Kontaktbeschränkung schmerzt am meisten

Segelclub Edersee bundesweit erster Verein, der wieder eine Regatta veranstaltet hat

Der Wettbewerb ist zurückgekehrt: Der SC Edersee darf wieder Segelregatten austragen.
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Der Wettbewerb ist zurückgekehrt: Der SC Edersee darf wieder Segelregatten austragen.

Der Segelclub Edersee hat in diesem Jahr die erste Regatta in Deutschland veranstaltet. Na und, würde man in Nicht-Corona-Zeiten dazu sagen. Doch während des Lockdown-Lebens im Frühjahr haben viele andere Segelclubs den SCE-Verantwortlichen um ihren Vorsitzenden Andreas Rohrbach diese Frage gestellt: Wie habt ihr das gemacht?

Edersee – Dessen Sohn Jan-Hendrik Rohrbach wiederholt als SCE-Sportwart noch einmal die Antwort, die er oft gegeben hat: „Das war nur möglich durch eine gute Abstimmung mit dem Landkreis und ein von uns mit dem Gesundheitsamt erarbeiteten Hygienekonzept.“ Nur so sei eine Regatta mit 40 Einmannbooten mit Teilnehmern aus ganz Deutschland möglich gewesen, sagt der 26-jährige Unternehmensberater.

Und er verhehlt nicht, dass der Verein auf diese Leistung auch ein wenig stolz ist. „Nicht einmal auf der Nord- und Ostsee gab es vorher eine Segelregatta, einige Vereine hatten es vergeblich versucht, viele von ihnen haben dann unser Hygienekonzept weitgehend kopiert.“

Dankeschön von den Teilnehmern

Ein Erfolgsgarant für diese Regatta unter Corona-Bedingungen waren Tests und Maskenpflicht an Land. Die Freude über den lang vermissten Wettkampf war auch bei den Seglern groß: „Wir haben von fast allen Teilnehmern nachträglich noch ein Dankeschön erhalten“, erzählt Rohrbach, der in Bad Arolsen zu Hause ist. Die mögliche Kritik von Außenstehenden, „was macht ihr da, alle haben dicht, nur ihr segelt“, blieb dem Verein erspart. Doch als dann Ende April von Berlin aus die Bundesnotbremse gezogen wurde, standen auch am Edersee die Boote wieder festgezurrt am Ufer.

Die Segler hätten durchaus die Ausnahme dieser Reglung sein können, aber die sollte es politisch nicht geben. „Im Segelsport ist das Infektionsrisiko nahezu gleich null“, meint Rohrbach. „Auch wenn man zu zweit oder zu dritt in einem Boot segelt, ist das recht ungefährlich, weil ja alles draußen stattfindet.“

Jan-Hendrik Rohrbach, Sportwart des Segelclubs Edersee

Was hat den Verein am härtesten getroffen? Die Antwort hat der Sportwart sofort parat: „Die Kontaktbeschränkung.“ Nur noch zwei Segler waren lange Zeit auf einem Boot erlaubt, das Vereinsheim geschlossen. „Ein Verein lebt ja nicht nur vom Sport allein, sondern vor allem von der Gemeinschaft.“ Doch plötzlich habe der Fokus nur noch auf dem Sport gelegen, Leute, die sich kennen, mussten sich aus dem Weg gehen und das gemeinsame Bierchen nach dem Segeltörn gab es nicht mehr.

Ein Dreimann-Boot wurde nun mehr schlecht als recht mit zwei Seglern auf Kurs gehalten. „Das konnten nur erfahrene Segler, denn die mussten natürlich die Arbeit für den dritten mitmachen, aber bei starkem Wind bekamen auch sie es nicht hin.“ Das Boot kann dann nicht mehr seine mögliche Leistung entfalten. „Die Manöver werden deutlich langsamer“, erzählt Rohrbach. Dennoch haben die SCE-Verantwortlichen bei der ersten Regatta nach der Lockerung, dem Blauen Band an Pfingsten, ein Dreierboot-Rennen mit zwei Seglern veranstaltet.

