Weltcup-Skispringen:

Wankelmütig in Wisla: Leyhe mit dem Team Zweiter – im Einzel Finale verpasst

Zurück im Team: Der Willinger Stephan Leyhe hat nach der langen Verletzungspause schnell wieder den Sprung in die deutsche Mannschaft geschafft. Beim Teamspringen in Wisla belegten (v.l.) Karl Geiger, Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe und Pius Paschke den zweiten Platz hinter Österreich.
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Zurück im Team: Der Willinger Stephan Leyhe hat nach der langen Verletzungspause schnell wieder den Sprung in die deutsche Mannschaft geschafft. Beim Teamspringen in Wisla belegten (v.l.) Karl Geiger, Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe und Pius Paschke den zweiten Platz hinter Österreich.

Wisla/Willingen – Hochs und Tiefs kamen innerhalb von 24 Stunden über Stephan Leyhe. Der Skispringer des SC Willingen war am Samstag beim Weltcup-Teamspringen im polnischen Wisla beim zweiten Platz noch eine feste Größe in der deutschen Mannschaft, aber gestern enttäuschte der gebürtige Schwalefelder, weil er im Einzelspringen das Finale verpasste.

Es fehlten ihm dafür 0,8 Punkte. So blieb für den 29-Jährigen mit einer Weite von 111,5 Meter nur der undankbare 31. Platz. Damit war er nur Zuschauer beim Finale, ebenso wie Teamkollege Andreas Wellinger (38.) und andere Größen wie etwa der Pole Dawid Kubacki oder der Norweger Halvor Granerud, der den Probedurchgang noch deutlich für sich entschieden hatte.

„In Klingenthal greife ich am kommenden Wochenende wieder an“, sagte Leyhe. „Der Sprung heute war für diese Verhältnisse einfach nicht gut genug“, analysierte er selbstkritisch. Er sei zu aggressiv gewesen, habe den Oberkörper zu wenig aufgemacht, dadurch konnte nicht genügend Luft unter die Skier strömen.

Beim ersten Weltcup-Sieg des Österreichers Jan Hörl (261,9) vor Marius Lindvik (255,2) aus Norwegen und Stefan Kraft (253,6) auf der selektiven Schanze überragten die DSV-Adler als Team mit Karl Geiger auf Platz vier vor Markus Eisenbichler und Pius Paschke (7.). Constantin Schmid landete auf Rang 14. Die Schützlinge von Trainer Stefan Horngacher kommen als Führende im Nationencup und mit Geiger im Gelben Trikot ins Vogtland, wo auch wie Ende Januar in Willingen die Damen mit der Lillehammer-Siegerin Katharina Althaus am Start sein werden.

Wellinger oder Leyhe im Teamspringen aufstellen? Auf diese Frage suchten nicht nur die deutschen Trainer nach der Qualifikation in Wisla am Freitag eine Antwort. Der Olympiasieger hatte sich mit Platz acht als vierter Mann für die Mannschaft wieder ins Gespräch gebracht, der Willinger ist bisher in der noch jungen Saison der beständigere Springer.

„Wir haben uns für Stephan entschieden, weil er stabil ist und hier sicher eine gute Leistung bringen wird“, begründete dann Bundestrainer Stefan Horngacher seine Entscheidung.

Leyhe rechtfertigte das Vertrauen und strahlte nach dem zweiten Platz mit Pius Paschke, Markus Eisenbichler und Karl Geiger bei der Siegerehrung um die Wette. Fast hätte es nach dem vierten Platz im ersten Durchgang sogar noch für den Sieg gereicht. Doch die Österreicher retteten 0,3 Punkte oder 20 Zentimeter Vorsprung ins Ziel.

Leyhe war zurück auf dem Podest! „Ich bin sehr glücklich über den zweiten Platz.“

Österreich (843,0) vor Deutschland (842,7) und Slowenien (834,4) hieß es am Ende dieses ersten Mannschaftsspringens der Saison, das gekennzeichnet war von ständig wechselnden Windbedingungen, purzelnden Platzierungen und einem Aufhol-Krimi.

Nach dem ersten Durchgang hatte das deutsche Quartett noch auf Rang vier gelegen. Rang drei ging an die Slowenen, die vor dem letzten Sprung noch geführt hatten. Vor mehreren Tausend enthusiastischen Fans, die größtenteils ohne Abstand und Maske eine große Skisprung-Party mit lauter Stadionmusik und Tröten feierten, kamen die Deutschen zu Beginn nicht so gut zurecht und hatten auch Pech mit den schwierigen Witterungsbedingungen

Pius Pasche (121.5) und Stephan Leyhe (120,5) legten vor. Nach seinem Sprung auf 107 Meter schüttelte Eisenbichler verärgert den Kopf. Doch es war noch nichts verloren.

„Heute ist ein schwieriger Tag, da muss erst einmal jeder zwei ordentliche Sprünge machen“, betonte Geiger nach seinem Sprung auf 116,5 Meter im ersten Durchgang und fügte zuversichtlich an: „Also warten wir erst einmal ab.“

Der Oberstdorfer sollte Recht behalten. Im zweiten Durchgang brachten Paschke (122,5) und Leyhe (120,5) die Deutschen näher ans Podest heran. Eisenbichler ließ einen emotional bejubelten Satz auf 130 Meter folgen und Geiger machte mit 125 Meter sogar fast noch den Sieg perfekt.

Die Führung in der Nationenwertung ausgebaut, einen kräftigen Schluck aus der Preisgeld-Pulle genommen – aber am Ende war für Stephan Leyhe das olympische Motto „Dabeisein ist wichtiger als der Sieg“ das Wichtigste.

In den Plänen für Peking scheint er in Sachen Team auch für Horngacher trotz der langen Pause eine wichtige Rolle zu spielen.  be

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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