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Relin Mehrhoff – der Ausdauersportler, der nicht so lange unterwegs sein will

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Von: Dirk Schäfer

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Er läuft und läuft und läuft. Und fährt Rad und schwimmt. Relin Mehrhoff ist begeisterter Ausdauerathlet. Am Sonntag holte er sich im Zielsprint Bronze bei der Hessenmeisterschaft im Triathlon.
Er läuft und läuft und läuft. Und fährt Rad und schwimmt. Relin Mehrhoff ist begeisterter Ausdauerathlet. Am Sonntag holte er sich im Zielsprint Bronze bei der Hessenmeisterschaft im Triathlon. © Artur Worobiow

Wenn er früher mit dem Motorrad um den Edersee gefahren ist, hat Relin Mehrhoff an Vieles gedacht. Aber nicht daran, dass er Teile dieser Strecken später mal im Fahrradsattel und im Dauerlauf zurücklegen wird.

Heute ist das Radfahren und Laufen, kombiniert mit dem Schwimmen, die große Leidenschaft des 32-Jährigen. Triathlon hat es ihm angetan, und am vergangenen Sonntag am Twistesee hat er wieder einen hinter sich gebracht. Und wie: Mehrhoff wurde Dritter der Hessenmeisterschaft auf der olympischen Distanz, die 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen abfordert.

Dass es nicht ganz zum Titel reichte – wobei Mehrhoff dennoch sehr zufrieden mit seinem Rennen war – war irgendwie klar. „Das ist so eine Sache. Meistens werde ich Zweiter“, antwortet der Ausdauer-Enthusiast auf die Frage nach bisher gesammelten Titeln. Gleichwohl kann er als Triathlet schon auf sehr starke Wettkämpfe zurückblicken, bestreitet mit den Trianhas des VfL Bad Arolsen Wettkämpfe in der 1. Hessenliga (künftig 2. Hessenliga) und ist zudem regelmäßig in den Top drei bei den heimischen Volksläufen zu finden.

Relin Mehrhoff: Nach Motorradunfall „Leben umgekrempelt“

Was auch am vorigen Samstag der Fall war. Am Tag vor dem Twistesee-Triathlon legte Mehrhoff schon mal 3,2 Kilometer entlang des Edersees zurück – beim Ederseelauf in Herzhausen wurde er Sieger auf der Kurzstrecke. „Im Heimatort wollte ich nicht fehlen, zumal ich die Strecke in- und auswendig kenne“, sagt der 32-Jährige, für den solche Doppeleinsätze aber eher die Ausnahme sind.

Eigentlich ist in der Woche vor einem Triathlon eher Ruhetage angesagt, nachdem zuvor schon mal bis zu 20 Stunden pro Woche gekeult werden. „Dank bestimmter Kern-Arbeitszeiten kann ich mir das Training drumherum gut einteilen“, sagt der Triathlet über seine Work-Sport-Balance.

Am Samstag gewann Mehrhoff auf der Kurzstrecke beim Herzhäuser Ederseelauf.
Vorprogramm zum Triathlon: Relin Mehrhoff läuft beim „Heimrennen“, dem Herzhäuser Ederseelauf, und gewinnt auf der Kurzstrecke © Olaf Wickenhöfer

Auch in Coronazeiten hat es Mehrhoff als Freiluft-Einzelsportler nicht so schwer gehabt wie andere Sportler. Allerdings sorgte sein Knie, das immer wieder verletzt war, dafür, dass er Duathlet wurde. Mit Laufen musste er lange aussetzen. Erst ab März 2021 hat Mehrhoff wieder regelmäßig trainiert. „Inzwischen schmerzt das andere Knie“, sagt er. Er habe aber aus der früheren Verletzung gelernt und könne besser damit umgehen. „Ich weiß jetzt, dass es doch besser ist, öfter mal die Laufschuhe zu wechseln.“

Es ist kaum mehr als zehn Jahre her, da wusste Relin Mehrhoff überhaupt noch nicht, was Sport jemandem geben kann. Er ist nicht der klassische Typ, der von Kindesbeinen an in diversen Sportvereinen ist. „Ich war eher so ein Wochenend-Typ“, blickt Mehrhoff auf seine Zeit als Jugendlicher zurück, in der ausgehen und mit Freunden Spaß haben das wichtigste waren. Und das Motorradfahren. Bis zu einem Unfall, bei dem Mehrhoffs Schulter arg lädiert wurde. „Mein Leben habe ich danach etwas umgekrempelt“, verrät der Herzhäuser, der 2011 mit dem Laufsport begann.

2023 ist der Iron Man Frankfurt das große Ziel

Den ersten Triathlon vergisst man freilich nicht. „2014 in Baunatal, damals noch mit Jagdstart. Da hatte man nach dem Schwimmen eine halbe Stunde Zeit, ehe es weiterging“, blickt Mehrhoff zurück. Aber der wievielte Triathlon war der Wettkampf am Twistesee vergangenen Sonntag? „Oh, ich führe nicht Buch. Der 40., über den Daumen“, sagt der Herzhäuser.

Wobei er den kürzeren Distanzen zugetan ist und das Fieber der Ultra-Athleten nicht so sehr in sich trägt, die mehrmals im Jahr Langdistanzen und Iron-Man-Wettkämpfe absolvieren. „Ich denke, man brennt irgendwann aus, wenn man nur noch für den Sport lebt“, sagt der als Bauingenieur tätige Ausdauersportler. Sein Ziel seien eher die kürzeren Distanzen, „dort versuche ich, von Jahr zu Jahr schneller zu sein.

ZUR PERSON

Relin Mehrhoff (32) kommt aus Herzhausen und ist seit 2011 Ausdauersportler. In Marienhagen absolvierte er in jenem Jahr über zehn Kilometer seinen ersten Volkslauf, heute ist er auch im Triathlon auf Kurz- und Mittelstrecken zu Hause. Mehrhoff ist ledig und arbeitet als Bauingenieur bei der Firma Peikko.

Wobei: So ganz kann Mehrhoff die Sehnsucht des Triathleten nach einem „Eisenmann“-Wettkampf nicht unterdrücken. Während er im Sommer die TV-Übertragung vom Iron Man Frankfurt verfolgte, reifte der Entschluss: Da mache ich nächstes Jahr auch mit.

„Ich habe ordentlich Respekt vor der Vorbereitung, die ganz andere zeitliche Belastungen mit sich bringt. Aber es reizt mich, das einmal geschafft zu haben“, gibt der Kurzstrecken-Liebhaber zu. Ob der Iron Man eine einmalige Sache bleibt? Wer kann das schon sagen als Biker, der vom Ausdauersport einst nicht viel wusste. (Dirk Schäfer)

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