Interview zum Sportkreistag am Donnerstag

Sportkreis-Chef Uwe Steuber: „Wir kommen stärker zurück“

Wieder ins Arbeiten kommen: Uwe Steuber will den Sportkreis stärker noch als Dienstleister etablieren.
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Wieder ins Arbeiten kommen: Uwe Steuber will den Sportkreis stärker noch als Dienstleister etablieren.

Vom Frühjahr wurde er in den Sommer verlegt. An diesem Donnerstag nun findet der Sportkreistag in Korbach statt. Der Vorstand bleibt, seine Aufgaben werden nicht weniger, nachdem die Vereine durch Corona teils arg gebeutelt wurden.

Korbach – Die Wahl des neuen Vorstands für die nächsten drei Jahre ist der wichtigste Tagesordnungspunkt des vierten Waldeck-Frankenberger Sportkreistags am 8. Juli. Außerdem sollen die Delegierten die neue Satzung verabschieden, geehrt werden junge Ehrenamtler. Die Präsenzveranstaltung in der Kreissporthalle Korbach beginnt um 18.30 Uhr und steht unter Pandemieregeln.

So soll pro Verein möglichst nur eine Person teilnehmen. Der Einlass ist nur mit Maske erlaubt, die am Platz abgenommen werden kann; ein negativer Schnelltest wird nicht benötigt. Die Delegierten sitzen auf der Tribüne, Vorstand und Ehrengäste auf der Spielfläche. Es gibt lediglich ein Getränk, aber nichts zu essen. Mehrere Desinfektionsspender stellen die Handhygiene sicher. Da der Haupteingang wegen Bauarbeiten gesperrt ist, erfolgt der Zutritt zur Halle über den Nebeneingang vom Parkplatz Solinger Straße, wo die Vereinsvertreter sich auch anmelden.

Die Beteiligung des Sportkreises hat nicht stattgefunden.

Uwe Steuber über Coronapolitik

Uwe Steuber stellt sich beim Sportkreistag in Korbach den Delegierten aus Vereinen und Verbänden zur Wiederwahl als Vorsitzender des Sportkreises Waldeck-Frankenberg. Der Korbacher strebt seine vierte Amtszeit an. Mit ihm kandidieren auch die meisten Vorstandsmitglieder erneut. Im Interview spricht er auch, aber nicht nur über Corona und die Folgen für den Sportkreis.

Herr Steuber, der Breiten- und Amateursport hat in der Corona-Pandemie gelitten, und der Sportkreis konnte daran wenig ändern. Hat die Sportorganisation nur wenig Gewicht bei der Politik?
Wir sind abhängig von Entscheidungen, die in Berlin oder auch in Wiesbaden getroffen werden, ohne dass wir vom örtlichen Sport Einfluss nehmen können. Frustriert hat mich, dass uns auch die untere Ebene, also der Landkreis, die Städte und Gemeinden, nicht eingebunden haben. Sie haben umgesetzt, was von oben vorgegeben wurde; die Beteiligung des Sportkreises hat nicht stattgefunden.

Sie kennen aus Ihrer Zeit als Bürgermeister in Lichtenfels die andere Seite. Haben Sie Verständnis dafür, dass die kommunalen Entscheidungsträger so agiert haben?
Bedingt. Ich bekomme ja jetzt durch meine Arbeit im Innenministerium...

Sie arbeiten für den Hessischen Städte- und Gemeindebund an der Transformation der analogen zur digitalen kommunalen Verwaltung, wenn man so will.
Richtig. Also ich habe gesehen, dass man anderswo in Hessen, zum Beispiel in der Stadt Frankfurt, den Kontakt zu Sportvereinen und -verbänden stärker gesucht und punktuell die Einschränkungen früher gelockert hat. Tischtennis oder Badminton war dort in der Regel eher möglich. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat dagegen sehr zurückhaltend agiert, da hätte ich mir manchmal gewünscht, dass das Mögliche ausgereizt worden wäre.

Großes Thema auch im Sportkreis: Kinder und der monatelange Lockdown.

Der Landkreis betont gern, wie sportfreundlich er sei, und das lässt sich ja beispielsweise mit der kostenlosen Hallennutzung auch belegen. Hat dieses Bild in der Pandemie Kratzer bekommen?
Ich finde ja. Man ist eben nicht auch mal mutige Schritte gegangen, sondern hat immer bis zum letzten Moment abgewartet. Ich kann das verstehen, es geschah ja aus Gründen der Vorsorge und Vorsicht. Auf der anderen Seite waren es nur wenige Vereine, die Hallenöffnungszeiten im Lockdown etwa für Tischtennis nachgefragt haben. Daher wäre es ein gutes Signal gewesen, wenn man ihnen die Chance gegeben hätte zu zeigen, dass sie verantwortlich mit den Freiräumen umgehen. Man hätte das regeln können.

Sehen Sie als Folge einen Bedeutungsverlust des Sportkreises?
Nein. Wenn wir jetzt wieder richtig ins Arbeiten kommen und unsere Ideen umsetzen können, die wir längst entwickelt haben – ich nenne hier eine breite Vereinsberatung oder die Implementierung von Sportcoaches, die aktuell im Bereich Frankenau, Haina und Gemünden nachgefragt wird –, dann wird der Sportkreis wieder als Dienstleister wahrgenommen werden. Ich glaube sogar, mehr als in der Vergangenheit.

