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„WM als Bonus“: Tom Barbe über seine Treffer in Kairo und die nächsten Ziele

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Von: Dirk Schäfer

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Sieht hier nachdenklich aus, war aber zufrieden mit seiner ersten WM: Tom Barbe (SV Goddelsheim) verbuchte Einzelplatz 66 sowie die Plätze fünf (Team) und 18 (Mixed).
Sieht hier nachdenklich aus, war aber zufrieden mit seiner ersten WM: Tom Barbe (SV Goddelsheim) verbuchte Einzelplatz 66 sowie die Plätze fünf (Team) und 18 (Mixed). © pr

Beinahe etwas zu kalt war ihm in Ägypten. Allerdings nur im arg klimatisierten Schießsportzentrum, sagt Tom Barbe.

Angenehmer war es beim Abschalten am Pool. Zwischendurch sammelte der 21-Jährige bei der Weltmeisterschaft neue Erfahrungen in seiner erfolgreichen Karriere. Angenehme, weitgehend.

Platz 66 im Luftgewehr Einzel mag erfolglos klingen, 623,6 Ringe mögen mäßig klingen, wenn man weiß, dass er schon über 630 schoss. Aber: 120 der weltbesten Schützen nahmen teil. Und beim Jahreshöhepunkt alles abrufen zu können, ist trotz tausender Trainingsschüsse auch Kopfsache und den meisten nicht vergönnt. „Bei einer WM schießen viele schlechter als im Training“, ist sich Barbe sicher.

Tom Barbe: „... das wirkt sich schon aus“

630 Ringe – sie hätten einen Platz unter den Top acht und im WM-Finale beschert – hat der Goddelsheimer im Durchschnitt erzielt beim Auftakt der Qualifikation für Kairo. Und auch im Training schon. „Die besten der WM schießen wahrscheinlich 635 im Training“, kann der von den Junioren aufgerückte WM-Debütant seine Leistungen vernünftig einschätzen.

626 oder 627 habe er sich als konkretes Ziel gesteckt im Einzel. „Es war mir aber klar, dass das bei einer WM nicht einfach ist. Es war meine erste Teilnahme, und ich sehe das als Bonus, weil man nicht unbedingt damit rechnen musste.“

Vorzuwerfen hat sich Barbe nichts. Höchstens die Sache mit dem zweiten Durchgang im Teamwettkampf. Um 0,4 Punkte verpasste das deutsche Trio mit Barbe das Bronzematch. Der Lichtenfelser hatte zum Auftakt stark geschossen, bei Teil zwei etwas nachgelassen. Andersherum wäre besser gewesen. „Klar denkt man da mal drüber nach. Ich hatte mehr drauf. Aber viele andere werden das auch sagen“, sagt Barbe.

WM als Vorbote Olympias

Er tat gut daran, demütig an die neue Dimension heranzugehen. „Die ganze Atmosphäre ist irgendwo neu. Und im Kopf immer das Wissen: das hier ist ist die WM. Das wirkt sich schon aus, auch wenn man die Abläufe und Schussprogramme tausendmal gemacht hat.“

Das Team der Bundestrainer war mit dem Abschneiden der Luftgewehrschützen ebenfalls nicht unzufrieden. Bei den Frauen habe man sich mehr erhofft, erklärt Barbe. „Bei den Männern ist Deutschland im LG-Bereich schon seit Jahren nicht so gut aufgestellt. Da waren keine Quotenplätze für Olympia zu erwarten.“

Olympia. Das war nicht nur im schon mit Blick auf die Olympiabewerbung Kairos für 2036 erbauten Schießsport-Center allgegenwärtig. Startplätze für Paris 2024 zu ergattern, stand für viele Nationen mit im Vordergrund. Die ersten vier jedes Luftgewehr-Wettbewerbs bekommen einen.

Die Deutschen sammeln aber eher mit dem Kleinkaliber ihre Quotenplätze, etwa durch Barbes Teamkollege Maximilian Dallinger, der Bronze holte, oder durch Jolyn Beer, die kurz nach dem Eintreffen in Kairo erkrankte, die LG-Einsätze auslassen musste, aber dafür Gold mit dem KK holte.

Jetzt erstmal Bundesliga, dann bald EM-Quali

Tom Barbe holte sich in erster Linie Erfahrung. Und nutzte die Zeit in Ägypten für schöne Randerlebnisse wie Entspannen am Pool des direkt auf dem Gelände des Schießstandes errichteten Hotels, Zuschauen bei anderen WM-Entscheidungen, Begegnungen mit Schützen anderer Nationen. „Mit den Österreichern hatten wir viel zu tun“, sagt Barbe. Fachsimpeln mit den die Titelkämpfe dominierenden Chinesen war nicht drin. „Die sprechen kein Englisch.“

Einen Extraurlaub am Roten Meer hat sich Tom Barbe nicht gegönnt. Auch, weil er allein unterwegs war. „Mein Papa wäre sicher gerne mitgekommen. Aber ich wollte mich auf mich konzentrieren“, merkt der Goddelsheimer an, der gestern bereits wieder in Sachen Ausbildung zum Anlagenmechaniker bei Viessmann anzutreffen war. Mit Sonderurlaub für die WM habe ihn das Unternehmen gut unterstützt, so Barbe.

Auch schießsportlich ist für ihn erst einmal Alltag angesagt. Der besteht aus einem Bundeskader-Lehrgang im November und LG-Bundesliga. In Barbes Abwesenheit ist der osthessische SV Petersberg mit zwei Siegen gestartet. Und dann gilt. Nach der WM ist vor der WM. In drei Qualirunden werden drei Fahrkarten zur Europameisterschaft in Tallinn vergeben. „Die EM-Teilnahme ist mein Ziel“, macht Tom Barbe deutlich. Der Weg dahin wird nicht leichter, die deutsche Konkurrenz hat den 21-Jährigen spätestens jetzt auf dem Zettel. Allein dafür war die WM als Erfahrungsfaktor gut und wichtig. (Dirk Schäfer)

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