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Leichtathleten gehen mit großem Vorstand in die neue Ära

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Von: Gerhard Menkel

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Der Vorstand des neuen Leichtathletkkreises Waldeck-Frankenberg
Mit diesem Team startet der neue Leichtathletikkreis, in der Mitte die Vorsitzende Iris Lückel, ganz rechts ihre Stellvertreterin Jutta Mogk. Mit auf dem Fotos des nicht ganz kompletten Vorstands sind Verbandspräsident Klaus Schuder (2. v. rechts) und Vize Peter Grundewald (4. v. rechts). © Manfred Hamel

Der neue Leichtathletikkreis Waldeck-Frankenberg kann starten. Bei einem harmonischen Gründungskreistag wählten die Delegierten einen 22-köpfigen ersten Vorstand

Bad Wildungen – Mit dem Begriff historisch ist das so eine Sache. Man weiß oft erst hinterher, ob er dem Ereignis angemessen war. Am Freitagabend, als die Delegierten aus 17 Vereinen den neuen Leichtathletikkreis Waldeck-Frankenberg beim Gründungs-Kreistag in Bad Wildungen-Reitzenhagen formal mit der Wahl des ersten gemeinsam Vorstands aus der Taufe hoben, da schien er angemessen.

Im Nord- wie im Südkreis endet eine jahrzehntelange Ära der Eigenständigkeit. Zum 1. Januar 2023 verschmelzen die zwei Fachverbände zu einem Ganzen – 49 Jahre nachdem das politische Gebilde Waldeck-Frankenberg entstand. Es zu steuern und zu entwickeln, wird allein wegen der schieren Flächengröße eine Herausforderung. Das klang bei der Sitzung an. „Ich bin überzeugt, dass wir das hinbekommen. Mit einem guten Team ist das kein Problem“, sagte Iris Lückel gleich zu Beginn.

Wie in Waldeck eine weibliche Doppelspitze

Die bisherige Waldecker Vorsitzende, zuhause im TSV Wirmighausen, geht voran – sie übernahm nach einstimmiger Wahl den Chefposten im Großkreisvorstand. Zusammen mit ihrer alten und neuen Stellvertreterin Jutta Mogk (TV Friedrichstein) bildet sie wie schon im Nordkreis eine weibliche Doppelspitze. Das Leitungsgremium steht überhaupt für Kontinuität, viele seiner Mitglieder, aber nicht alle, arbeiteten auch in den bisherigen Vorständen.

Und es ist vielköpfig. 22 Frauen und Männer gehören ihm an (siehe Kasten); „Wir sind gut aufgestellt“, sagte Iris Lückel und gab ihren Mitstreitern und Mitstreiterinnen mit auf den Weg: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“ Fremd ist man sich nicht. Vor mehr als zwei Jahrzehnten begannen beide Kreisverbände, gemeinsam Meisterschaften auf die Beine zu stellen. Iris Lückel erinnerte daran.

Ein Vorstand für gut 3800 Mitglieder

42 Vereine, davon elf aus dem Südkreis, und 3821 Mitglieder vereint der neue Leichtathletikkreis Waldeck-Frankenberg laut der Bestandserhebung 2022 unter seinem Dach. Damit ist er in Nordhessen die Nummer zwei. Der künftige Vorstand startet mit viel Erfahrung, aber auch einigen jungen Gesichtern am 1. Januar 2023 in sein erstes Jahr. 18 der 22 gewählten Mitglieder saßen bereits in den bisherigen Leitungsgremien, wenn auch teils in anderen Funktionen.

Die Ämter und Namen: Erste Vorsitzende Iris Lückel (TSV Wirmighausen), stellv. Vorsitzende Jutta Mogk (TV Friedrichstein); Wettkampfwarte Udo Leithäuser (TSV Korbach), Isabel Cramer, Till Vollmar (beide TSV Frankenberg); Sportwart Christian Mertens (TSV Twiste); Kassiererin Annette Lange (VfL Adorf), Stellvertreterin Ann-Kristin Gohmert (TV Jahn Willingen); Schriftführerin Bärbel Kiel (TSV Korbach), Stellvertreter Ulrich Theunißen (LG Eder); Kampfrichterwart Klaus-Uwe Poetzsch (TSV Korbach); Lehrwart Karl-Heinz Pschera (Bottendorf); Jugendwartin Ramona Mertens (TSV Twiste), Stellvertreterin Julia Jockel (TSV Rosenthal); Seniorenwart Torsten Kramer (LG Eder); Breitensportwart Hans-Friedrich Kubat (Marienhagen); Statistiker Edwin Martin (TSV Korbach); Schulsportbeauftragte Diana Richter (TSV Korbach/Allendorf); Beisitzer Kai-Uwe Debus (LG Eder), Lukas Ruckert (TSV Rosenthal), Normen Stiebig (SV Dodenhausen); Aktivensprecherin Kim-Zoe Langendorf (TSV Frankenberg/Höringhausen). (mn)

Ehrenvorsitz für Dieter Wolf

Im Grunde begann die Annäherung vor 25 Jahren. 1997 habe der zwei Jahre vorher ins Amt gewählte Frankenberger Vorsitzende Dieter Wolf erstmals über einen Zusammenschluss nachgedacht, sagte Ulrich Theunißen, Schriftführer im alten wie im neuen Vorstand.

