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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