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Sportförderung: Vereine brauchen Geduld

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Von: Gerhard Menkel

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Umgekipptes Glas mit Euromünzen
Bei der Sportförderung geht es keineswegs nur um Kleingeld. Die Vereine sind auf öffentliche Mittel angewiesen. © imago

Die Geduld der Sportvereine, die auf öffentliche Gelder warten, wird gerade auf die Probe gestellt. Beim Landkreis sind die Etatmittel für 2022 ausgeschöpft. Das Land verneint längere Wartezeiten.

Korbach - Der Landkreis bleibe auch unter dem neuen Landrat Jürgen van der Horst sportfreundlich eingestellt. Das hat Uwe Steuber, der Vorsitzende des Sportkreises Waldeck-Frankenberg, bei einer Vorstandssitzung und bei der Übergabe von Förderbescheiden des Landessportbunds Hessen (LSBH) an Vereinsvertreter versichert.

Allerdings müssen trotzdem Klubs, die Geld aus dem Kreishaus wollen, gerade Geduld mitbringen. Grund: Es werden mehr Mittel beantragt, als im Haushalt des Landkreises für die direkte Sportförderung eingestellt sind. Die 200 000 Euro, die für diesen Posten im laufenden Etat stehen, seien bereits durch vorliegende Anträge ausgeschöpft. Es gebe einen Antragsstau, berichtete Steuber nach einer Sitzung der Sportkommission des Landkreises.

Steuber: Mehr Mittel im nächsten Etat bereitstellen

Mitunter warteten die Vereine zwei Jahre und mehr auf die Förderung. „Das ist für die Vereine schwierig, weil sie die Mittel vorfinanzieren müssen“, sagte Steuber. Er habe deshalb vorgeschlagen, im Haushalt für das Jahr 2023 eine größere Summe einzustellen, „um den Stau abzuarbeiten“. In der Regel schießt der Landkreis bei Investitionen der Vereine zehn Prozent der sogenannten „förderfähigen Kosten“ zu, manchmal auch bis zu 20 Prozent.

Um größere Summen geht es oft bei der Sportförderung durch das Land. Auch da berichten Vereinsvertreter über Probleme. „Es wäre schön, wenn das schneller gehen würde“, hieß es. Als Handicap wird in diesem Kontext die Vorschrift gesehen, dass die Vereine ihre Maßnahmen erst dann angehen dürfen, wenn das für den Sport zuständige Innenministerium die Förderung bewilligt hat.

Es gibt zwar Ausnahmen – „in besonders begründeten Einzelfällen“, wie Jonathan Koch vom Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums schreibt. Allerdings gehe die vorzeitige Umsetzung „auf eigenes finanzielles Risiko der Antragstellenden“, da die „Gewährung einer Landeszuwendung hierbei nicht verbindlich in Aussicht gestellt wird“. Koch erklärt auf WLZ-Anfrage zur Verfahrenslänge, es lägen keine Erkenntnisse vor, dass Antragverfahren generell oder speziell im Landkreis Waldeck-Frankenberg länger dauern. Wenn doch, sei davon auszugehen, „dass es sich um Einzelfälle handelt“.

Große Nachfrage beim Landesprogramm „Weiterführung der Vereinsarbeit“

Ob ein Antragsverfahren lange dauert oder nicht, liegt ohnehin im Auge des Betrachters. Es gebe keine „allgemein bekannte oder anerkannte durchschnittliche Bearbeitungszeit in den hiesigen Sportstättenförderprogrammen“, so Koch. Den Verfahren lägen grundsätzlich auch „keine besonderen Fristsetzungen zugrunde“.

Verzögerungen seien aber zuletzt möglich gewesen, weil zu Jahresbeginn der Haushalt für das Jahr 2022 noch nicht verabschiedet war. „Dies ist zum Jahreswechsel nicht unüblich“, erklärte der Sprecher. Verabschiedet wurde der Etat Anfang Februar.

Koch räumt auf eine entsprechende Frage der WLZ eine gerade steigende Zahl an Anträgen ein, vor allem im Programm „Weiterführung der Vereinsarbeit“. „Um diesem Trend zu begegnen, werden einerseits zusätzlich weitere Ressourcen (Personal und Fördermittel) zur Verfügung gestellt. Andererseits werden Geschäftsprozesse fortlaufend optimiert, um eine zügigere/unbürokratische Abwicklung der Antragsverfahren zu ermöglichen“, schreibt Koch.

Sprecher macht Vereinen ein Angebot

Sportkreis-Chef Steuber und sein für die Sportförderung zuständiger Vorstandskollege Carsten Habermann haben vorgeschlagen, die Verfahren weiter zu digitalisieren und die verschiedenen Fördertöpfe zu verbinden, damit die Vereine ihren Antrag nur noch bei einer Adresse stellen müssen. Ohne „Papierkram“ werden sowohl beim Landkreis als auch beim Land bereits Förderungen ermöglicht, was in der Theorie eine schnellere Abwicklung erlaubt. Wiesbaden hat laut Jonathan Koch bei der „Weiterführung der Vereinsarbeit“ das komplette Prozedere von der Antragstellung bis zum Verwendungsnachweis digitalisiert.

Angemerkt hatten Vereinsvertreter gegenüber Uwe Steuber, dass im Ministerium die zuständigen Ansprechpartner nicht oder schwer zu erreichen seien. Sprecher Koch macht den Klubs ein Angebot. Sie könnten sich „zur Klärung des Sachverhalts“ gern direkt bei Sebastian Berger (Email: sebastian.berger@hmdis.hessen.de) als dem zuständigen Referatsleiter melden.

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