Teil 2 der Serie zur Radsaison

Die gut geplante Radtour: Auch an Kopf, Magen und Hintern denken

Imposanter Ausblick: Radeln auf dem Viadukt in Selbach, Teil des Eder-Radweges.
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Imposanter Ausblick: Radeln auf dem Viadukt in Selbach, Teil des Eder-Radweges.

Die von Corona gebeutelten Menschen zieht es nach draußen. Zum Beispiel in den Sattel. Um Radtouren als Volkssport dreht sich unsere kleine Serie. Diesmal geht es darum, für die erste Tour gerüstet zu sein.

Wild im Wald herumzufahren ist nicht gerne gesehen. Muss aber auch nicht sein: Waldeck-Frankenberg bietet ein weitgehend gut verzweigtes Netz an Radwegen. Sie ermöglichen es mitunter, sich fast ausschließlich auf Asphalt zu bewegen, ohne dass man auf der Bundesstraße fahren muss.

Wer gerade erst das Radfahren für sich entdeckt, sollte auf einer Tour einiges beachten. Fragen und Antworten zur Tourenplanung.

Wie lang sollte eine Tour für Anfänger sein?
Radeln in der Natur, Bewegung an der frischen Luft – auch für diesen Genuss gilt: Er sollte maßvoll sein. „Egal, mit welcher Art Bike man unterwegs ist: Wer noch nie oder lange nicht mehr geradelt ist, sollte mit Strecken von 10 bis 15 Kilometern anfangen“, rät Otto Brocke, Vorsitzender des Radsportvereins Korbach.

Zwei bis drei Stunden solle man für eine gemütliche Tour, zum Beispiel mit der Familie, einplanen, meint Robin Frese, 2. Vorsitzender vom Radwerk Upland. „Je nach Tempo und Anzahl der Pausen legt man in dieser Zeit zwischen 30 und 50 Kilometern zurück. Einsteiger sollten sich zunächst eher auf weitgehend flach verlaufenden Strecken bewegen“, sagt Frese.

Tobias Schmidtmann vom Radteam Bunstruth-Racing weiß, wie sinnvoll langsames Warmfahren ist. „Dann muss man nicht gleich verzagen, wenn die Beine anfangs schwer sein sollten, das legt sich beim Warmfahren. Und: Vielleicht anfangs eine bekannte Strecke wählen – dann weiß man auch im Notfall, wann man wieder daheim ist.

Tipp: Die Wiederbelebung des Zugverkehrs im Landkreis auch südlich von Korbach macht sich für Radfahrer bezahlt. Legt man Hin- oder Rückweg mit dem Zug zurück, kann man von auch ein Ziel wählen, das eigentlich zu weit von der „Basis“ entfernt liegt.

Familienspaß: Bei der Radtour gilt es auch, auf Kinder Rücksicht zu nehmen, etwa bei der Streckenlänge.

Muss ich mich sportlich vorbereiten, zum Beispiel mit spezieller Gymnastik?
Das klassische Dehnen – beim Radfahrer eher danach wichtig, nicht davor. „Nach einer Tour sind Dehnübungen sinnvoll, weil durch die lang anhaltende Sitzposition eventuell Verkürzungen in manchen Muskeln auftreten können; zum Beispiel im Oberschenkel oder in der Hüfte“, sagt Robin Frese. Vor dem Start aufwärmen ist kein Muss, schließlich ist Radeln eine gelenkschonende Sportart.

Ratsam: Blutige Anfänger sollten unbedingt die Fahrtechnik-Grundlagen lernen. Das bringt mehr Spaß und erhöht die Sicherheit.

Wie sieht die richtige Ausrüstung aus?
Wer eine Fahrradtour plant, sollte einen Ersatzschlauch, eine CO2-Kartusche oder eine Notfallluftpumpe in einer Satteltasche dabei haben. „Das erspart viel Ärger, wenn’s mal einen Platten geben sollte“, sagt Tobias Schmidtmann. Sein Geheimtipp: „Ein Kaffee oder eine Cola unterwegs machen munter, wenn die Puste langsam ausgeht.“ Also auch stets ein wenig Geld dabei haben.

