Geplanter Länderkampf in Japan:

Willinger Jens Krueger ist einen Schritt weiter: Nationalteam der Turnsenioren steht – auf Abruf

Die erste deutsche Turn-Nationalmannschaft der Senioren: (hinten, v.l.): Wolfgang Werner, Friedhard Beck, Maik Schaefer, Wilfried Hofer, Rainer Hennings; (vorn v.l) Jens Krueger, Roland Hagner, Jan Anselm .
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Die erste deutsche Turn-Nationalmannschaft der Senioren: (hinten, v.l.): Wolfgang Werner, Friedhard Beck, Maik Schaefer, Wilfried Hofer, Rainer Hennings; (vorn v.l) Jens Krueger, Roland Hagner, Jan Anselm .

Die erste deutsche Turn-Nationalmannschaft der Senioren steht, aber der erste Länderkampf muss weiter auf sich warten lassen.

Willingen – Der gebürtige Willinger Jens Krueger (53) hat diese Initiative dafür bereits vor Corona gestartet (wir berichteten). Er arbeitet in Tokio für einen deutschen Autobauer und möchte einen Wettkampf gegen die japanischen Senioren-Turner organisieren.

Nachdem dieser 2020 wegen der Pandemie ausgefallen war, musste nun auch der neuen Termin anlässlich der Olympischen Spiele in Tokio schon wieder gestrichen. Nun hofft Jens Krueger, dass er mit der neuen deutschen Mannschaft, der er auch angehört, im September 2022 gegen die Japaner ans Reck, die Ringe und an den Barren gehen kann.

Die deutschen Altherren-Turner haben sich nun nach dem Lockdown erstmals zu einem gemeinsamen Training getroffen. Auch Krueger war dabei, nachdem er zweieinhalb Jahre wegen Corona nicht nach Willingen reisen durfte, wo seine Eltern leben.

Trainingseinheit an Hambüchens Gold-Reck

Die Stadt Wetzlar hat der neuen Oldie-Turnriege einen Platz im Turnzentrum angeboten. Dort war es für die Senioren ein besonderes Erlebnis, an jenem Olympia-Reck zu turnen, an dem Fabian Hambüchen in Rio die Goldmedaille gewonnen hatte.

Der Auftakt des Trainings wurde mit einem kleinen Kick gestartet, um dann durch die sechs Geräte zu rotieren. Boden, Seitpferd, Sprung, Barren und natürlich dieses besondere Gold-Reck.

„Wir waren alle nicht besonders fit“, erzählt Krueger. Die meisten von ihnen seien schon froh, wenn sie einmal pro Woche ins Training gehen könnten. Die von Corona verursachte Durststrecke habe auch zahlreiche Turnopfer gefordert, die nicht mehr an die Geräte zurückgekehrt seien, erzählt Krueger. Manche von ihnen hätten sich nach der monatelangen Pause verletzt oder gerade ältere Turner hätten aufgegeben, da ihnen durch den Trainingsrückstand Kraft, Bewegungsablauf, aber auch der Mut verloren gegangen seien, sodass es für sie zu gefährlich würde, wieder ans Gerät zu gehen. „Wenn die jetzt eine Kippe am Reck oder einen Handstand am Boden machen sollen, ist das zu schwierig, weil ein Teil der Koordination abhanden gekommen ist“, fügt Krueger hinzu. Der ein oder andere Turner im neuen Team kannte sich schon vor dieser Zusammenkunft andere lernten sich dort erst kennen.

Es ist niemand dabei, der schon einen Prominenten-Status besitzt. Statt Hambüchen, Gieger oder Nygen stehen hier die Namen Hennings, Hagner und Hofer. Der Halb-Promi im Team dürfte Friedhard Beck sein, der einst im erweiterten DDR-Nationalkader stand.

Krueger bemerkte schnell, dass diese Männer in Sachen Turnen noch ehrgeizig unterwegs sind. Wer noch zur deutschen Seniorenmeisterschaft fahre, müsse auch noch ziemlich heiß auf diesen Sport sein.

„Der Genuss der Selbstdarstellung ist bei ihnen aber auch ziemlich hoch, die gehen alle ans Gerät, sind stolz wie Oskar und danach wird lamentiert, dass sie diesen Salto auch schon mal höher gesprungen sind.“ Dennoch sei diese Gruppe auf Anhieb eine gute Mannschaft gewesen, betont Krueger.  

Suche nach konkurrenzfähigen Übungen

Wo stehe ich? Diese Frage hat beim ersten gemeinsamen Training jeden dieser Turner interessiert. Jeder habe dem anderen seine Übung vorgeturnt, erzählt Krueger. Es seien dann Diskussionen entstanden, über die Elemente und was in einer Übung für Seniorenturner alles eingebaut werden könnte und sollte. „Es war rührend, als Rainer Hennings mit seinen 74 Jahren zu mir kam und sagte, ich zeige dir mal meine Barrenübung, und danach fragte, ob diese Übung in Japan konkurrenzfähig sei.“

Krueger musste in diesem Augenblick noch einmal daran denken, wie schwierig es war, diese Männer überhaupt aufzutreiben und welch kleine Kämpfe er für die Geburt dieser deutschen Seniorenturnriege mit den Verantwortlichen des Deutschen Turnerbundes (DTB) ausfechten musste.

Amtierende Meister hatten keine Lust 

Es begann schon bei der Namensangabe für dieses Team. „Ich wolle es Seniorenturnteam Deutschland nennen, aber diese Bezeichnung gefiel den DTB-Verantwortlichen nicht und sie entschieden sich für Senioren Deutschland Turnen“, erzählt Krueger. Er wandte sich für die Personalsuche an Manfred Knigge, der die deutsche Seniorenmeisterschaft organisiert, weil der DTB die Adressen der in Frage kommenden Turner aus Datenschutzgründen nicht herausgeben wollte.

Knigge stellte den Plan dem DTB-Präsidium vor und bekam dafür grünes Licht. Nun wurden die Landesturnverbände angeschrieben, sie mögen die in Frage kommenden Turner ansprechen. „Einige Kandidaten haben sich dann bei mir gemeldet“, erzählt Krueger.

Mindestkriterium war die Teilnahme an der deutschen Seniorenmeisterschaft. „Wir wollten eigentlich die amtierenden Meister und Vizemeister herausfischen, aber davon hatten viele keine Lust auf Turnen in Tokio“, erzählt Krueger. Andere hatten auch nicht genug Geld.

Denn die Turner in diesem Nationalteam müssen alles selbst finanzieren. Und das ist keine geringe Summe, denn da lauern noch mehr Kosten als nur Flug und Hotel in Tokio. Krueger ist erst einmal froh, dass es diese erste deutsche Turnnationalmannschaft der Senioren nun gibt. Auch wenn dieses Team den DTB nicht wirklich interessiert. rsm/red

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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