Starker Einbruch vor allem an Schulen

Sportabzeichen: Vereine halten „Corona-Minus“ in Grenzen

Sportabzeichen-Training auf Abstand: Eine Übungsstunde mit Kindern beim TV Volkmarsen.  
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Sportabzeichen-Training auf Abstand: Eine Übungsstunde mit Kindern beim TV Volkmarsen.  

Der Lockdown in Pandemiezeiten zwingt nicht nur den Wettkampfsport in die Knie. Auch der Breitensport spielt den Corona-Blues. Das zeigt sich am Beispiel Sportabzeichen.

Waldeck-Frankenberg – Ein Blick auf die frisch veröffentlichten Statistiken für das Sportabzeichen zeigen, wie sehr der Breitensport gelitten hat: Die Prüfungen gingen im vergangenen Jahr im Sportkreis Waldeck-Frankenberg um knapp 40 Prozent zurück.

Während 2019 noch 1059 Erwachsene, Jugendliche und Kinder das Abzeichen erworben hatten, waren es im Corona-Jahr 2020 nach bisherigen Zahlen 658, also 401 weniger. Im Vergleich schneide der heimische Sportkreis aber gar nicht schlecht ab, sagt die Sportabzeichen-Referentin Kerstin Mühlhausen. Im Landessportbund Hessen insgesamt halbierte sich die Zahl der abgelegten Sportabzeichen auf 32 556 fast, das Minus liegt bei 48,6 Prozent.

Vor allem die Vereine bemühten sich, Training und Prüfungen zu organisieren. Die Prüfer im Sportkreis verliehen 602 statt 807 Sportabzeichen, ein Rückgang um etwa ein Viertel. Damit bewegt sich Waldeck-Frankenberg im Trend des LSBH.

Sportabzeichen: Lob an die Vereine

Kerstin Mühlhausen lobt die Vereine für ihre Anstrengungen. Sie hätten sich mit Hygienekonzepten, Registrierung der Teilnehmer sowie weiterer Einschränkungen durch Corona wie Abstandsregeln viel Arbeit gemacht. Der Vizepräsident Sportentwicklung des LSBH, Ralf-Rainer Klatt, betont: Nur durch das starke Engagement der Prüferinnen und Prüfer sowie der Sportabzeichen-Beauftragten der Sportkreise sei es möglich gewesen, überhaupt Angebote zum Erwerb des Sportabzeichens zu machen.

Ein anderes Bild bieten die Schulen. „Bei uns ist der Rückgang hauptsächlich auf die Schulen zurückzuführen, die schon 2019 ziemlich geschwächelt haben“, sagt Kerstin Mühlhausen. Sie meldeten bisher lediglich 46 erfolgreiche Prüfungen. 261 waren es im Vorjahr, ein Einbruch um mehr als 80 Prozent gegenüber 60 Prozent im LSBH.

Allerdings hat laut Mühlhausen zum Beispiel die Gesamtschule Edertal, zuletzt für 100 Sportabzeichen gut, noch nicht abgegeben. Die Sportkreis-Beauftragte erwartet noch Nachmeldungen, das Ergebnis sei deshalb nur vorläufig. Ein Grund: Die Prüfungen im Schwimmen dürfen noch bis 30. Juni abgelegt werden – dann sollten Freibäder geöffnet sein; die Hallenbäder sind ja seit Monaten zu.

Zuviel Unkenntnis unter den Lehrern?

Schulschließungen und die Corona-Probleme im Sportunterricht dürften zum starken Rückgang beigetragen haben, aber nicht allein. „Viele Schulen stellen gerade die Vorzüge des Sportabzeichen-Trainings fest, und wir stellen auch allen Schulen und Vereinen die Softwarenutzung kostenlos zur Verfügung“, sagt Kerstin Mühlhausen. Sie stelle sich aber die Frage, ob sich viele Lehrerinnen und Lehrer aus Unkenntnis der Regularien nicht an das Sportabzeichen heranwagten. Dabei habe der LSBH zu diesem Zweck ein Prüfermodul eingerichtet. „Da kann man sein Wissen testen beziehungsweise auffrischen. Infos und Unterstützung dazu gebe ich gerne.“

Spuren hinterlässt der Einbruch an den Schulen auch in der Altersstatistik. Weil Kinder und Jugendliche ihre Abzeichen oft an der Schule erwerben, ging die Zahl ihrer erfolgreichen Prüfungen auf 270 zurück im Vergleich zu 388 für Erwachsene.

Ebenfalls deutlich das Minus bei den Sportabzeichen der Menschen mit Behinderung: LSBH-weit ging die Zahl um 63 Prozent zurück, im Sportkreis noch stärker – von 35 Sportabzeichen im Jahr 2019 auf lediglich fünf im vergangenen Jahr.

74 Familien legten das Sportabzeichen gemeinsam ab

Positiv dagegen die Ergebnisse der Aktion zum Familien-Sportabzeichen. Während der LSBH ein Minus von 16,7 Prozent verzeichnete, verteidigte der Sportkreis sein Niveau. 74 Familien machten mit, nur eine weniger als im Jahr davor. Ihnen kam entgegen, dass sie gemeinsam trainieren dürfen. Als Anerkennung bekämen die Familien noch einen kleinen Pokal, verspricht Mühlhausen.

Sie warb ausdrücklich für das Sportabzeichen. „Das Training macht Kindern und Jugendlichen Spaß. Auch Familien haben viel Spaß, wenn sie zusammen draußen dafür trainieren und sich gegenseitig motivieren“, sagt sie. Und: „Es gibt so viele Wahlmöglichkeiten in den verschiedenen Disziplinen, da findet jeder etwas, das ihm liegt.“ (mn)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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