Bestandsanalyse nach Altersgruppen

Heimische Sportvereine verlieren mehr als 1200 Kinder und Jugendliche

Szene aus Floorball-Spiel mit vier Kindern und Schiedsrichter
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Auch gebeutelt: Floorball zählt zu den Sportarten, die noch untersagt – und beliebt beim Nachwuchs sind.

Für den Nachwuchs fiel der Vereinssport im Corona-Lockdown monatelang aus. Der Stillstand hinterlässt auch in der Mitgliederstatistik der Waldeck-Frankenberger Klubs seine Spuren.

Korbach – Wie tief die Spuren sind, geht aus den nach Altersgruppen gestaffelten Zahlen der vorläufigen Bestandserhebung 2021 des Landessportbunds Hessen (LSBH) hervor. Danach zählten die mehr als 300 heimischen Sportvereine im Pandemie-Jahr 2020 in ihrer Mitgliedschaft 1244 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre weniger als im Jahr davor.

In fünf der sieben einzelnen Altersgruppen, in die der LSBH den Bestand unterteilt, meldeten die Klubs Anfang dieses Jahres Verluste nach Frankfurt. Die Minuszahlen summieren sich auf 1771 Mitglieder – von denen knapp 60 Prozent auf den Nachwuchs entfallen. In dieser Statistik (wie auch insgesamt) schneidet Waldeck-Frankenberg etwas besser ab als der hessische Durchschnitt: Im Landessportbund entfallen 63 Prozent aller Mitgliederverluste auf die „U18“.

Zuwächse in zwei Altersgruppen

„Es besteht die große Gefahr, dass uns eine ganze Generation verloren geht“, warnten LSBH-Präsident Rolf Müller und die Vorsitzende der Sportjugend, Juliane Kuhlmann. Sportkreis-Chef Uwe Steuber mahnte nach den jüngsten Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern: „Alles muss versucht werden, dass die Kinder sich wieder zu ihren geliebten Sportarten treffen können.“ Immerhin dürfen Kinder bis 14 Jahren seit dem 8. März im Freien wieder gemeinsam Sport in Gruppen treiben; jedenfalls solange die Inzidenz unter 100 bleibt.

Zuwächse verzeichnen die heimischen Sportvereine allein bei den 27- bis 40-Jährigen (plus 50) und den „Ü60“, die um 567 Männer und Frauen zulegten. Allerdings dürften in letzterer Gruppe die Zahlen verzerrt sein, weil der Gesundheits- und Reha-Sport Korbach dem LSBH über 500 passive Mitglieder zusätzlich meldete, die bereits im Bestand waren.

Bei den bis Sechsjährigen hat der LSBH ein hessenweites Minus von 17 Prozent ermittelt. In Waldeck-Frankenberg bewegt es sich in ähnlicher Größenordnung: Statt 2644 Kinder wie bei der Bestandserhebung 2020 wurden nur noch 2200 Mädchen und Jungen gemeldet. Relativ und absolut geringer fielen die Rückgänge bei den Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren (4213 statt 4466) sowie zwischen 7 und 14 Jahren (8423 statt 8770) aus.

Corona verstärkt vorhandene Trends

Diese Zahlen bestätigen die Beobachtungen der Vereinsvertreter (WLZ v. 4. März). Für den VfL Arolsen hatte die Vorsitzende Jennifer Homann etwa von Abmeldungen im Kinderturnen berichtet. Mehr noch schlagen die ausbleibenden Neuanmeldungen ins Kontor, wie ihn etwa der zweite Vorsitzende Thorsten Spohr für den TSV Korbach bei den Jüngsten feststellte. Sie seien die Folge der wegen Corona-Auflagen fehlenden Vereinsangebote. Ganz ähnlich erklärten auch der VfL Bad Wildungen und der TV Friedrichstein ihre Rückgänge im Mitgliederbestand.

Minuszeichen gibt es zudem in der Gruppe der 19- bis 26-Jährigen (7979 statt 8028 Mitglieder) sowie der 41- bis 60-Jährigen (19 023 statt 19 447). Corona lässt sich dabei als Trendverstärker lesen. Von 2019 auf 2020 verzeichneten die gleichen Altersgruppen wie aktuell Rückgänge (Ausnahme: die Allersjüngsten mit einem kleinen Plus) – nur fiel das Minus vor einem Jahr jeweils deutlich geringer aus. (mn)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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