Verunsichert zum Saisonhöhepunkt

Junioren-Ski-WM: Michelle Göbel und Simon Spiewok vertreten Willinger Farben

Michelle Göbel (2. v. rechts)  mit den Teamkolleginnen Josephine Laue, Pia Lilian Kübler und Selina Freitag.
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Sie wollen Bronze verteidigen oder sogar vergolden: Michelle Göbel (2. v. rechts) nimmt diesen Anlauf bei der Junioren-WM erneut mit den Teamkolleginnen Josephine Laue, Pia Lilian Kübler und Selina Freitag.

Viele Trainer suchen in diesen Corona-Zeiten nach Motivationshilfen für ihre Sportler. Da kam Michelle Göbel die präparierte Mühlenkopfschanze als Sprungbrett für die in der kommenden Wochen (8. bis 14. Februar) startende Nordische Ski-Weltmeisterschaft der Junioren im finnischen Lahti gerade recht.

Willingen – Fünfmal ging die 16-jährigen Skispringerin des SC Willingen erstmals über den Bakken ihrer Hausschanze. Ein unvergesslicher Moment, oder? Aber euphorisch klingt irgendwie anders: „Ich bin ja schon öfters auf Großschanzen gesprungen“, sagt Göbel. Mehr Glücksgefühle waren nicht dabei? „Es waren jetzt nicht die Wahnsinnssprünge, aber klar, es war schon etwas besonderes, erstmals auf der Heimschanze zu trainieren.“

Auch die Schanzen in Lahti kennt Göbel nicht. Ist das ein Nachteil? „Es kann einer sein, muss aber nicht. Mal sehen, wie ich dort mit der 90-m-Schanze zurecht komme.“

Göbel ist momentan nicht so recht mit ihrer sportlichen Entwicklung zufrieden. „Ich bin gegenüber den Vorjahren etwas stehen geblieben, das ist jetzt nicht so schlimm, denn das gehört auch dazu.“ Leider sei bei ihr die Fehlerquote derzeit zu hoch, meint die 16-jährige Schülerin selbstkritisch. „Vor allen beim Absprung stimmt es nicht, ich verliere da zu viel Geschwindigkeit.“

Die Willingerin ist mit ihren technischen Problemen momentan bestimmt nicht allein, denn in Lahti treffen sich Springerinnen, die alle nicht so recht wissen wo sie stehen, weil ihnen Corona die Saison gestohlen hat. Da auch keine Sommerwettkämpfe stattfanden, stochern viele mit der eigenen Form im Ungewissen, weiß niemand, welche Entwicklungssprünge die Konkurrentinnen genommen haben.

Bronze mit dem Team verteidigen

Die Willinger Schülerin weilt momentan beim WM-Vorbereitungslehrgang in Oberstdorf. Dort stehen neben dem Training auch Themen wie etwa, Hygieneregeln während der WM, auf dem Stundenplan.

Michelle Göbel hat mit der deutschen Mannschaft eine WM-Bronzemedaille im Teamspringen aus dem vergangenen Jahr zu verteidigen. Oder geht da diesmal sogar etwas mehr? „Das kann ich nicht sagen, Norwegen, Österreich und Slowenien haben auch gute Teams.“ Die deutsche Mannschaft sei gerade an einem heiklen Punkt, jede habe noch Luft nach oben, aber „wenn wir alle unsere besten Sprünge zeigen, könnte es sogar auch für den obersten Podestplatz reichen“.

Die Schülerin kann ihre eigene Leistungsfähigkeit gut einordnen. Sie weiß, dass sie im Einzelwettbewerb im Feld der 15- bis 19 Jährigen nicht um eine Medaille springen wird. Im vergangenen Jahr war für sie der 21. Platz schon ein Erfolg. Und da sie in diesem Jahr eine schlechtere Form mitbringe, wäre sie mit einem Platz in den Top 30 bereits zufrieden.

Michelle Göbel ist bei der WM diesmal nicht die einzige Teilnehmerin aus Willingen. Simon Spiewok wurde vom Deutschen Skiverband auch für Lahti nominiert. Der Springer aus dem westfälischen Meinerzhagen besucht das Skiinternat in Willingen und startet für den TuS Neuenrade . Das freut natürlich auch ihre Trainer Jörg Pietschmann, Heinz Koch (Stützpunkt) und Daniel Luckey.

„Dass wir erstmals zwei Sportler bei einer Junioren-WM dabeihaben, ist schon außergewöhnlich“, sagt Koch, „weil unsere Trainingsmöglichkeiten nicht so optimal sind wie etwa in Bayern.“ Koch gibt für seine zwei Schützlinge eine verhalten positive WM-Prognose ab: „Wenn Simon die Schanze liegt, kann er überraschen“, sagt der Coach. Auch bei Michelle komme es auf die Tagesform an. „Für beide muss es das Ziel sein, in die aussichtsreichen Teams zu kommen. Da hat man die besten Medaillenchancen.“

Simon Spiewok bringt für das WM-Springen Überraschungspotential mit.

Göbel und Spiewok wollen sich nicht auf Platzierungen festlegen, sondern nur gute Sprünge abliefern Spiewok wäre wohl auch für den Willinger Continentalcup nominiert worden, der am kommenden Wochenende auf der Mühlenkopfschanze stattfindet.

Ob Willingen oder Lahti, Zuschauer sind an beiden Schanzen diesmal nicht erlaubt. Einerseits sind die leeren Tribünen für Michelle Göbel nichts Neues. „Bei uns sind sowieso nie viele Zuschauer dabei.“ Andererseits sagt sie aber auch: „Ich finde es toll, vor Zuschauern zu springen, weil sie bei mir vor allem bei hochrangigen Wettkämpfen den Druck positiv erhöhen. “

Während sich das Material mit einem Lastwagen bereits am Freitag nach Finnland aufmacht, fliegt die Mannschaft ihren Skiern und Anzügen erst am Sonntag hinterher.

Der Wettkampf für die Frauen findet am Mittwoch (17 Uhr) statt, einen Tag später sind zur gleichen Zeit die Männer an der Reihe und die Team-Springen der Männer und Frauen finden am Freitag ab 17 Uhr statt.  rsm/be

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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