Eine von wenigen Frauen im Sprungrichter-Job

Angelika Göbel: Die Frau im Turm ist auch ein Teil der Willinger Skisprung-Familie

Nicht auf den Namen schauen: Auch ihre Nichte Michelle musste Angelika Göbel (links) schon benoten.
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Am besten nicht auf den Namen schauen: Auch ihre Nichte Michelle musste die Willingerin Angelika Göbel (links) schon benoten.

Bis zu 500 Sprünge am Tag benoten - das ist der Job von Angelika Göbel. Sie ist eine von wenigen Frauen, die als Kampfrichter beim Skispringen tätig ist.

Sie war schon beim Continental-Cup der Skispringer 2016 auf der größten Großschanze der Welt mächtig stolz darauf, als erste Frau überhaupt auf ihrer „Heimatschanze“ als Fis-Kampfrichterin in Willingen im Turm zu sitzen. Und nach vielen Einsätzen mehr bei Vierschanzentournee und Weltcups war es für Angelika Göbel trotzdem wieder „etwas ganz besonderes“ bei gleich vier COC-Springen innerhalb von 24 Stunden auf der Mühlenkopfschanze werten zu dürfen.

Auch ein Rekord. „Jeweils acht Stunden lang und bis zu 500 Sprünge am Tag – ein anstrengendes Wochenende, aber ich hatte viel Spaß dabei“, zieht die international anerkannte Sprungrichterin des Ski-Clubs Willingen eine persönliche Bilanz.

Ein bisschen Mitleid mit denen, die nicht so weit fliegen

Derartigen Stress hatte sie schon 2016 auf der Finnland-Reise mit der Vor-WM in Lahti und dem anschließenden Weltcup in Kuopio erlebt, aber gerne weggesteckt. Aber zu Hause ist eben doch auch alles etwas anders. Noch dazu unter Corona-Bedingungen. Mannschaftsführersitzung morgens um 9 Uhr, rechtzeitig zum Covid19-Test und mit den eigenen Unterlagen und Aufzeichnungen raus an die Schanze. Beim Weltcup in der Woche zuvor – ebenfalls ohne die vielen treuen Fans – betreute Göbel die Offiziellen und ihre Sprungrichter-Kollegen aus aller Welt.

Die „2. Liga“ der Skispringer bietet den Sprungrichtern Top-Sprünge der besten COC-Adler, aber auch weniger gelungene Versuche der Athleten aus den kleineren Verbänden mit wenig Großschanzen-Erfahrung. Beides gilt es richtig und fair einzustufen. „COC ist immer auch ein Wechselbad der Gefühle, was die Qualität der Athleten und deren Sprünge betrifft. Da waren dann auch Weiten unter 100 Meter dabei. Die harten Bewertungen tun einem manchmal schon etwas leid“, gibt Göbel zu.

Geschultes Auge: Für die Sprungrichter ist es wichtig, objektiv die Athleten zu benoten. Hier eine Aufnahme vom Continental-Cup in Willingen.

Aber da waren ja auch die super Sprünge von Vierfach-Sieger Ulrich Wohlgenannt, der einmal die Bestnote 20,0 erhielt, und dem Norweger Sander Vossan Eriksen, der mit 151,5 Metern nahe am Schanzenrekord landete. Göbel: „Eine derartige Qualität bewerten zu dürfen, macht dann einfach nur Spaß.“

Und wenn es dann für die eigene Arbeit, aber auch für die beiden Willinger Skisprung-Wochenenden insgesamt Lob von allen Seiten gibt, „dann ist man schon mächtig stolz, ein Teil dieses Teams mit den vielen Free Willis zu sein“.

Und wenn dann die Nichte – Skisprung-Talent Michelle Göbel – von den Junioren-Weltmeisterschaften aus Lahti nach Hause kommt und viel zu erzählen hat, dann freut sich „Geli“ Göbel mit den Kids, die mit anderen jungen Athleten as vielen Ländern zusammen sein und Sport treiben dürfen. „Erinnerungen, die einem niemand mehr nimmt.“

Trick, um objektiv zu sein: Namen einfach ausblenden

Apropos: Wie ist es eigentlich, wenn man die Upland-Springer bewerten muss – so wie Stephan Leyhe 2016 in Finnland oder Michelle Göbel vergangenen Winter bei der Junioren-WM in Oberwiesenthal? Göbel hat einen kleinen Trick: „Ich versuche, so gut wie es geht, die Namen der Springer auszublenden und mich ganz und gar nur auf die Sprünge zu konzentrieren.“ Scheint zu funktionieren: In der kritischen Auswertung der Einsätze kam die Willingerin bei ihren Kollegen immer recht gut weg.

Auf den COC kommendes Wochenende in Brotterode verzichtet Angelika Göbel. Dann darf sie mal ganz parteiisch sein und der Nichte die Daumen drücken, die für die Springen in Thüringen nominiert worden ist. (Werner Rabe)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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