Zweite Spiele für Bad Wildungerin

Aufatmen: Carolin Schäfer erhält „grünes Licht“ für Olympia

Kann den Rucksack packen: Carolin Schäfer (hier beim Wettkampf Mitte Mai in Neuwied) wurde für die Olympischen Spiele nominiert.
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Kann den Rucksack packen: Carolin Schäfer (hier beim Wettkampf Mitte Mai in Neuwied) wurde für die Olympischen Spiele nominiert.

Das Waldecker Land hat auch 2021 eine Olympionikin: Siebenkämpferin Carolin Schäfer ist vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nominiert worden, was der Deutsche Olympische Sportbund bestätigt hat.

Frankfurt/BadWildungen – Nun ist es offiziell: Die Bad Wildungerin steht auf der 90 Namen umfassenden Liste der Leichtathleten für Tokio. In der japanischen Hauptstadt werden am 23. Juli die vom Sommer 2020 verlegten olympischen Spiele eröffnet. Es sind die zweiten für die 29-Jährige, die für Eintracht Frankfurt startet und unter anderem mit ihrem Mainzer Trainingskollegen Niklas Kaul (Zehnkampf) die deutschen Farben in Tokio vertritt.

Die Freude dürfte durchaus groß sein bei „Caro“. Denn nachdem sie die Olympia-Norm bereits 2019 geknackt hatte, schien der Weg nach Tokio eher Formsache zu sein. Die Träume von einer Steigerung gegenüber Rio 2016 – dort wurde Schäfer Fünfte – durften reifen.

Doch das mit der Formsache war so eine Sache. Denn nach dem wettkampfarmen Coronajahr 2020, in dem sie aber deutsche Meisterin wurde, sowie einem intensiven Trainingswinter und -frühjahr kam Schäfer in diesem Sommer nicht in Form. Nach einer eigentlich als Erleichterung empfunden Impfung gegen das Corona-Virus waren w wie mehrfach berichtet – derartige Nebenwirkungen aufgetreten, dass ein Trainingsaufbau nach Plan längere Zeit völlig ausgeschlossen war.

DLV will auf Carolin Schäfer nicht verzichten

Wettkämpfe waren auf dieser Grundlage zunächst nicht möglich und später wenig sinvoll – Absage für Götzis, Absage für Ratingen. Plötzlich war es nicht mehr so klar, dass die beste deutsche Mehrkämpferin zu Olympia fährt. Denn schlussendlich fehlte der vom DLV geforderte Leistungsnachweis 2021.

Diesen habe sie „ohne eigenes Verschulden“ nicht erbringen können, argumentierte der DOSB und verzichtete auf den Leistungsnachweis. Die Nordhessin habe zudem „in den vergangenen Tagen in einem Trainings-Vierkampf Leistungsdaten erbracht, die eine stark ansteigende Form nachweisen“, führte DOSB-Sprecherin Ulrike Spitz auf Nachfrage der HNA und mit Verweis auf ein Schreiben des DLV aus. „Keine andere deutsche Athletin erleidet durch einen Start von Carolin Schäfer einen Nachteil.“

Das ist der Fall, da neben Carolin Schäfer mit Vanessa Grimm aus Hofgeismar nur noch eine weitere deutsche Mehrkämpferin die Olympia-Startberechtigung besitzt. Damit kommen beide deutschen Starter im 24er Siebenkampf-Feld in Tokio aus Nordhessen.

Letztlich kam es also, wie es Experten vermutet hatten: Auf seine Beste will der DLV in Tokio nicht verzichten. Und so ist die frühere WM-Zweite Carolin Schäfer dabei, was nach ihrer Mitteilung in den sozialen Netzwerken bereits reichlich Glückwünsche nach sich zog.

Gonschinska: „Klare Tendenz nach oben“

„Caro hatte die Olympianorm im Jahr 2019 erreicht und nimmt zudem im World Ranking eine vordere Platzierung ein“, begründet Idriss Gonschinska, der DLV-Vorstandsvorsitzende Leistungssport, die Entscheidung. „Ihre zuletzt durchgeführten Leistungstests und Trainingsleistungen haben eine klare Tendenz nach oben gezeigt und stimmen uns in Richtung der Olympischen Spiele sehr optimistisch“, so Gonschinska weiter.

So dürfen sich Familie und Fans rund um Bad Wildungen auf den zweiten Olympia-Auftritt von Caro Schäfer freuen.

Diese hat also mehr Glück in einem schwierigen Jahr als andere bekannte Leichtathleten. Der zweifache Kugelstoß-Weltmeister David Storl beispielsweise verpasst verletzungsbedingt die Spiele. Der formschwache Diskus-Olympiasieger Christoph Harting – Goldmedaillengewinner von Rio 2016 – ist nur Ersatz im Aufgebot.

Größte Hoffnungsträger sind Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo, der derzeit weltweit herausragende Speerwerfer Johannes Vetter und Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul. (schä/dpa)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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