Akkus für Sonnenstrom

Photovoltaik: Kommt nach dem Solar- der Speicherboom?

Die Kürzungen bei der Solarförderung haben den Photovoltaikmarkt verändert. Seit sich der Eigenverbrauch lohnt, sind leistungsfähige Batterien für den Sonnenstrom gefragt. Schwäbisch Hall-Expertin Ingrid Lechner informiert über den aktuellen Stand der Technik.

Hausbesitzer, die Beleuchtung, Kühlschrank, Waschmaschine und Geschirrspüler mit kostenlosem Sonnenstrom aus einer Photovoltaikanlage betreiben wollen, sehen sich mit dem Grundproblem erneuerbarer Energien konfrontiert: Wie bringt man Bedarf und Leistung zur Deckung? Was passiert mit dem überschüssigen Solarstrom, der tagsüber produziert wird? Und woher kommt der Strom für Haushaltsgeräte, Licht & Co., wenn bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter nicht genügend Strom aus Sonnenenergie zur Verfügung steht?

Die Antwort: Geeignete Speicher müssen her. „In der Zukunft werden Einspeisevergütung und Strompreis so weit auseinanderklaffen, dass sich der Einsatz dezentraler Speicher für Endkunden lohnen wird“, prophezeit Batterieexperte Matthias Vetter vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. „Mit etwas größer ausgelegten Photovoltaik-Batteriesystemen sind auch in Deutschland solare Deckungsanteile von bis zu 80 Prozent in Ein- und Mehrfamilienhäusern möglich.“

Zwei Lösungen fürs Eigenheim

Fast alle großen Photovoltaikanbieter haben bereits Speicherlösungen für private Eigenheime im Angebot. Die meisten setzen dabei noch auf Blei-batterien, die in der Praxis seit Längerem bewährt sind. Im Vergleich zu Lithium-Ionen-Akkus haben sie allerdings zwei Nachteile. Zum einen ist ihre Entladetiefe geringer: Sie sollten höchstens zu 50 bis 60 Prozent der Netto-Kapazität entladen werden, während die nutzbare Kapazität bei Lithium-Ionen-Akkus zwischen 70 und 100 Prozent liegt. Letztere haben zum anderen auch eine deutlich längere Lebensdauer: Während es Blei-Akkus auf 1.500 bis 2.000 Voll-Ladezyklen bringen (das reicht für maximal zehn Jahre), sind bei der Lithium-Ionen-Technik 5.000 bis 7.000 Zyklen möglich.

Allerdings haben auch Lithium-Ionen-Akkus Minuspunkte: Da sie beim Laden sehr heiß werden, sind Sicherheitsmaßnahmen erforderlich, damit es nicht zu Bränden oder Explosionen kommt. Außerdem ist diese Variante noch deutlich teurer als Blei-Akkus.

Für Solaranlagen mit Speicher ist ein intelligentes Steuerungssystem erforderlich, das für die richtige Verteilung im Haus sorgt. Vorrang hat der von der Photovoltaikanlage produzierte Strom. Wird mehr Energie verbraucht, als die Anlage gerade liefert, wird zusätzlich die Batterie entladen. Erst wenn auch deren Kapazität erschöpft ist, kommt Strom aus dem Netz zum Einsatz. Umgekehrt wird nur überschüssiger Strom aus der Solaranlage ins Netz gespeist. Das ist immer dann der Fall, wenn im Haus zu wenig verbraucht wird und die Batterie voll geladen ist.

Schere zwischen Strompreis und Vergütung öffnet sich weiter

Die Vergütung für den ins Netz eingespeisten Strom war über Jahre das Hauptargument für die Investition in eine Photovoltaikanlage – und der Grund für den Solarboom der letzten Jahre. Nach wiederholten Kürzungsrunden gibt es für neu installierte Anlagen nur noch rund 18 Cent je Kilowattstunde. Für den Strom aus dem Netz bezahlt man im Schnitt aber rund 23 Cent an seinen Versorger – Tendenz steigend. Das hat die Rentabilitätsberechnungen grundlegend verändert.

Heute ist es finanziell wesentlich vorteilhafter, den selbst produzierten Sonnenstrom auch im eigenen Haus zu verbrauchen, als ihn ins Netz einzuspeisen. Bei steigenden Strompreisen und sinkender Vergütung wird sich diese Schere künftig noch weiter zugunsten des Eigenverbrauchs öffnen. Ein Solarstromspeicher kostet für ein durchschnittliches Einfamilienhaus zwischen 7.000 und 10.000 Euro – eine Investition, die sich allenfalls auf lange Sicht rechnet. Experten rechnen allerdings damit, dass die Preise für Batterien in den nächsten drei bis vier Jahren um rund 50 Prozent sinken werden. Dann könnte nach dem Solarboom der Speicherboom kommen. (nh)

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