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Viel Frauenpower auf der Platte: Torhüterin Katharina Wieck über den Erfolg von drei Twistetaler Teams

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Fußballerin: Die Twistetaler Torfrau Katharina Wieck feierte ein gelungenes Comeback und steht mit dem Landesligateam an der Tabellenspitze.
Fußballerin: Die Twistetaler Torfrau Katharina Wieck feierte ein gelungenes Comeback und steht mit dem Landesligateam an der Tabellenspitze. © Spitzkopf

Die Mannschaft. So nannten die deutschen Fußballoberen einst die Nationalmannschaft mit dem Hintergedanken: nicht steigerungsfähig. Doch da geht noch mehr, so können die Handballoberen der HSG Twistetal derzeit selbstlobend behaupten: Die Mannschaften.

Twistetal – Die Männer spielen gut mit in der Landesliga, aber das Prunkstück sind derzeit die Handballerinnen, weil sie gleich eine mannschaftsübergreifende Ladung Frauenpower auf die Platte bringen. Hätte die HSG Baunatal am vergangenen Wochenende nicht gleich zweimal den Spielverderber gegeben, würde in dieser Woche nicht nur die erste HSG-Mannschaft in der Landesliga an der Tabellenspitze stehen, sondern auch das Reserveteam als Neuling in der Bezirksoberliga und die A-Juniorinnen in der Oberliga.

Was haben die, was wir nicht haben? Diese Frage werden sich vielleicht einige konkurrierende Vereine stellen, die größer sind als die Spielgemeinschaft aus Twiste und Mühlhausen. Wir haben die HSG-Torfrau Katharina Wieck gebeten, als „Kopf der Woche“ eine Antwort auf diese Frage zu geben. Sie hatte vor allem wegen Corona schon das Tor verlassen und feiert in dieser Saison mit vielen gehaltenen Bällen ein starkes Comeback.

Trainer leitete das Comeback ein

Trainer Ufuk Kahyar hatte ihre Rückkehr eingeleitet, die mit einem Kaltstart begann, keine Saisonvorbereitung, wenig Kondition, weniger Beweglichkeit, aber zumindest Routine. „Ich hatte es gerade schätzen gelernt, mich auch mal um Haus und Garten zu kümmern, die Wochenenden frei zu haben, da kam Ufuks Anfrage und danach hat es noch mal gekribbelt, es war kein selbst gewähltes Ende, ich hatte mit dem Handball doch noch nicht abgeschlossen.“

Ein großes, tiefgründiges Erfolgsgeheimnis stecke aber nicht hinter der HSG-Frauenkraft, die sich derzeit besonders stark entfalte, betont die 32-Jährige Torfrau, sondern sie zählt eher viele kleine Bausteine auf, aus denen sich ein sportlicher Erfolg zusammensetzen kann: Da ist vor allem diese familiäre Atmosphäre, dann die langjährige gute Jugendarbeit nicht mit irgendeinem Trainer, sondern mit guten Trainern, es sind auch nie nur Teamkolleginnen auf der Platte, sondern auch Freundinnen, die man auch außerhalb des Wurfkreises sieht und das Glück darf nicht fehlen, um immer mal wieder eine Goldene Generation mit dabei zu haben.

Viele Trainer aus den eigenen Reihen

Eine besondere Kraft entwickle sich bei der HSG Twistetal vielleicht auch dadurch, dass viele Familien generationsübergreifend mitarbeiten würden, vermutet Wieck. Auch die Teamkollegin, die man nicht gar nicht mag, gebe es eigentlich nicht und viele Trainer kämen aus den eigenen Reihen. „Sie tragen schon die Twistetaler Philosophie in sich und können so das Konstrukt besser verstehen.“ Und jedes Kind, das in Mühlhausen oder Twiste geboren wird muss Handball spielen. Oder? Wieck muss laut lachen. „Ja, ich glaube, da ist was dran, auch bei den Seniorenspielen sind immer viele Kinder in der Halle.“

Die gute Jugendarbeit der HSG wird seit einigen Jahren auch vom TSV Korbach mitgetragen. Hier hat Katharina Wieck das Handballspielen gelernt, auch, weil ihr Vaterdort als Kreisläufer aktiv war. „Meine Eltern, vor allem mein Papa, hat mich beim Handball unterstützt, fuhr mich zur Hessenauswahl und ist heute noch bei fast allen Heimspielen dabei.“

Keine Angst vor dem Ball

Wie sie genau zwischen die Pfosten geraten ist, weiß sie nicht mehr so recht, es war so, wie vermutlich viele Torleute ihre Position finden: E-Jugend, keiner will, Katharina geh du doch mal rein, dann kam sie nicht mehr raus und etwas später wollte sie auch nicht mehr raus. Voraussetzung dafür ist, die Angst des Torwarts vor dem Ball darf nie aufgekommen.

„Die habe ich auch noch nie verspürt und die kann man sich an dieser Stelle auch nicht leisten“, betont Wieck, die schon als Kind immer lieber mit den Jungs auf der Straße gekickt hat als den Puppen Kleider anzuziehen.

Wenn sie die Mannschaften von vor zehn Jahren und heute vergleicht, fällt ihr ein wichtiger Unterschied auf, der auch zu dem jetzigen Erfolg beiträgt. „Die Zusammenarbeit aller Mannschaften ist viel besser geworden, früher, war hier die Erste, da die Zweite, das ist jetzt viel durchlässiger geworden, dienstags trainieren wir zusammen, das ist ein größeres Miteinander, das auch auf dem Spielfeld wichtig ist.“

Für die Oberliga fehlen noch die Worte

Und wie werden die Leistungen der Frauen von den Twistetaler Zuschauern im Vergleich zu den Männern anerkannt? „Es mag sein, dass die Männer vielleicht noch einige Zuschauer mehr in die Halle ziehen, aber ich denke, dass unsere Leistung von den Leuten auch wertgeschätzt wird.“

Wieck schätzt sich selbst als einen eher zurückhaltenden Typ an. Aber wenn sie das Tor hütet, steht in Sachen Kommunikation auch eine andere Frau auf der Platte. „Ich versuch ständig die Abwehr zu steuern, meine Mitspielerinnen sagen ich kommentiere das ganze Spiel.“ Bei einer Frage schaltet Wieck aber ihre Kommunikation ab: Will die Twistetaler Mannschaft in die Oberliga aufsteigen? Diese Frage möchte sie erst im April beantworten. rsm

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