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Hessen-Meisterschaft auf olympischer Distanz: Relin Mehrhoff im Endspurt aufs Podest

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Von: Dirk Schäfer

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Der eine muss beißen, der andere scheint zu lächeln: Relin Mehrhoff (Trianhas Bad Arolsen) hängt den Baunataler Timo Pippart im Endspurt ab. Er gewann Bronze.
Der eine muss beißen, der andere scheint zu lächeln: Relin Mehrhoff (Trianhas Bad Arolsen) hängt den Baunataler Timo Pippart im Endspurt ab. Er gewann am Ende Bronze. © Artur Worobiow

Ein Landesmeister mit Verspätung, Waldecker Athleten auf den Plätzen eins, zwei und drei: Der Twistesee-Triathlon war mit 450 Teilnehmern und sehr guter Stimmung erneut ein sehr gelungener.

Zumal es das Wetter nach dem völlig verregneten Samstag gut meinte: Die Aktiven mussten nicht wie manches Mal in den Jahren zuvor gegen Hitze ankämpfen. Und nass wurden sie auch nur im knapp 20 Grad warmen Twistesee.

Den hatte der Osthesse Björn Geizenauer nach 1500 Metern und 20:37 Minuten schon wieder verlassen. Als Lokalmatador Relin Mehrhoff, dem insgesamt die Verfolgerrolle zufallen sollte, fast fünf Minuten später den Neoprenanzug abstreifte, war noch nicht daran zu denken, dass Geizenauer im Ziel später sagen würde, er habe im Laufen am Ende Vollgas geben müssen.

Kopf hoch: Im Twistesee warten diese Triathleten auf den Start. Insgesamt rund 450 Teilnehmer waren am Sonntag dabei.
Kopf hoch: Im Twistesee warten diese Triathleten auf den Start. Insgesamt rund 450 Teilnehmer waren am Sonntag dabei. © Artur Worobiow

Erschöpft lag der M20-Athlet von den Wasserfreunden Fulda nach 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometern Laufen und insgesamt 2:07,46 Stunden hinter der Ziellinie, während Mehrhoff hinter ihm ein- und sogleich weiterlief zum Getränkestand und der Bitte des Moderators nachzukommen, Geizenauer doch bitte Wasser zu bringen.

Es wirkte, als wäre da noch was drin gewesen für den Mann von den Arolser Trianhas, der in 2:08,28 um 42 Sekunden hinter dem Fuldaer lag. „Eigentlich nicht“, wiegelte Mehrhoff ab. Wenn ich meine Disziplinzeiten sehen, dann war das schon ziemlich am Limit“, befand der Herzhäuser, der eine starke Aufholjagd hingelegt hatte.

Twistesee-Triathlon: Simon Jakob, der unbemerkte Sieger

Weder Geizenauer noch Mitfavorit Timo Pippart lagen nach dem Schwimmen in Reichweite. Seine Laufstärke bescherte Mehrhoff letztlich aber einen Zieleinlauf fast Kopf an Kopf mit Pippart, eine Sekunde trennte die beiden am Ende. „Ich habe gemerkt, dass Relin näher kommt. Als er vorbeigezogen war, habe ich alles reingehauen, aber der Abstand wollte nicht kleiner werden“, schilderte der Mann vom KSV Baunatal den letzten Laufkilometer.

Als die drei bei Banane, Riegel und isotonischem Getränk zusammenstanden und plauderten, ahnten sie nicht, dass am Ende des Tages nur zwei von ihnen Medaillengewinner der Hessenmeisterschaft sein würden, um die es ja diesmal in Wetterburg auch ging über die olympische Distanz. Ein Athlet aus dem Baunataler Team der 4. Hessenliga war nämlich vor allem auf der Laufstrecke der stärkste am Twistesee.

Simon Jakob aus Niedenstein, als Ligastarter in einer späteren Startgruppe ins Wasser gegangen, wirbelte das Klassement durcheinander und siegte in 2:07,19. Zum Vergleich: Er lief die 10000 Meter in 32:37 Sekunden, der ebenfalls starke Relin Mehrhoff benötigte knapp unter 35 Minuten, Geizenauer 37:11.

„Es ist für die Zuschauer und auch die Athleten schade, dass nicht zwingend derjenige Meister ist, der als Erster ins Ziel läuft. Aber der Verband will es so, dass die Ligastarter automatisch für die Meisterschaft gewertet werden“, erklärte Oliver Klausen, Leiter der Triathlonsparte des VfL Bad Arolsen.

Die beste mit heimischen Sportlern besetzte Staffel: Lars Heller, Sebastian Heck und Daniel Wilke (von links) alias „Die Angler“ wurde Zweite von 20 Teams.
Die beste mit heimischen Sportlern besetzte Staffel: Lars Heller, Sebastian Heck und Daniel Wilke (von links) alias „Die Angler“ wurde Zweite von 20 Teams. © Artur Worobiow

„Klar, wenn es um einen Titel geht, möchte man eigentlich mehr als Platz drei, aber ich habe alles gegeben und bin zufrieden. Aber ich habe die beiden Führenden erst auf der Laufstrecke gesehen, wusste nur von Streckenposten, dass ich Dritter bin. Ich musste viel nach Körpergefühl laufen, hatte keine Orientierung“, sagte Relin Mehrhoff. Neben 136 Männern kämpften auch 17 Frauen um Hessenmeisterehren. Titelträgerin wurde mit großem Vorsprung Laura Martin vom SC Gelnhausen (2:33,03) vor Jenny Hänseroth (Oberursel, 2:40,06).