Nach einer Stunde Radfahren zwickt bereits der Popo? „Deswegen sollte man in eine vernünftige Radhose investieren“, so Schmidtmann. Zumindest 60 Euro sollte einem eine gute Hose wert sein. Trotzdem, so Schmidtmann, sei es ganz normal, wenn der Hintern anfangs wehtut, „da muss man etwas die Zähne zusammenbeißen. Je häufiger man fährt, desto schneller gewöhnt man sich daran.“

Was muss ich beim Radfahren mit Kindern bzw. mit der ganzen Familie beachten?
Generell gilt in der Gruppe: Beim Pensum immer am schwächsten Glied orientieren. Sind Kinder oder Senioren mit unterwegs, schadet es nicht, größere Anstiege zu meiden und eine Pause mehr einzulegen. Vielleicht anfangs eine bekannte Strecke wählen – dann weiß man auch im Notfall, wann man wieder daheim ist.

Mit Helm – muss das sein?
Nur gut 15 Prozent aller Deutschen tragen beim Radfahrern regelmäßig einen Helm, obwohl dessen Nutzen als Schutz vor schweren Verletzungen erwiesen ist. Das liegt sicher daran, dass es keine gesetzliche Helmpflicht gibt, also kein Bußgeld zu befürchten ist. Es gibt nur eine Empfehlung zum Tragen eines Helmes, vor allem bei Kindern.

„Man sollte es aber nicht als lästig empfinden, einen Helm zu tragen“, sagt Robin Frese. Für Vereins-Radfahrer wie im Radwerk Upland sei dies selbstverständlich. „Eltern sollten diesbezüglich Vorbild für Kinder sein. Also nicht den Kindern einen Helm aufsetzen und dann selbst keinen tragen“, so Frese. Übrigens: Neben dem Helm ist auch eine (Sonnen-)Brille nicht verkehrt, die vor Fahrtwind und Insekten schützt.

Auch wenn man im Landkreis unterwegs ist: Eine Radwegekarte im Gepäck zu haben, ist empfehlenswert.

Wie viel Proviant muss ich einpacken?
Wasser: Eine oder zwei Radflaschen pro Fahrer (meist 750 ml Inhalt) sollten es sein, je nach Länge oder Dauer der Tour. Feste Nahrung: „Banane und Müsliriegel sind unerlässlich, wenn man sportlich unterwegs ist. Für demn Familienausflug kann man auch Brote schmieren“; sagt Robin Frese. Bedenken sollte man immer: Proviant bedeutet Gewicht, dass man tragen muss. Deshalb am besten die Verpflegung immer auf mehrere Rucksäcke verteilen.

Wie kann ich mich unterwegs orientieren?
Die Beschilderung des Radwegenetzes ist sehr ordentlich. Für Handys gibt es spezielle Apps. Gleichwohl: „Man sollte sich auch Radfahrkarten besorgen“, sagt Otto Brocke vom RV Korbach. Dies gelte gerade für Anfänger. Als Beispiel für Waldeck-Frankenberg nennt er die Karte „Sauerland – Diemelsee – Edersee (Falk Verlag, Radkarte Nr. 3064), die auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub empfiehlt. Umfangreiche Infos zu Touren in der Region gibt es auch auf der Homepage des Touristik Service Waldeck-Ederbergland auf waldecker-land.de (schä)

Wir suchen die schönsten Fahrradstrecken

Waldeck-Frankenberg bietet zweifellos eine Menge El Dorados für Radfahrer. Und es gibt sicher „schöne Eckchen“, die noch nicht jeder erkundet hat. Wir suchen die Geheimtipps unserer Leser. Welches ist Ihre Lieblingsstrecke? Wo sollte man unbedingt mal geradelt sein in unserem Landkreis? Schreiben Sie bis Montag, 10. Mai, eine E-Mail mit erklärenden Stichworten und gern auch Bildern von ihrer schönsten Route. Wir veröffentlichen ausgewählte Tipps im letzten Teil unserer Serie in der kommenden Woche. Die Mailadresse lautet: sportredaktion@wlz-online.de

Lesen Sie auch: Serie, Teil 1 mit Tipps zur Pflege und zum Radkauf

Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.
Dieser Artikel stammt aus der Waldeckischen Landeszeitung.

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