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Sportkreis plant Schwimmgipfel mit Olympiasiegerin Britta Steffen

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Von: Gerhard Menkel

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Prominenter Gast beim Sportdialog des Sportkreises: Britta Steffen, zweifache Olympiasiegerin im Freistilschwimmen.
Prominenter Gast beim Sportdialog des Sportkreises: Britta Steffen, zweifache Olympiasiegerin im Freistilschwimmen. © imago

Geschlossene Bäder in der Pandemie, Schulen am Rande der Arbeitsfähigkeit, dazu drastisch gestiegene Gaspreise, die kommunale Badbetreiber trifft: Für das Schwimmen sind es gerade keine guten Zeiten.

Korbach – Das hat Konsequenzen. Die Zahl der Kinder, die nicht sicher schwimmen können, steigt. Weil die Schwimmkrise viele Ursachen hat, will der Sportkreis Waldeck-Frankenberg nun die unterschiedlichsten Akteure für Lösungen an einen Tisch bringen. Das Team um den Vorsitzenden Uwe Steuber plant für das Frühjahr einen Gipfel zum Thema – mit einer prominenten Schwimmerin als Zugpferd.

Für den 5. Mai, einen Freitag, lädt der Sportkreis zum Sportdialog an den Twistesee ein – unter der gar nicht mal mehr so provokanten Frage: „Werden wir ein Land der Nichtschwimmer?“ Als Referentin und Teilnehmerin an einer geplanten Podiumsdiskussion hat Britta Steffen zugesagt, zweifache Olympiasiegerin sowie mehrfache Welt- und Europameisterin.

„Wir wollen von ihr wissen, wie sie die Situation beurteilt“, sagt Uwe Steuber. Vom Promifaktor und der Expertise der einst weltbesten Freistil-Spezialistin erhofft sich der Sportkreis außerdem eine möglichst volle Twisteseehalle im Bad Arolser Ortsteil Wetterburg, wo der „Schwimmgipfel“ stattfinden wird.

Geld für Schwimmprojekt zum 60. gesammelt

Steuber rückt den Sportdialog in eine lange Linie mit Initiativen des Sportkreises zum Thema – angefangen vom (erfolgreichen) Ringen um eine finanzielle Förderung der ehrenamtlich arbeitenden Freibadvereine durch die öffentliche Hand bis hin zum breiten Angebot von Schwimmkursen für Kinder in den vergangenen zwei Jahren, das Sport- und Landkreis als Partner gemeinsam auf die Beine stellten.

Dafür hat der Sportkreis nicht nur Trainerinnen engagiert, sondern ebenso wie der Landkreis Geld in die Hand genommen. Steuber selbst unterstützte das Projekt ebenfalls: Auf der Feier zu seinem 60. Geburtstag im vergangenen Juni bat er seine Gäste statt Geschenke um Spenden für das Schwimmprojekt. Tausend Euro kamen zusammen.

 Sportkreischef Uwe Steuber sammelte zu seinem 60. Geburtstag. Das Bild zeigt ihn mit Trainerin Emma Luckey (Mitte) und Kerstin Mühlhausen.
1000 Euro für die Schwimmförderung: Sportkreischef Uwe Steuber sammelte zu seinem 60. Geburtstag. Das Bild zeigt ihn mit Trainerin Emma Luckey (Mitte) und Kerstin Mühlhausen, eine Initiatorin des Projekts. © mn

„Wir sehen den Sportdialog als Verstetigung unserer Bemühungen, mehr Kinder zum Schwimmen zu bringen. Das ist für uns eine Daueraufgabe und eine Herzensangelegenheit“, sagt Steuber. In den Fokus sind vor allem die Grundschulen gerückt.

Kerstin Mühlhausen: Die Schulen allein schaffen es nicht mehr

„Ich habe noch nie erlebt, dass wir so vielen Schulen beim Schwimmunterricht unter die Arme greifen mussten“, sagt Kerstin Mühlhausen. In ihren ersten Jahren als Leiterin der Sportkreis-Servicestelle war das eher kein Thema. Die Schulen seien in der Regel mit ihren Lehrkräften selbst in der Lage gewesen, den Schwimmunterricht bis zur vierten Klasse zu gewährleisten. „Heute kriegen sie das wegen des Lehrermangels einfach nicht mehr hin“, sagt Kerstin Mühlhausen, die als Angestellte im Landkreis-Fachdienst Sport und Jugendarbeit auch von Berufs wegen mit der Problematik eng befasst ist. Sie organisierte zuletzt sogar eine DLRG-Ausbildung zum Rettungsschwimmabzeichen – und legte es in Bronze selbst ab.

Das sagt DLRG-Präsidentin Ute Vogt

„Wir gehen davon aus, dass schon vor Corona 60 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen konnten, davon etwa zehn Prozent absolute Nichtschwimmer. (...) Aber schon das Seepferdchen haben immer weniger Kinder. Während wir vor 15 Jahren noch 60 000 dieser Abzeichen abgenommen haben, waren es 2019 noch 48 000. In der Pandemie, 2020, waren es nur noch 14 500 Seepferdchen-Abzeichen.“ Quelle: Zeit Online

Uwe Steuber sagt dazu: „Wir wollen alles versuchen, um die Schulen zu unterstützen, aber wir können nicht alle Feuer löschen.“ Vom Sportdialog am 5. Mai erhofft er sich, „dass wir auf den Punkt bringen, wie die Situation ist“.

Schon vor Corona konnten nach Schätzungen der DLRG 60 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen. Die Pandemie wirkte als Problembeschleuniger. Der Ansatz geht aber über eine reine Bestandsaufnahme hinaus. „Wir wollen mit allen Akteuren ins Gespräch kommen, um gemeinsam nach konstruktiven Lösungen zu suchen“, so Steuber.

Die Liste der Gäste, die eingeladen werden, umfasst folglich ein breites gesellschaftliches Spektrum. Und auch die Besetzung des Podiums, das Kai Völker vom Hessischen Rundfunk moderiert, soll möglichst Repräsentanten der wichtigsten Institutionen zum Thema in einen Dialog bringen – von der Politik über die Schulen und Kindergärten, den Vereinen und Verbänden, bis hin zu Eltern.

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