Experte gibt Tipps

Vom Stamm in den Mund: Der perfekte Apfel-Baum für Ihren Garten

Früchte direkt am Stamm: Der Säulenapfel „Alkmene“ passt auch auf den kleinsten Balkon.
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Früchte direkt am Stamm: Der Säulenapfel „Alkmene“ passt auch auf den kleinsten Balkon.

Champagner Renette oder Himbeer-Apfel? Die Anzahl der Apfelsorten ist groß. Ein Experte gibt Tipps, welche Sorte auch in Ihrem Garten wächst. 

Das Angebot an Apfelsorten für den  Garten, aber auch für den Balkon, ist groß und unübersichtlich. Bei der Auswahl der geeigneten Sorte und vor allem der richtigen Wuchsgröße hilft der Baumschulgärtner. 

Gute Gründe, ein Apfelbäumchen zu pflanzen, gibt’s genug. Man muss dafür nicht zurückgehen bis zum Reformator Martin Luther, der selbst im Angesicht des drohenden Weltuntergangs noch zur Pflanzschaufel hatte greifen wollen.

Der richtige Apfel-Baum für jeden Garten oder Balkon

Vielleicht hat man angesichts des Apfel-Einerleis der Supermärkte auch einfach Appetit auf etwas Neues (oder besser gesagt: auf etwas Altbewährtes) fernab der genormten Geschmackswelten perfekter Massenware. Den richtigen Apfelbaum fürs eigene Gartenreich zu finden, lohnt sich allemal – egal, ob man über eine ganze Streuobstwiese hinterm Haus verfügt oder nur über einen Pflanzkübel auf dem Balkon.

In der Baumschule den Wunsch-Apfelbaum finden

Schwieriger ist da schon die Sortenwahl: Allein die Namen verheißen puren Genuss: Edle „Champagner Renette“ gefällig oder lieber „Finkenwerder Herbstprinz“? Schon gehört vom „Himbeerapfel von Holovous“, dem „Dülmener Rosenapfel“ oder gar der „Hessischen Tiefenblüte“? Die Sortenliste der Baumschule Pflanzlust in Wolfhagen ist mit ihren über 200 Bäumen eine Herausforderung auf dem Weg zum Wunschapfel.

Alte Apfel-Sorten wieder im Trend 

Zum Glück, so erläutert Baumschulgärtner Heinrich Niggemeyer, kann man dank der Veredelungstechnik praktisch jede Sorte in der gewünschten Baumgröße, von der kleinwüchsigen Spindel bis zum Hochstamm, kultivieren. Vor allem alte Sorten seien derzeit wieder gefragt.

Erst den Standort im Garten wählen, dann den Apfel-Baum

Was viele nicht wissen: Die Wuchseigenschaften des Apfelbaumes werden ausschließlich bestimmt von der „Unterlage“, der Wurzel, auf der die Apfelsorte veredelt wurde, nicht von der Sorte. Bei Pflanzlust werden Äpfel (und auch Birnen) zumeist als Buschbaum oder Halbstamm auf einer mittelstark wachsenden Wurzel (Typ MM106) veredelt.

Veredelung: Dazu wird ein Spross in einen Schlitz in der Rinde geschoben.

 Diese liefert frühen Ertrag, bildet eine Krone von etwa vier Metern, entwickelt sich zügig und ist standfest. „Wer einen Apfelbaum pflanzen möchte, sollte zunächst den Standort festlegen“, rät Niggemeyer. Danach werde die Wuchsform ausgewählt.

Apfel-Baum: So unterscheiden sich die Baum-Arten

Spindelbaum: Er bleibt sehr klein und schmal und braucht kaum Schnittpflege. Die sehr schwach wüchsige Wurzel-Unterlage ist ideal für die Pflanzung im Topf auf Balkon oder Terrasse.

Buschbaum: Die Baumkrone des 1,50 Meter großen Jungbaumes beginnt auf einer Höhe von 40 - 60 Zentimetern, früher Ertragsbeginn mit Ernte ab dem zweiten Jahr.

Halbstamm: Die Baumkrone des zwei Meter hohen Jungbaumes beginnt bei etwa 1,20 Höhe. Je nach Wüchsigkeit der Wurzelunterlage erreicht die Baumkrone eine Breite von vier bis sechs Metern, die ersten guten Ernten sind etwa nach drei bis fünf Jahren zu erwarten.

Hochstamm: Die Baumkrone des drei Meter hohen Jungbaumes liegt in etwa zwei Metern Höhe. Perfekt für große Garten, Streuobstwiesen oder als Hausbaum. Hohe Widerstandskraft dank des starken Wurzelsystems.

Jede Apfel-Sorte in Wunsch-Größe

Nahezu alle Apfelsorten könnten in diesen Wuchsformen angebaut werden – passgenau für den jeweiligen Garten: Frühe Äpfel, die am besten frisch vom Baum schmecken oder späte Sorten, deren Genussreife erst einige Wochen nach der Ernte Ende Oktober erreicht wird und die gut lagerfähig sind, ohne an Qualität einzubüßen.

