„Ich will mit Bildern Geschichten erzählen“

WLZ-Fotograf Artur Worobiow im Porträt

Ein spektakuläres Bild: Torwart André Moor (TSV/FC Korbach) rettet vor Fabian Korell (TSV Wabern), während dessen Teamkollege Emin Dag (hinten links) und Matthias Rösner die Szene beobachten.
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Ein spektakuläres Bild: Torwart André Moor (TSV/FC Korbach) rettet vor Fabian Korell (TSV Wabern), während dessen Teamkollege Emin Dag (hinten links) und Matthias Rösner die Szene beobachten.

Fotograf Artur Worobiow arbeitet seit über 24 Jahren für die WLZ und hat viel zu erzählen.

Korbach – An sein erstes veröffentlichtes Bild in der Waldeckischen Landeszeitung kann sich Artur Worobiow noch genau erinnern. „Das war im August 1996 ein Foto vom Vorbereitungsspiel Bad Arolsen gegen Frankenau, das 0:4 ausging“, sagt der Korbacher und weiß auch noch, dass Volker Bandowski damals Trainer beim TuS war. Seitdem hat der inzwischen ergraute Blonde unzählige Bilder, vor allem für die Sportredaktion der WLZ, gemacht und ist auf den Sportplätzen und in den Sporthallen in Waldeck „bekannt wie ein bunter Hund, den die Menschen immer mit einer Kamera verbinden“.

Auf Vermittlung von Wilfried ‘Peecy´ Wohlfahrt, seinem früheren und schon verstorbenen Klassenlehrer an der Korbacher Louis-Peter-Schule, der für die WLZ arbeitete, war der damalige Elektrotechnik- und Maschinenbaustudent zur Landeszeitung gekommen. „‘Peecy´ hatte mitgekriegt, dass ich mir eine neue Fotoausrüstung zugelegt hatte“, erzählt Worobiow, der sich „von meinem Konfirmationsgeld schon mit 14“ seine erste Spiegelreflexkamera gekauft hatte, „nachdem ich schon mit zehn Jahren meine ersten Schnappschüsse gemacht habe.

Fotografieren war schon immer mein Hobby“, fügt er an und hat es nicht bereut, dass er dieses 2005 endgültig zu seinem Beruf und sich damit selbstständig gemacht hat. Auch weil der vorherige Autodidakt großen Wert auf Qualität legt, „ich wollte mir Wissen aneignen, damit ich besser werde“, hat er drei Jahre lang an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin auf eigene Kosten Kurse belegt und war auch einmal im Monat in Weißensee, getreu seinem Anspruch „mit Bildern Geschichten zu erzählen“, vor Ort.

Wenn Worobiow auf seine fast 25 Jahre bei WLZ zurückblickt, kommen ihm als erste Bilder die heimischen Sportstars wie Stephan Leyhe, Carolin Schäfer, Patrick Lange, Jan-Martin Speer und Mario Jassmann in den Sinn, die er bereits „als Kinder“ abgelichtet hat und sich auch deshalb über deren große Erfolge freut. „Stephan Leyhe habe ich schon zusammen mit seinem älteren Bruder Christoph fotografiert, als er noch von der Orenberg-Schanze gesprungen ist“, erzählt Worobiow. So war es für ihn in seiner langen Fotografenlaufbahn auch „ein besonders Erlebnis“, als der Schwalefelder im Februar 2020 ausgerechnet auf seiner Heimatschanze in Willingen seinen ersten Weltcupsieg vor den begeisterten Fans feierte.

Selbstporträt: Fotograf Artur Worobiow.

„Das war schon sehr emotional. Ich hatte Gänsehaut“, schwärmt Worobiow noch heute. Weil er nach der Siegerehrung auch noch wartete, bis Lehye auch die Dopingkontrolle hinter sich hatte, kam der WLZ-Fotograf zu exklusiven Bildern des Skispringers mit einigen seiner jugendlichen Fans. „Stephan hat mir noch nie ein Bild abgeschlagen“, freut sich Worobiow über die Freundlichkeit des bescheidenen Skisprungstars.

Ungeplante Flucht mit zwei Koffern

2001 waren beim Weltcup in Willingen dann auch seine Polnischkenntnisse gefragt, als WLZ-Sportchef Gerhard Menkel mit dem aus Wisla kommenden Weltmeister Adam Malysz mit Worobiow als Übersetzer ein Interview führte. „Malysz ist wie ich evangelisch, was im katholischen Polen selten ist, sodass er sich sogar anhören musste, wie Gott sich auf die Seite eines Protestanten stellen könne“, erzählt Worobiow grinsend, der aus der Stadt Sohrau in der Nähe von Kattowitz stammt. Nach einem Besuch bei seinem in Korbach lebenden Onkel, „wir wollten eigentlich nur Urlaub machen und ein Auto kaufen“, blieben seine Eltern mit dem elfjährigen Artur und seiner neunjährigen Schwester Sylvia 1981, als der frühere General und spätere Ministerpräsident Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht in Polen verhängte, um den wachsenden Einfluss der Gewerkschaft Solidarnosc zu brechen, in Korbach. Die bei der Großmutter in Polen gebliebenen damals sechs Jahre alten Zwillinge Michael und David durften mit dieser nach elf langen Monaten endlich nachkommen.

