Wandert dank Selbstaussaat gern durch den ganzen Garten

Die Akelei ist eine liebenswerte Vagabundin

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Von zarter Gestalt und unbändigem Ausbreitungswillen: Die Akelei, hier eine gespornte Blüte in sonnengelb. 

Die Akelei trägt im Frühling filigrane Blüten in zahllosen Varianten und hat einen erstaunlichen Vermehrungswillen: Hommage an eine wunderbare Gartenstaude. 

Wenn die Akelei nicht so furchtbar bezaubernd wäre, fiele es bedeutend leichter, ihrer erstaunlichen Vermehrungsfreude Einhalt zu gebieten. Aber dann verpassen wir doch in jedem Sommer wieder aufs Neue den Zeitpunkt, an dem die trockenen Samenstände entfernt werden müssten. Dann nimmt die Natur ihren Lauf. Im darauffolgenden Frühling reckt wieder eine kunterbunte Schar vielgestaltiger Nachkommen ihre wippenden Blütenglocken der Sonne entgegen – ein ewiger Kreislauf. Sie erscheinen an den entlegensten Plätzen überall im Garten, gern auch beim Nachbarn. Ohne Zweifel: Die Vagabundin des Staudengartens hat ihre Bewunderer fest im Griff.

Ulrike Bosch, Stauden-spezialistin.

Als Staudenspezialistin, die Akeleien im Sortiment hat, hat Ulrike Bosch das schon oft gehört: „Ach, Sie bieten Akeleien an? Da könnte ich Ihnen aushelfen, die vermehren sich so unbändig, die sind ja fast lästig!“ Das stimme zwar, sei aber nur die halbe Wahrheit, sagt die Inhaberin der Gärtnerei AllgäuStauden im baden-württembergischen Leutkirch, die einst in Kassel studiert hat. Denn Akeleien seien auch Stauden, die einen ganz besonderen Charme ausstrahlen: irgendetwas zwischen altmodisch, charmant und trotzdem elegant und wunderschön.

Die Akelei entwickelt durch Kreuzung laufend neue Farbmutationen, hier in pink-weiß.

Faszinierend ist die riesige Vielfalt, die die Gattung Aquilegia zu bieten hat: Im Sortiment gibt es einfarbige und zweifarbige Typen, einfach- und gefüllt-blühende (etwa aus der beliebten Barlow-Serie), welche mit und ohne Sporne, außerdem hohe und extrem niedrige Sorten, die für den halbschattigen Steingarten perfekt sind. Die Akelei ist eine der ersten höheren Stauden, die im Gartenjahr ihre Pracht zeigt, ist wie alle Hahnenfußgewächse aber giftig. Sie werden zwischen 15 und 90 Zentimeter hoch.

Halbviolette Blüten in rosa.

Heimische (Wild-)Arten wie A. vulgaris und A. atrata und jene mit Ursprung aus Asien (A. viridiflora und A. flabellata-Sorten) blühen meist im Farbspektrum Violett–Blau–Rosa–Weiß und haben tendenziell kürzere Sporne. Solche aus Nordamerika (A. canadensis) blühen häufig in Gelb oder Rot und weisen längere Sporne auf, so Bosch.

Apart und gefüllt.

Schnecken mögen die Pflanzen wegen ihrer ätherischen Öle übrigens gar nicht. Als Kaltkeimer brauchen sie im Winter einen vier bis acht Wochen dauernden Kältereiz (Temperaturen unter fünf Grad). Wegen ihrer pfahlartigen Wurzeln etablieren sich Akeleien gut am Standort und kommen mit Trockenheitsperioden viel besser klar, als flachwurzelnde Stauden. 

Rosa wie ein Marshmellow.

Ihre Lebensdauer beträgt zwar nur einige Jahre, aber dies machen sie durch extreme Vermehrungsfreude wett. Die üppige Selbstaussaat lässt sich durch frühzeitiges Zurückschneiden eindämmen. Besitzt man verschiedene Arten und Sorten, kommt es durch Kreuzungen in der Regel mit der Zeit zu einer bunten Nachkommenschaft, die – wenn man sie denn lässt – farbenfroh durch den ganzen Garten vagabundiert.  Info: allgaeustauden.de

Vermehrung der Akelei Zur Ausbreitung ihrer Samen nutzt die Akelei mehrere Mechanismen. Sie lässt ihren Samen sowohl vom Wind und von Tieren verbreiten („Wind- und Tierstreuer“), ist aber auch ein so genannter „Austrocknungsstreuer“. Dazu bilden sich nach der Befruchtung sogenannte Balgfrüchte, die auf den langen, elastischen Fruchtstielen sitzen. Sind sie reif und die Fruchtwände getrocknet, platzen die Balgfrüchte ruckartig entlang ihrer Bauchnaht auf. Dabei werden die Samen fortgeschleudert und sorgen für reichlich Nachwuchs.

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