Auf der Tagesordnung des Sportkreistags sollte der im Vorjahr verabschiedete Sportentwicklungsplan ausführlich erläutert werden. Dazu kommt es wegen der reduzierten Tagesordnung nicht. Welche Möglichkeiten der Einflussnahme bietet dieser Plan dem Sportkreis?
Der Sportentwicklungsplan ist regelmäßig Tagesordnungspunkt der Sitzungen der Kreissportkommission. Das heißt, der Fachdienst Sport und Jugendarbeit des Landkreises berichtet regelmäßig über die Umsetzung. Themen wie die Wassergewöhnung für die Kleinsten, mehr Bewegung im Kindergarten oder bewegungsfreundliche Schulhöfe sind in die Kreisverwaltung hereingetragen worden, sie werden – und das muss man positiv feststellen – auch aktiv nach den Erkenntnissen der Sportentwicklungsplanung umgesetzt, die der Kreistag ja selbst auch beschlossen hat. Diese trägt also schon Früchte.

Sorgen mache ich mir nach Gesprächen gerade mit Übungsleitern aus dem Fußball, ob die Jugendlichen jetzt alle wieder zum Sport zurückkehren.

Uwe Steuber über Folgen der langen Sportpause

Wie sehr wurde während der Pandemie der Sportkreis als Dienstleister von den Vereinen nachgefragt?
Kaum, das war für mich überraschend. Es fanden zwar immer mal wieder Telefonate statt mit Vereinen über die Corona-Fördermittel, aber die Vereine haben die Dinge in Eigenregie geregelt. Positiv gewendet: Sie sind sehr selbstständig.

Eine große Sorge der Sportorganisationen während der Lockdown-Monate galt einem möglichen Mitgliederschwund. Wie stellt sich die Lage dar?
Die kleinen Vereine verzeichnen aufgrund der starken Bindung der Mitglieder kaum Austritte, die größeren zum Teil zwar mehr, aber bisher nicht in großer Zahl. Immerhin hat der Haushaltsausschuss des Landtags ein Förderprogramm für die Vereine beschlossen, die hohen Mitgliederschwund haben. Mehr Sorgen mache ich mir nach Gesprächen gerade mit Übungsleitern aus dem Fußball, ob die Jugendlichen jetzt alle wieder zum Sport zurückkehren. Man ist sehr gespannt. Vielleicht müssen wir da eine Aktion starten.

Wie kann der Sportkreis bei Fragen wie der Mitgliedergewinnung unterstützen?
Wir können über Förderprogramme informieren. Außerdem haben wir in Emma Luckey aus Bad Arolsen wieder eine Jugendliche im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs beschäftigt, die in die Kindergärten und Schulen geht, um Programme wie die Heidelberger Ballschule vorzustellen – und damit Kinder und Jugendliche motivieren soll, zum Vereinssport zu gehen. Wir unternehmen da also schon Anstrengungen.

Wird es ein Schwerpunkt der Arbeit des Sportkreises in den nächsten drei Jahren sein, die Folgen der Pandemie abzumildern?
Wenn die Kinder tatsächlich wegbleiben sollten, werden wir auf jeden Fall schauen, mit welchen Mitteln wir wieder das Interesse wecken können. Ich verweise noch mal auf unser Vorhaben, die Wassergewöhnung in allen 96 Kindergärten des Landkreises zum Thema zu machen. Allein dafür bezahlen wir eine Fachkraft in der Größenordnung bis zu einer halben Stelle. Das zeigt: Wir kümmern uns.

Wir planen sie für 2023 und feiern dann eben 77 Jahre.

Uwe Steuber zur 75-Jahr-Feier des Sportkreises

Finanzieren kann der Sportkreis das.
Ja, dank der Unterstützung des Landessportbunds und des Landkreises – wir zahlen zum Beispiel keine Miete für unsere Geschäftsstelle im Kreishaus – haben wir die finanziellen Mittel, um sowohl die FSJ-Stelle als auch die Fachkraft beim Schwerpunkt Wassergewöhnung zu finanzieren.

Ist es ein Wagnis, den Sportkreistag als Präsenzveranstaltung auszurichten oder ohne Weiteres verantwortbar?
Wir haben genau den richtigen Termin gefunden, weil die Lockerungen sind vermutlich derzeit am weitesten vorangekommen – ich fürchte, dass es zum Herbst hin wieder schlechter werden könnte. Die Kreissporthalle bietet außerdem genügend Abstand, um den Sportkreistag mit 200 Teilnehmern durchzuführen. Und es soll nicht lange dauern Es geht vor allem um Regularien und ein Dankeschön an junge Ehrenamtler. Es wird keine großen inhaltlichen Debatten geben, es sei denn, sie kommen aus den Vereinen.

Der Sportkreis konnte sein 75-Jähriges Bestehen in diesem Jahr nicht feiern. Wird es noch eine Jubiläumsfeier geben?
Wir planen sie für 2023 und feiern dann eben 77 Jahre Sportkreis. Ich bin mir sicher, dass wir mit unseren vielen jungen Leuten im Vorstand gute Ideen dafür entwickeln und den Vereinen ein schönes Fest bieten können. (Gerhard Menkel)

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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