Tipps nicht nur für Neulinge

Saisonstart im Sattel: Was ist das richtige Rad für Gelände und Asphalt

Frau und Mann auf Fahrrädern mit dem Edersee im Hintergrund
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Auf in die Radsaison: Wer künftig auch (mehr) Radfahren will, zum Beispiel wie hier am Edersee, braucht das richtige Rad und sollte es gut pflegen.

Die von Corona gebeutelten Menschen zieht es nach draußen. Immer gefragter dabei: Freiheit im Sattel. Wir stellen Radfahren als Volkssport in den Mittelpunkt einer Serie. Sie beginnt mit der Vorbereitung: Radkauf und -pflege.

Waldeck-Frankenberg - Für manchen Rad-Neuling ist es womöglich schon der zweite Corona-Frühling, andere wiederum starten als echter Laie in den Frühling. Während die einen das Bike flott machen für die erste Tour, stehen die Anfänger vor der schweren Frage: Welches Rad’l hättens denn gern?

Vom klassischen Rennrad über das Trekking-Rad bis hin zum Mountainbike reicht das Angebot. „Die erste Frage, die man sich selbst stellen sollte und die man auch vom Händler gestellt bekommt ist: Wofür brauche ich das Rad?“, sagt Robin Frese, 2. Vorsitzender des mitgliederstärksten heimischen Radsportvereines, dem Radwerk Upland. Gemeint ist damit in erster Linie: Fährt man eher im Gelände wie etwa im Wald oder mehr auf asphaltierten Strecken, fährt man lange oder kürzere Touren?

In Frage kommt dann eine von drei Rad-Varianten:

Mountainbike: Wer es bergig und etwas steiler im Profil mag, kommt um ein Mountainbike nicht herum. Es ist meist nicht straßenverkehrssicher, das lässt sich aber problemlos nachrüsten. „Solch ein Bike ist längst nicht nur fürs Gelände gut, zumal es auch mit glatteren Reifen fahrbar ist“, weiß Otto Brocke, Vorsitzender des seit 1896 bestehenden RV Korbach.

Wichtig bei den diversen Ausstattungsmerkmalen ist die Federung. Hier heißt die Frage: „Fully“ oder Hardtail? Hardtail bedeutet, dass das Bike nur ein gefedertes Vorderrad hat, während das „Fully“ (Full Suspension) vorne und hinten gefedert ist. Dadurch ergibt sich in unwegsamem Gelände bessere Bodenhaftung. Das Hardtail-Rad eignet sich hingegen eher für Fahrten auf gut befestigten Straßen, Feld- und Forstwegen.

Trekking-Rad: Verkehrssichere Vollausstattung, aber dennoch Geländereifen: Das Trekking-Bike ist, wenn man so will, die Eier legende Wollmilchsau unter den Fahrrädern. Diese Räder ähneln optisch Mountainbikes, haben aber einen deutlich schlankeren Rahmen und auch dünnere Reifen. „Das leichte Profil taugt sehr gut bei Fahrten auf asphaltierten oder leicht geschotterten Wegen oder im Stadtverkehr auf dem Weg zur Arbeit“, erklärt Robin Frese.

Trekkingfahrräder sind meist bis zu fünf Kilo schwerer als Mountainbikes, gleichwohl machen sie längere Ausflüge bequemer, unter anderem durch eine weniger sportliche Sitzposition.

Rennrad: Das Rennrad ist nicht ausgestorben, wenngleich es zum Beispiel nicht so gelenkschonendes Fahren wie Trekking- und Mountainbike ermöglicht, weil es keine Federung hat. Rennräder dienen sportlich ambitioniertem oder leistungsorientiertem Fahren auf befestigten Straßen. Für Neueinsteiger sind Geometrie, Fahreigenschaften und auch die Sitzposition gewöhnungsbedürftig.

Im Kommen ist eine Abwandlung des Rennrades, das so genannte Gravelbike. Es ist eine Kombination aus Mountainbike und Rennrad – optisch einem Rennrad ähnelnd aber zudem unter anderem mit leichter Profilierung und aufrechterem Sitz, was längere Touren ermöglicht.

Nimmt man dann noch die verschiedenen Gangschaltungen, Rahmengrößen und andere Faktoren hinzu, ergibt sich schnell die Qual der Wahl. Was sie erleichtert: ein Besuch beim Fachhändler. „Ich empfehle, in mindestens zwei Geschäfte zu gehen, um Beratung, Preise und Service vergleichen zu können“, sagt Otto Brocke.

Vor dem Kauf das Rad ruhig testen

Tobias Schmidtmann vom EGF Bunstruth-Racing-Team rät: „Vor dem Kauf kann man sich auch erst einmal ein Rad zum Testen ausleihen. Und wer wirklich vor hat, im Gelände zu fahren, dem rate ich einen Besuch im Bikepark in Willingen. Danach weiß man erst, was es überhaupt heißt, im Gelände zu fahren“, sagt der passionierte Biker aus Haina-Römershausen.

„Jeder hat andere Ansprüche an ein Rad, schon allein deshalb empfiehlt es sich, sich vom Fachhändler verschiedene Modellgruppen und Ausstattungsvarianten zeigen zu lassen“, weiß Thorsten Jähn vom Fahrradhaus Jähn in Thalitter.

