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Ex-Tennisprofi: Was Rainer Schüttler Weihnachten in Korbach macht und was er von WM-Boykott hält

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Faust an Faust: Teamchef Rainer Schüttler beglückwünscht Spielerin Anna-Lena Friedsam zu ihrem Sieg beim Billie Jean King-Cup in Rijeka, wo die deutschen Damen den Verbleib in der Weltgruppe feierten.
Faust an Faust: Teamchef Rainer Schüttler beglückwünscht Spielerin Anna-Lena Friedsam zu ihrem Sieg beim Billie Jean King-Cup in Rijeka, wo die deutschen Damen den Verbleib in der Weltgruppe feierten. © IMAGO/Nel Pavletic/PIXSELL

The same procedure as every year: Am zweiten Weihnachts-Feiertag führt sein Weg Rainer Schüttler – wie jedes Jahr – ins Korbacher Tennis-Center, zum Weihnachtstennis mit den alten Kumpel.

Mit seiner Frau Jovana und den beiden Söhnen Noah (fünfeinhalb) und Leon (zweieinhalb) sowie seinem Schwiegervater kommt der weit gereiste frühere Tennisprofi regelmäßig zu den Eltern nach Hause in den Korbacher Ortsteil Eppe. Er lässt sich wie immer über Weihnachten im Kreise der großen Familie mit Schwester, Onkel und Tante verwöhnen.

Mit seiner Familie lebt Schüttler am Zürichsee, nur zehn Autominuten von Roger Federer entfernt, der seine Karrriere gerade beendet hat und den der Shaker 2002 in Dubai besiegen konnte. „Da hatte Roger aber einen schlechten Tag“, relativierte der Australian Open-Finalist von 2003 und Wimbledon-Halbfinalist von 2008 diesen Erfolg gegen die Schweizer Legende kürzlich bei dessen Rücktritt in einem Interview.

Rainer Schüttler: Erinnerungen an Katar und Roger Federer

Schüttler erspielte in seiner Karriere über sieben Millionen Dollar Preisgeld und schaffte es bis zur Nummer fünf der Weltrangliste. Sein erstes ATP-Turnier gewann er 1999 in Doha, und in Katar hat er wiederholt gespielt.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in dem Wüstenstaat verfolgt der Olympiazweite im Doppel von 2004 in Athen „wann immer es trotz der vielen Termine geht“. Ein TV-Boykott des Turniers ist für den 46-Jährigen Familienvater kein Thema. Dafür ist er noch viel zu sehr Sportler, zumal auch die Damen-WTA-Tour regelmäßig Station in Katar macht. Zuletzt war der Kapitän des deutschen Billie-Jean-King-Cup-Teams (früher Fed Cup) mit Angelique Kerber als ihr zeitweiliger Trainer in Doha am Start.

Schüttler: „Man sollte die Spieler da raus halten“

„Es gab noch nie Probleme. Wir haben uns alle immer wohlgefühlt und sind dort auch auf eine junge, teilweise studierte Generation getroffen, die sehr aufgeschlossen war und ist“, sagt Schüttler. Die unterschiedlichen Kulturen und Werte in aller Welt gelte es zu akzeptieren. „Man kann nicht so einfach unsere Werte einführen oder anderen überstülpen wollen.“ Die Kritik an der FIFA und Katar hätte zwölf Jahre vorher, bei oder unmittelbar nach der Vergabe des Turniers, einsetzen müssen, findet der gebürtige Korbacher.

Natürlich müssten Themen wie die Menschenrechte oder die Bedingungen für die ausländischen Bauarbeiter immer wieder angesprochen und eingeklagt werden, aber das sei in erster Linie eine Sache der Sportverbände und der Politik. „Nach meiner Ansicht sollte man die Spieler da raus halten. Ein Jamal Musiala war damals gerade sieben Jahre alt und soll jetzt ein politisches Statement abgeben.“ Auch Schüttler musste bei Olympia oder auf der ATP-Tour in China, Russland und anderen fragwürdigen Ländern antreten. Er habe sich dabei aber immer auf den Sport konzentrieren können.

Der Große spielt im Moment lieber Fußball

Rainer Schüttler über seinen Nachwuchs

In der Schweiz fühlen sich die Schüttlers pudelwohl. Die Eltern waren kürzlich wieder zu Besuch, seinen langjährigen Mentor Hans-Joachim Rausch und Frau hatte der „Shaker“ zum ATP-Turnier nach Genf eingeladen, fürdas er zusammen mit Ion Tiriac die Lizenz hält. Seine eigene Frau lernte der Ex-Profi aus dem Waldecker Land übrigens 2010 bei der Hochzeit des serbischen Tennisstars Janko Tipsarevic kennen. Die Modedesignerin ist die Schwester von Tipsarevics Frau, einer beliebten TV-Moderatorin in ihrer Heimat.

Greifen die Söhne auch schon zum Racket? „Der Große spielt im Moment lieber Fußball, obwohl ich es schon mit einer kleinen Ballschule versucht habe. Er will aber jetzt umsatteln, weil seine beste Freundin Tennis spielt. Der Kleine plappert schon den ganzen Tag vom Tennis und der Filzkugel“, berichtet der stolze Papa.

Weil in der Schweiz Kindergartenpflicht herrscht, können sich die Schüttlers erst am 23. Dezember auf die Fahrt ins Waldecker Land machen. Das Tenniscenter ist gebucht. Schüttlers Vater Karl griff vor Jahren noch selbst zum Schläger. Heute schaut er nach gesundheitlichen Problemen nur noch zu, wenn die einstigen Mannschaftskameraden die Bälle schlagen oder einfach nur klönen. (Werner Rabe)

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