Er hielt eine kleine Laudatio auf Wolf. Aus gutem Grund: Die Versammlung ernannte den Battenberger, der erkrankt ist und deshalb fehlte, zum Ehrenkreisvorsitzenden (und bestätigte diese Würde für den Waldecker Peter Wendt).

Wolf sei stets ein Mann der leisen Töne gewesen, sagte Theunißen. „Er hätte ruhig mal etwas lauter sein können.“ Den Fusionsprozess entscheidend in Gang setzte gleichwohl sein „Hilferuf aus Frankenberg“, so Peter Grunewald. Der Kasseler hat als Vizepräsident Nord im Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV) die Vereinigungsgespräche moderiert, die vor etwa einem Jahr begannen.

Lückel, Wolf und dessen Stellvertretung Theunißen hätten wesentlichen Anteil daran, „dass es zu diesem Schritt gekommen ist“, sagte Grunewald. Nachdem die Finanzfragen in einem „sehr transparenten Prozess“ geklärt worden waren, stimmte das HLV-Präsidium der Fusion am 24. August zu.

HLV-Präsident Schuder hofft auf ein Signal

Überhaupt stand der Landesverband wohlwollend Pate beim Zusammenschluss. Zur Sitzung in Reitzenhagen hatte Präsident Klaus Schuder eingeladen, er leitete sie auch größtenteils – der HLV hat großes Interesse an neuen Strukturen mit Kreisverbänden analog der politischen Kreise.

Waldeck-Frankenberg könnte ein Signal geben, wie Schuder mit Blick auch auf den Verbandstag am kommenden Samstag in Baunatal meinte. „Sie gehen für andere Kreise vorweg, auch eine Fusion zu machen.“ Potenzielle Kandidaten sind etwa die Kreise Werra-Meißner und Hersfeld-Rothenburg. Ein Punkt für Schuder ist, dass ein Großkreis gegenüber der Politik gewichtiger mit einer Stimme spricht.

Abstimmung beim Kreistag der Leichtathleten
Hoch die Arme: Bei den Wahlen zum ersten Großkreis-Vorstand herrschte Einstimmigkeit. © Manfred Hamel

Vize Grunewald, der in Baunatal für das Amt als Sprecher des neuen Beirats der Kreise kandidieren will, sagte, mit der Bündelung der Kräfte sei nicht gleich alles positiv. Auf den neuen Vorstand warte viel Arbeit. Nun wünsche er sich, „dass gute und attraktive Wettkämpfe angeboten werden“.

Steuber erneut Wunsch nach einer Allwetterhale

Manuel Luxenburger zählte am Ende des Gründungs-Kreistags drei Dinge auf, die er gelernt habe. Zuletzt nannte der Bad Wildunger Stadtrat als Vertreter des Bürgermeisters, dass es gar nicht so einfach gewesen sei, „ohne Amt hier raus zu gehen“. Sein halb-ironisches Wort konnte man entweder auf die ordentliche Größe des neuen Vorstands beziehen oder die Tatsache, dass bei der Versammlung mehr Vereine fehlten als vertreten waren: 25 zu 17 lautete das Verhältnis.

Der spontane Vorstoß von Breitensportwart Karl-Frieddrich Kubat für eine in der Satzung zu verankernde Teilnahmepflicht stieß dennoch auf wenig Enthusiasmus. Ohnehin fand HLV-Präsident Schuder die Beteiligung verglichen mit mancher seiner Erfahrungen andernorts, ganz gut.

Aufmunternde Worte bekam der neue Fachverband auch sonst mit auf den Weg. Von Friedhelm Pfuhl etwa, Mitglied des Kreisausschusses. Er nutzte das Bild vom Edersee als früherer Grenze zwischen beiden Altkreisen. Wenn immer mehr Vereine und Gruppen in Waldeck-Frankenberg im Edersee nicht mehr das Trennende, sondern das Verbindende sähen, dann sei das ein „gutes Zeichen auch für die Leichtathletik“.

Dass es fast 50 Jahre gedauert habe, um zueinander zu finden, für Pfuhl nichts Schlechtes: „Sie werden Ihre Geschichte bis dahin behalten und in der Zukunft gemeinsam eine neue finden.“

Unter den Sportarten mit eigenen Kreisfachverbänden gibt es nach der Fusion der Leichtathleten noch drei Solisten: den Fußball, der sich mit einem Zusammenschluss beschäftigt; das Turnen mit seinen eigenen Gau-Strukturen und das Schießen, das mit seiner Gebietsreform alte Grenzen festigte. Uwe Steuber. der seit zehn Jahren den Sportkreis Waldeck.-Frankenberg führt, erwähnte die damalige Verschmelzung der zwei Altkreise als Mutmacher für die Leichtathletik: „Wir haben sehr schnell zusammengefunden.“

Steuber erneuerte bei der Gelegenheit seines Grußworts zudem einen alten Infrastrukturwunsch: eine Allwetterhalle für das Wintertraining der Leichtathleten im Landkreis. Wer derzeit überdacht trainieren will, muss weit fahren.

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