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Ski-Club trauert um seinen ersten Olympia-Teilnehmer Karl Schüßler

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Ehrenrunde durch Willingen: Karl Schüßler wurde für seine Olympiateilnahme 1952 nicht nur vom Ski-Club gefeiert. Mit 98 Jahre ist er nun gestorben.
Ehrenrunde durch Willingen: Karl Schüßler wurde für seine Olympiateilnahme 1952 nicht nur vom Ski-Club gefeiert. Mit 98 Jahre ist er nun gestorben. © SC Willingen/pr

Karl Schüßler, Willingens erster Olympia-Teilnehmer überhaupt und ältestes Vereinsmitglied des Ski-Clubs Willingen, ist im Alter von 98 Jahren in seiner Heimat gestorben.

Ein ehrendes Andenken ist dem Ski-Club-Ehrenmitglied gewiss, denn Schüßler hat den Skilanglauf im Waldecker Upland und im benachbarten Sauerland entscheidend geprägt.

Als Olympia-Starter bei den Winterspielen in Norwegen vor mehr als 70 Jahren hat der Willinger Skilangläufer für immer einen Eintrag in der olympischen Datenbank sicher: Er lautet: „Karl Schüßler (Langlauf - 1952 in Oslo). Der erste Olympiateilnehmer des SC Willingen, der nordische Skirennläufer Karl Schüßler, nahm an den Olympischen Winterspielen 1952 in Oslo über 50 km im Langlauf teil, kam aber nicht ins Ziel. Schüßler besaß ein Hotel in seiner Heimatstadt Willingen.“

Auf Skiern erfolgreich: Karl Schüßler wurde allein 14 Mal westdeutscher Meister.
Auf Skiern erfolgreich: Karl Schüßler wurde allein 14 Mal westdeutscher Meister. © pr

Der Hotelier gab sein sportliches Wissen und Können einer ganzen Generation Skilangläuferinnen und Skilangläufer weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Ski-Club-Vorsitzende Hans Schlömer ein Motor in Sachen Langlauf und schickte Schüßler zu Trainer Paul Freise ins Trainingslager am Spitzingsee.

Davon profitierte Schüßler ebenso wie seine Willinger Trainingskameraden sehr. Als einziger Langläufer aus dem westdeutschen Raum schaffte er die Olympia-Nominierung. Zu seiner großen Freude qualifizierte sich sein Zögling Karl-Wilhelm Lindner für das olympische Jugendlager, das auch dessen sportliche Karriere weiter positiv beeinflusste und beinahe ebenfalls zur Olympiateilnahme in der Leichtathletik geführt hätte.

Karl Schüßler: Teil eines „Willinger Langlauf-Kreativcamps“

Schüßler holte insgesamt 14 westdeutsche Meistertitel im Langlauf und in der nordischen Kombination. Um ihn herum entwickelte sich ein erstes Willinger Leistungszentrum.

Schuhmacher Werner Wilke mit seiner Schusterstube im Neuen Weg stellte die Langlaufschuhe selbst her, Stellmacher Wilhelm Wilke brachte die Ski und Stöcke auf den neusten Stand. Beide waren auch selbst in der Loipe unterwegs, und da Schüßler und Karl Urff ganz in der Nähe wohnten, entwickelte sich das „Willinger Langlauf-Kreativcamp“ als eine erste Nachwuchsschmiede, wie in der Ski-Club-Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins nachzulesen ist.

Auch nach seiner aktiven Zeit blieb Schüßler dem Vereinsleben treu. Ganz besonders freute er sich über die Erfolge seiner Nachfolger im Ski-Club Willingen – von Karl-Wilhelm Lindner bis Jochen Behle, aber auch darüber, dass sein Enkel Dominik ebenfalls im Wintersport erfolgreich war, unter anderem wurde er mit der Staffel deutscher Jugendmeister im Biathlon.

Stolz war Schüßler auch über Dominiks Naturschutz-Engagement, als der damalige Schüler am Gymnasialzweig der Uplandschule mit seinem „Weltcup-Pfand“ an der Mühlenkopfschanze weggeworfene Pfandflaschen einsammelte und das so verdiente Geld für den Meeresschutz spendete. Eine auch von den Medien viel beachtete Aktion, die den Namen Schüßler noch einmal in die Sportwelt trug und viel Lob und Anerkennung beim Deutschen Olympischen Sportbundes gefunden hat. (Werner Rabe )

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