„Unsere Entscheidung hier zu bleiben war richtig und hat sich durch die politische Entwicklung in Polen so ergeben. Wir leben gerne hier, blickt Worobiow, „ich habe mich als Oberschlesier immer als Deutscher gefühlt“, auf die ungeplante Flucht „mit nur zwei Koffern“ zurück.

Flexibler Fotograf mit sehr vielen Fähigkeiten

In den vergangenen Jahren stellte sich Worobiow auch wegen der zurückgehenden Einnahmen aus dem Sportjournalismus beruflich breiter auf. So gibt er als Dozent an der Volkshochschule Fotokurse, fotografiert für Unternehmen und Schulen, führt Shootings im Bereich Kinder- und Baby-Fotografie durch und hat sich auf die Event-Fotografie, inklusive Hochzeiten, spezialisiert. Weiterhin arbeitet er als Teamer im Rahmen des Projekts „stark bewegt“ des Landkreises Waldeck-Frankenberg und fährt seit einem Jahr Taxi.

Da dem gläubigen Christ, der mit der Band „CrosSing“ als Hobbybassist moderne Kirchenmusik macht, auch durch Corona einige Aufträge weggebrochen sind, „ist es schwierig, sich finanziell über Wasser zu halten“, sagt Worobiow.

Doch seine Leidenschaft ist und bleibt die Fotografie. „Das ist für mich immer noch ein Erlebnis, auch weil du oft den Menschen näher kommst, als ein normaler Zuschauer“, erzählt er begeistert und erinnert sich noch besonders gerne an den Hessentag 2018 in Korbach zurück, als er beim Konzert von Klaus Lage mit der Big Band der Bundeswehr auf der Bühne und im Backstage-Bereich fotografieren durfte. „Ich weiß noch wie Klaus Lage sich vor dem Auftritt die Hose etwas höher über den Bauch gezogen hat und mit dem Satz, ‘dann wollen wir mal langsam anfangen´ auf die Bühne gegangen ist. Seine Bodenständigkeit und Freundlichkeit hat mich tief beeindruckt“, sagt Worobiow über den Sänger des Hits „1000 und eine Nacht“.

Siegerlächeln: Stephan Leyhe nach seinem Erfolg in Willingen mit fünf jungen Fans.

Der Fotograf, der zu seiner Entspannung gerne Tier- oder Landschaftsaufnahmen macht, „da kann ich mir Zeit lassen und runterfahren, während Sonntags beim Fußball manchmal Bilder von drei Spielen in 90 Minuten benötigt werden und es dann klack, klack, klack machen muss“, erinnert sich auch gerne noch an den Handball-Sparkassencup in Bad Wildungen, als er die Lemgoer Markus Baur, Florian Kehrmann und Christian Schwarzer fotografierte, die im Januar 2007 mit dem deutschen Team im eigenen Land Weltmeister wurden. Als Worobiow davon erzählt, wie er auf dem Korbacher Paul-Zimmermann-Sportplatz einen Läufer, der in den Wassergraben gefallen war, beim Aufstehen fotografierte, muss er schmunzeln.

„Zwischendurch gab es natürlich in der langen Zeit als Fotograf auch Frust, aber den hat jeder in seinem Job“, sagt er. Dass wegen seinem Beruf gerade an den Wochenenden, wenn der Sport außer in Coronazeiten Hochkonjunktur hat, „die Zeit mit meiner Frau Maya und meinem Sohn Frederik zu kurz kommt, weil ich dann an 45 Wochenenden im Jahr unterwegs bin“, bedauert Worobiow, dessen Filius vier Jahre alt ist.

Dies gilt auch für die Entwicklung, „dass die Bilder auch durch die digitale Technik an Wert verloren haben und mittlerweile verramscht werden, was uns Profifotografen zu schaffen macht.“ So hofft er auf bessere Zeiten, um dann vielleicht auch sein 25-jähriges Jubiläum als freier Mitarbeiter der WLZ , „so lange dabei zu sein, haben nicht viele Fotografen geschafft“, feiern zu können, nachdem schon die geplante große Fete zu seinem 50. Geburtstag im Juni wegen Covid-19 ausgefallen war. jh

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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