Goddelsheimer holt Luftgewehr-Titel

Sportschütze Tom Barbe deutscher Juniorenmeister

Im Mittelpunkt: Tom Barbe präsentiert bei der Siegerehrung seine Medaille für den deutschen Juniorenmeistertitel im Luftgewehrschießen. Neben ihm Benedikt Mockenhaupt (Wissener SV/li.) und Marc Hülsmann (Müllenborn).
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Im Mittelpunkt: Tom Barbe präsentiert bei der Siegerehrung seine Medaille für den deutschen Juniorenmeistertitel im Luftgewehrschießen. Neben ihm Benedikt Mockenhaupt (Wissener SV/li.) und Marc Hülsmann (Müllenborn).

Es war ein stiller Sieg. Da wird man schon mal deutscher Meister und das Leben geht einfach so weiter als ob nichts geschehen wäre. Tom Barbe holte bei den Titelkämpfen der Sportschützen in München den Sieg bei den Junioren I mit dem Luftgewehr

Goddelsheim/München – Nach dem Wettkampf stieg er bei der Siegerehrung aufs Podium, nahm die Goldmedaille in Empfang, stieg in sein Auto und fuhr nach Hause. Gegen Mitternacht kam Barbe in Goddelsheim an, niemand war da zum Gratulieren, nicht einmal seine Eltern, die weilen im Urlaub, weil sie wegen Corona ihren Sohn erstmals nicht zu dieser Meisterschaft begleiten durften. „Es war für jeden Teilnehmer nur ein Betreuer erlaubt“, erzählt Barbe, der im Kleinkaliber-Liegendkampf mit 609,4 Ringen bei diesen Titelkämpfen auf Rang zehn kam.

Ein Überraschungssieg war es nicht. „Ich hatte mir mit dem Luftgewehr schon Titelchancen ausgerechnet“, erzählt der 20-Jährige. Doch dieses Vorhaben muss man am Schießstand erst einmal umsetzen. Wohin mit der Aufregung, die den Körper in Unruhe versetzt, obwohl der gerade jetzt unbedingt Ruhe braucht? „Am Anfang lief es bei mir auch nicht so gut, weil ich zu nervös war, die ersten zwei Serien waren nicht optimal, aber dann bin ich gut den Wettkampf hineingekommen“, erzählt der 20-Jährige.

75 Minuten Zeit hat der Schütze, um seine 60 Schuss auf der Scheibe zu platzieren. „Ich war recht schnell und schon nach 50 Minuten fertig“, erzählt Barbe. Ein guter Luftgewehrschütze kann sich im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr damit zufrieden geben, nur das Zentrum der Scheibe zu treffen und eine 10,0 schießen, sondern heute kommt es durch die elektronische Messung auf die Zahl hinter dem Komma an. Die höchste Trefferzahl lautet 10,9 Ringe.

624,4 Ringe reichen zum Meistertitel

Barbe hat bei dieser Meisterschaft in allen sechs Durchgängen á zehn Schuss mehr als eine Zehn erzielt. Sein Ergebnis lautet: 103,1, 103,4, 104,7, 104,5, 105,2 103,5 Ringe. Das ergibt zusammen 624,4 Ringe - so treffsicher hat sich der Goddelsheimer noch nie bei einer deutschen Meisterschaft gezeigt. Seinen persönlichen Wettkampfrekord weiß der 20-Jährige aber nicht auf die Kommastelle genau. „Er liegt bei 226 irgendwas.“

Barbe hatte mit diesem Ergebnis 0,3 Ringe mehr erzielt als der zweitplatzierte Benedikt Mockenhaupt (Wissener SV) und 0,5 Ringe mehr als Marc Hülsmann (SSC Müllenborn), der Dritter wurde.

Corona hat auch vielen Sportschützen einen Teil ihrer Treffsicherheit genommen, weil die Trainingsstunden durch gesperrte Hallen weniger geworden sind. Barbe hatte hier Glück. „Ich konnte noch ganz gut trainieren“, erzählt der 20-Jährige, der nach dem Abitur im Frühjahr auch mehr Zeit für den Sport hatte als jemals zuvor.

EM-Teilnahme wegen Corona gestrichen

Diese professionelle Bedingungen sind nun vorbei, denn Barbe hat vor wenigen Wochen eine Ausbildung beim Heizungsbauer Viessmann begonnen. „Seit ich ins Fitnessstudio gehe, ist meine Schießleistung auch besser geworden“, erzählt der Goddelsheimer. Er habe mehr Kraft, eine bessere und stabilere Körperhaltung und er sei auch mental stärker geworden.

Ein deutscher Meistertitel gibt einem Sportler oft die Chance, sich auf internationaler Ebene mit Gegnern zu messen. „Hier habe ich leider Pech, denn die Teilnahme an der Junioren-Europameisterschaft wurde vom Verband wegen Corona gestrichen“, erzählt Barbe. Es war seine letzte Chance als Junior bei einem Wettkampf die deutschen Farben zu vertreten.

Er wechselt ab dem Jahr 2022 ins Lager der erwachsenen Sportschützen. Der Übergang von der Jugend zu den Senioren ist in vielen Sportarten schwierig. „Im Schießen ist er nicht so schwer“, meint Barbe, „ich hätte mit meinem Ergebnis bei dieser Meisterschaft auch bei den Senioren das Finale erreicht.“ Da scheint für ihn auch in Zukunft am Schießstand einiges möglich zu sein. (rsm)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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