In der offenen Klasse über die olympische Distanz landete Jannes Wilke von der LG Eder auf einem erfreulichen fünften Gesamtplatz. In 2:70,30 Stunden gewann der Frankenauer die Altersklasse M20. Hinter dem Sieger, Clemens Coenen aus Lemgo (2:14,20) war die Heidelbergerin Ursula Trützschler als starke Gesamt-Vierte mit großem Abstand die schnellste Frau (2:22,08).

Volkstriathlon: Platz eins und zwei gehen nach Korbach

Sie schienen nur darauf gewartet zu haben, dass er wieder da ist: Fast 100 Einzelstarter und weitere 20 Staffeln zu je drei Sportlern sorgten auch beim Volkstriathlon am Twistesee für eine sehr gute Zahl an Teilnehmern. Und zwei Waldecker unter ihnen wurden auf der kurzen Distantz (500m Schwimmen, 20 km Rad, 5km Laufen) ganz früh im Ziel begrüßt.

Theres Fingerhut hatte ihrer Bilanz im „ersten richtigen Triathlonjahr“ ein weiteres Topergebnis hinzugefügt, als sie in Wetterburg über die Linie lief. In 1:12,37 Minuten war die junge Korbacherin, die für den KSV Baunatal startet, schnellste Frau, insgesamt war das die achtschnellste Zeit.

In der Wechselzone schon auf Siegkurs: Die Korbacherin Theres Fingerhut, Gewinnerin des Volkstriathlons.
In der Wechselzone schon auf Siegkurs: Die Korbacherin Theres Fingerhut, Gewinnerin des Volkstriathlons. © Artur Worobiow

„Nach Platz zwei am Edersee und Platz drei am Hennesee wollte ich auch diesmal aufs Treppchen. Umso cooler, dass ich auch noich gewonnen habe“, sagte die frühere Turnierin, die vor zwei Jahren im Triathlon eine neue Herausforderung fand. Julia Altrup vom VfL Marburg, die in Waldeck bei ihrem ersten Triathlon überhaupt überraschend vor Theres Fingerhut gewonnen hatte, wurde diesmal in 1:16,18 Stunden Zweite. Die Korbacherin machte auf der Radstrecke den entscheidenden Boden gut.

Einer der jüngsten Starter – noch bei der männlichen Jugend zu hause – war im Volkstrathlon nicht zu schlagen. Tom Borst von der TSG Limbach, der die 500 Meter im See in bärenstarken 6:49 Minuten schwamm und in 1:03,30 Stunden siegte, konnte von den Verfolgern nicht mehr eingeholt werden.

Lukas Weber
Lukas Weber (Trianhas), Zweiter im Volkstriathlon © Artur Worobiow

Der Beste der Verfolger: Lukas Weber aus Korbach im Trikot der Arolser Trianhas, der sich 3:25 Minuten später seinen Zielapplaus abholte. „Es hat Spaß gemacht, das war das vorrangige Ziel. Ich bin für meine Verhältnisse gut geschwionnen, habe im Rad so gut es geht auf die Tube gedrückt und einen soliden Lauf hingelegt“, fasste Weber zusammen.

Auch andere heimische Athleten wurden gebührend im Ziel empfangen, etwa der Willinger Wintersportler Jörg Gerstengarbe (Skisteam Sauerland, 1:15,07), der Elfter und Erster der M45 wurde. Keiner aber ließ die Stimmung so aufbranden wie Thomas Hagedorn von einem Verein namens „Ruhschnecken“. Der M50-Athlet brauchte etwas mehr als 2:12 Stunden, war als 95. der letzte auf dem blauen Teppich, wo er von der Gattin mit den Worten „Da bist du ja wieder“ begrüßt und geküsst wurde.

Das Publikum zollte Hagedorn ebenso Respekt wie allen anderen – ein Symbol für die gute Stimmung unter Aktiven und Anfeuerern, zu denen oft auch die Familien der Starter gehörten.

Weil nicht nur die Atmosphäre passte, sondern es beim 38.Triathlon auch keine Pannen und Stürze gegeben hat, konnte Oliver Klausen gar nicht anders, als von einer runden Sache zu sprechen. „Es war ein ingesamt sehr gelungener Tag“, sagte der Leiter der Triathlonabteilung des VfL Bad Arolsen, die gut 80 der 120 Helfer (neben Polizei, Feuerwehr und DLRG) aus ihren Reihen stellt. Und Klausen weiß, dass vor allem auch sie zu diesem Tag beigetragen haben (Dirk Schäfer)

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