Säulen-Äpfel brauchen keinen Schnitt

Eine Besonderheit sind die besonders schmal gezüchteten Säulenapfel-Bäume, die höchstens zwei Meter hoch werden und keinen Schnitt brauchen. Sie wurden in den letzten Jahren als eigene Sorten gezüchtet, wobei zunächst die Wuchsform im Vordergrund stand. Inzwischen bieten sie aber ebenfalls eine große Geschmacksvielfalt von säuerlich bis süß. Eine Obstsortenliste mit Beschreibungen von Äpfeln und weiteren Obstsorten gibt es hier.

Reiche Apfelernte auch im kleinen Garten: Baumschulgärtner Heinrich Niggemeyer aus Wolfhagen mit dem Säulenapfelbaum „Greencats“. Diese Sorte wird nur bis zu zwei Meter hoch und eignet sich auch für den Balkon. 

Obstbaumschnittkurs: Samstag, 7. März 2020, 13 bis 16 Uhr in Wolfhagen. Geplant ist auch ein Kurs nur für Frauen.

Apfel-Baum pflanzen - eine Anleitung für Jedermann:

Wurzelnackte Obstbäume können von Oktober bis Ende April bei frostfreiem Wetter gepflanzt werden. Bei schweren Böden gibt man Humus oder Pflanzsubstrat ins Pflanzloch (40x40x40 Zentimeter). Gegen Wühlmäuse hilft ein engmaschiger Draht. Als Stütze wird ein Holzpfahl, der bis zur Baumkrone reichen sollte, an der Windseite eingeschlagen. Nach Entfernen des Wurzelschutzes kommt der Baum so tief ins Pflanzloch, dass sich die Wurzel zwei bis vier Zentimeter unter der Bodenoberkante befindet. 

Verschiedene Erde und viel Wasser

Nun wird das Pflanzloch mit krümeliger Erde gefüllt. Mit einem Kokosstrick, in Achterschlingen um Pfahl und Stamm gewickelt, bindet man den Baumstamm am Pfahl an. Sehr wichtig ist das Einschlämmen mit viel Wasser, damit sich die Erde setzt und die Wurzeln gut umschließt. Lockere Erde obenauf – fertig. Für besseres Wachstum sollte die Baumscheibe zumindest im ersten Jahr unkrautfrei gehalten werden. 

Apfel-Sorte nach Wunsch in Wolfhagen züchten lassen

Seine Früchte schmecken nach Kindheit und begleiteten uns schon viele Jahre lang durchs Leben: Am alten Apfelbaum daheim oder in Omas Garten hängen oft schöne Erinnerungen. Leider kennt man meist nicht einmal die Sorte. Wenn dieser Baum vergreist und seine Lebenszeit zu Ende geht, droht auch der unverwechselbare Geschmack seiner Früchte für immer zu verschwinden. 

Aktion Wunsch-Baum für den Lieblings-Apfel

Hier hilft die Baumschule Pflanzlust mit einem speziellen Angebot: dem „Wunschbaum“. Das geht so: Man schneidet im Januar oder Februar zwei bis drei frische, einjährige Zweige („Wassertriebe“) ab und bringt sie in Wolfhagen bei Pflanzlust vorbei (oder schickt sie per Post).

Diese werden auf eine Wurzel-Unterlage in der gewünschten Wuchsform veredelt und bis Ende Oktober ist der „Wunschbaum“ quasi wiedergeboren und fertig zum Einpflanzen. Kosten: Baumpreis plus 15 Euro Veredelungsgebühr.  Info: 0 56 92 / 86 35. 

Diese alten Apfel-Sorten sind in der Region beliebt

Wildapfel aus Beberbeck: Mit 200 Jahren ältester Apfelbaum Deutschlands, steht in der Beberbecker Hute nahe Hofgeismar. Drei Zentimeter kleine, kugelige Früchte.

Hessische Tiefenblüte: Aromatischer Tafelapfel, seit 1930 in Baumschulen in Lippoldsberg bei Bad Karlshafen und weiteren Baumschulen im Raum Kassel weit verbreitet. Bekannt auch als „Tiefenblüte“, „Jakobs Apfel“ und „Hohlblümchen“. Im Raum Hann. Münden eine der häufigsten Streuobstwiesen-Sorten. 

Korbacher Edelrenette: Vor 1880 erwähnt von dem Lehrer Heinrich Mönch, war lange vom Aussterben bedroht. 1995 umfasste der Bestand nur noch 17 Bäume, dann Nachzucht durch den Hessischen Pomologenverband. 

Trendelburger Kalvill: Um 1900 in Nordhessen erstmals entdeckt, Herkunft aus Frankreich oder Belgien, sehr aromatischer Winterapfel mit guter Haltbarkeit. 

Kasseler Renette: Weckt in unserer Region Heimatgefühle, stammt aber aus dem französchen Cassel am Ärmelkanal, in Deutschland 1809 erstmals auf Rügen erwähnt, reich tragend, süß und saftig. 

Apfel-Sorten aus Nordhessen

Naumburger Schafsnase, Oberkaufunger Renette, Körler Edelapfel, Roter Berlepsch, Twister Apfel, Waldecker Nr. 1, Metzrenette.

Video: Einen Apfel aus Nachbars Garten stibitzen? Ist das eigentlich erlaubt?

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Allergisch auf Äpfel? Diese Berliner Forscher haben eine Entdeckung zur Apfelallergie gemacht. 

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