Nun dürfen wieder drei Segler ins Boot und die Saisonplanung beim SC Edersee wird zumindest sportlich nicht mehr eingeschränkt. „Wir werden alle Regatten veranstalten, aber leider müssen wir weiterhin auf die Feier nach der Regatta verzichten“, sagt Rohrbach, und man hört aus seinen Worten heraus, dass ihm der weitere Verzicht auf den geselligen Abschluss schwerfällt. Dieser Zwang zur Isolation hat dem Verein aber noch keine Mitglieder gekostet. „Wir verzeichnen trotz Corona sogar einen kleinen Mitgliederzuwachs“, sagt Rohrbach. Rund 230 Mitglieder sitzen derzeit im SCE-Boot.

„Wasserstand im Edersee derzeit 1A“

Nicht nur Corona zieht sich in den Sommermonaten immer mehr zurück, sondern auch das Wasser im Edersee. Ist diese sich langsam ausbreitende Leere derzeit wieder das Hauptproblem für die Segler?

Die Antwort von Rohrbach überrascht, auch wenn es im Frühjahr viel geregnet hat. „Der Wasserstand ist 1A, ich kann mich nicht daran erinnern, wann der Edersee um diese Zeit mal so voll war.“ Aber lange ist dieser Pegelstand wohl nicht mehr zu halten, oder? Der Sportwart muss laut lachen. „Das weiß ich nicht, aber wir hoffen, dass wir bis in den Oktober auf einer immer noch großen Fläche segeln können.“ Mit Hilfe einer App können die Segler täglich den Wasserstand des Sees überprüfen. Sie hoffen außerdem auf ein neues Konzept, bei dem im Winter nicht so viel abgelassen werden soll und auf eine Resolution zur Wasserbewirtschaftung des Sees, die die Anrainerkommunen Waldeck, Vöhl, Edertal und Bad Wildungen kürzlich dem Landkreis übergeben haben. Sie fordern: Im Edersee muss im Sommer künftig ausreichend Wasser vorhanden sein.

Rohrbach sieht hier die eigene Zunft eher in einer Nebenrolle: „Bei dieser Frage sind nicht die Segler wichtig, sondern der Tourismus und alle jene, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen. „Für Atlantis, wenn die Brücke bei Asel wegen zu wenig Wasser aus dem Edersee auftaucht, schaut ein Tourist nur einmal vorbei, aber bei einem volleren See kommt er öfter“, vermutet Rohrbach. Er sieht keine Gefahr darin, dass ein Boot in einem immer leerer werdenden See plötzlich auf Grund laufen könnte, obwohl dann im Edersee kleine Inseln auftauchen.

Olympia bringt auch keinen Mitgliederschub

Aber in Zeiten von Trainingsangeboten im Internet oder Fahrsimulatoren stellt sich die Frage, ob man mittlerweile auch im Trockenen Segeln kann. „Es gibt tatsächlich einen Regatta-Simulator des Deutschen Segelverbands, aber der macht keinen Spaß. Ich bezweifele auch, dass er einen Segler besser macht.“ Sie dürfen nun alle wieder Bootszeiten in der realen Welt verbringen. SCE-Mitglieder müssen dafür nicht einmal eine eigene Jolle vorweisen, denn der Verein besitzt Boote, mit dem sie in See stechen können.

Rohrbach wünscht sich mehr Mitglieder, aber es sei schwierig, diese zu erreichen. Im hiesigen Schulsport stehe Segeln leider nicht auf dem Stundenplan, sagt er. Und auf einen Schub durch die in wenigen Wochen beginnenden Olympischen Spiele glaubt er auch nicht. „Segeln ist bei Olympia kaum medienpräsent.“ Vielleicht helfen ja diese Zeilen ein wenig. (rsm)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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