Wir suchen die schönsten Fahrradstrecken

Wir haben tolle Seen, wir haben schöne Wälder – Waldeck-Frankenberg bietet zweifellos eine Menge El Dorados für Radfahrer. Und es gibt sicher „schöne Eckchen“, die noch nicht jeder erkundet hat Wir suchen die Geheimtipps unserer Leser. Welches ist Ihre Lieblingsstrecke? Wo sollte man unbedingt mal geradelt sein in unsere,m Landkreis? Zeigen Sie es uns und schreiben Sie (am besten bis 6. Mai) eine E-Mail mit Stichworten und Erklärungen und gern auch einigen Bildern von ihrer schönsten Route. Wir veröffentlichten ausgewählte Tipps! Die Mailadresse: sportredaktion@wlz-online.de

Dadurch ergebe sich mitunter auch ein Umdenken bei den Kunden. Beispiel: Ein Fahrrad mit Tiefeinstieg, so Jähn, „wird immer populärer“ und ist eben nicht nur für Frauen gut geeignet, sondern auch für männliche Senioren.

Überwintern? Am besten aufgehängt

Individuelle Beratung sei maßgebend dafür, ob ein Radfahrer mit seinem Rad zufrieden ist. Mit ergonomischer Sitzknochen-Vermessung lässt sich der ideale Sattel finden, auch für die Griffe kann gemessen werden“, so Jähn. Beim Kauf eines E-Bikes ist es ratsam, gewünschte Reichweiten abzufragen, um den richtigen Akku zu finden.

Nach der Radsaison ist vor der Radsaison – das wissen erfahrene Biker. Und das sollten auch unerfahrene wissen. „Wer im Winter nicht fährt, sollte schon im Herbst sein Rad frühjahrsfit machen“, rät Otto Brocke vom RV Korbach. Überwintern am Haken ist dabei für das Fahrrad besser, um die Reifen zu schonen.

Waschen und schrauben ist nicht alles

Viele Hausaufgaben in Sachen Wartung und Pflege können auch Laien selbst erledigen. Bei Zweifeln oder komplizierten Teilen ist der Gang zur Fachwerkstatt unerlässlich. Unsere Checkliste:

Der erste Blick: Zuerst empfiehlt sich der Blick aufs Material: Sitzen Bremsen und Räder (Radlager) richtig? Sind die Bremsbeläge in Ordnung? Sind alle Schrauben fest? Stimmen Lenker- und Sattelhöhe?

Die Reinigung: Eine Grundreinigung hilft, den Verschleiß zu minimieren. Das gilt auch nach jeder größeren Tour“, sagt Thorsten Jähn vom Fahrradhaus Jähn. Vorbildlich: biologisch abbaubarer Reiniger. „Spüli“ tut’s aber allemal auch.

Die Kette sollte regelmäßig geschmiert werden, etwa einmal pro Monat. Reinigung der Kette: Für groben Schmutz eine Bürste verwenden, für leichte Verunreinigungen ein Tuch.

Nach jedem Training ölen Wettkampf-Radler wie Tobias Schmidtmann die Kette. Fürs Hobby-Rad genügt einmal im Monat.

Die Reifen: Sollten genug Luft und ausreichend Profil haben, dürfen weder Risse noch Beschädigungen aufweisen. Egal wie teuer ein Reifen ist: Luft kann im Stand immer mal entweichen. Daher vor jeder Fahrt die Luft kontrollieren. „Durch den Luftdruck kann man den Fahrkomfort verbessern“, sagt Tobias Schmidtmann vom Racing-Team Bunstruth und fügt an: „Hoher Reifendruck heißt nicht, dass der Rollwiderstand besser ist, im Gegenteil. Und man merkt sofort jeden kleinen Stein.“

Was tun bei einer Reifenpanne unterwegs? Do-it-yourself fällt manchen schwer. „Allein den Schlauch rein und raus zu bekommen, ist nicht einfach für Laien“, sagt Robin Frese. Zudem müsse man daran denken, zu fühlen, ob der Pannen-Verursacher wie etwa ein Dorn, noch im Mantel stecke. Freses Tipp: „Auf YouTube gibt es gut erklärte, sehr hilfreiche Tutorials.“

Die Schaltung: Vor allem zum Start in die Saison ist es sinnvoll, die Schaltung vom Fachmann neu einstellen zu lassen. Dass diese verstellt ist, erkennt der Rad-Neuling laut Robin Frese zum Beispiel daran, „dass die oberen oder unteren Gänge nicht mehr aufs Ritzel springen oder dass die Kette zwischen zwei Gängen hin- und herspringt“.

Das E-Bike: Es wird genauso gepflegt wie andere Radarten. Wichtig ist aber, die Kontakte des Akkus sauber zu halten, weiß Thorsten Jähn. „Und man sollte den Akku auch im Winter laden.“ Jähn empfiehlt, ein e-Bike einmal im Jahr zur Inspektion in die Werkstatt zu bringen, zumal Federelemente und Motoren gewartet werden müssen. schä/frg

Wer sein Fahrrad vor Diebstahl schützen will, sollte unbedingt auf ein Schloss zurückgreifen. Stiftung Warentest hat Fahrradschlösser* getestet. Tipps zur Radpflege gibt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club im Internet auf der Seite adfc.de/artikel/fahrradpflege. *ruhr24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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