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Beet frei fürs junge Gemüse

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Von: Gisela Busch

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Der rotstielige Mangold im Gemüsebeet.
Der rotstielige Mangold ist eine schmucke Gartenpflanze von doppeltem Wert: dekorativ im Staudenbeet und köstlich auf dem Speiseteller. © Elisabeth Schwab/Panthermedia.net

Wenn sich der Boden im Frühjahr langsam erwärmt, hat bei vielen Gemüsegärtnern die Saison schon längst begonnen – nämlich auf der Fensterbank. Vor allem mediterrane Pflanzen wie Tomaten, Paprika und Zucchini, aber auch Pflücksalat, Kohl und Gurken eignen sich für die Vorkultur im Haus. Draußen geht es für diese wärmeliebenden Gemüsesorten erst ab Mitte bis Ende Mai so richtig los.

Vorher könnten plötzliche Spätfröste den zarten Jungpflanzen den Garaus machen. Robuster sind dagegen Spinat, Feldsalat, Erbsen, frühe Möhren, Rettich und Radieschen, die schon ab März im frostfreie Freiland ausgesät werden dürfen.

Wer zur Erntezeit Salatkopf- oder Kohlrabi-Schwemmen vermeiden und lieber nach und nach sein reifes Gemüse verzehren möchte, plant laut Empfehlung des Online-Gartenportals Hortipendium mehrere Pflanz- beziehungsweise Saattermine für kleine Mengen in 14-tägigem Abstand ein. Grundsätzlich sollten tief- und flachwurzelnde Pflanzen kombiniert und in Mischkultur aus Stark-, Mittel- und Schwachzehrern angebaut werden:

Ein Bund reife Möhren.
Damit Möhren so schön gerade wachsen, brauchen sie lockeren Boden. © Gisela Busch

Starkzehrer sind alle Kohlarten, Kohlrabi, Salat, Gurken, Tomaten, Lauch, Spinat und Endivien; sie brauchen wegen ihrer großen Blattmassen kräftige Düngung (Hornspäne im Kompost liefert Stickstoff) und viel Wasser.

Buchtipp: Grundlagenwissen für den Gemüseanbau

Grundlagenwissen über die wichtigsten Fragen des Gemüseanbaus vermittelt anhand etlicher Praxisbeispiele nicht nur für eine Saison dieses sehr anschaulich gestaltete Gartenlehrbuch von Joachim Mayer . Über die Bedeutung von Fachbegriffen wie Fruchtfolge, Fruchtwechsel und Mischkultur wird anhand von Beispielen leicht verständlich und mit zahlreichen Zeichnungen und Fotos aufgeklärt.

Eine Vielzahl von Anbauplänen für unterschiedliche Gartenflächen zwischen 20 und 500 Quadratmetern – von „Klein, aber fein“ bis zum fortgeschrittenen Selbstversorgergarten „Für passionierte Selbermacher“ – laden zur Umsetzung in der Praxis ein. Spannend auch, wie sinnvoll geplante Anbauflächen übers Jahr mit Vor-, Haupt- und Nachkulturen optimal genutzt werden können und das nur auf den ersten Blick kompliziert erscheinende Zusammenspiel ein- und mehrjähriger Gemüse und Kräuter in nur einem Beet gelingt.

Joachim Mayer: Gemüse-Anbauplanung, blv, 30 Euro.

Mittelzehrer sind alle Wurzelgemüse wie Möhren, Petersilie, Schwarzwurzeln, Radies und Rettich; nur wenig organischer Dünger ist nötig.

Schwachzehrer sind Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen sowie Zwiebeln, die Kalium als Nährstoff benötigen.

Junge Erbsentriebe kommen gerade aus der Erde.
Junge Erbsentriebe sind leider auch bei Vögeln sehr beliebt. © Gisela Busch

Um den Platz optimal zu nutzen, sollten Pflanzen mit langer Wachstumszeit (Zwiebeln, Kartoffeln, Kohlrabi, Karotten, Tomaten, Gurken) als Hauptkultur geplant werden. Schneller wachsende Pflanzen können vorher (Radieschen, Kopfsalat, Kresse, Spinat) oder nachher (Endivien, Chinakohl, Porree, Feldsalat) die Lücken im Beet nutzen.

Pflücksalat liebt Kohlrabi, Kopfkohl, Mais, Brokkoli, Erbsen und Karotten in der Nähe. Zucchini und Petersilie mag er nicht neben sich.
Pflücksalat liebt Kohlrabi, Kopfkohl, Mais, Brokkoli, Erbsen und Karotten in der Nähe. Zucchini und Petersilie mag er nicht neben sich. ©  Alfred Hofer/Panthermedia.net

Mischkultur schont den Boden und spart Platz im Beet

Gemüseanbau in Mischkultur verhindert nicht nur ein Auslaugen des Bodens, sondern ermöglicht auch eine optimale Ausnutzung der Gartenfläche, rät die Gartenakademie der LWG Bayern. Dazu bedecken Mischkulturen die Bodenoberfläche während der gesamten Vegetationszeit weitestgehend, sodass der Boden weniger austrocknet. Beispiele: Zwischen zwei Erbsenreihen passt eine Reihe Radies; zwischen Zuckermais, der von Mai bis Mitte September auf dem Beet steht, bleibt bis etwa Mitte Juni in den Zwischenreihen Platz für Spinat, der (unter Vliesschutz) schon Anfang März gesät und bis Mitte Mai geerntet werden kann. Im Winter können Gründüngerpflanzen wie Gelbsenf oder Ölrettich den fruchtbaren Boden schützen. Wichtig ist auch, dass die Wuchsformen der Gemüsearten beachtet werden: Wer dicken Knollensellerie oder Kohlrabi mit schlankem Porree kombiniert oder ausladenden Grünkohl mit Endiviensalat unterpflanzt, kann die Fläche optimal nutzen. Ob sich verschiedene Gemüsearten gegenseitig begünstigen, ist laut LWG schwer nachweisbar. Der oft empfohlene Mix von Zwiebeln und Möhren sei aber wegen unterschiedlicher Ansprüche an Nährstoff- und Wasserbedarf nicht sinnvoll.

Mais erobert den Hausgarten

Mais gehört zu den ältesten Kulturpflanzen und hat ab dem 16. Jahrhundert seinen Siegeszug als Nahrungsmittel um die Welt angetreten. Der in Witzenhausen/Werra-Meißner-Kreis ansässige Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), der sich um die Bewahrung der „Gemüsepflanze des Jahres 2021/2022“ und anderer Nutzpflanzen kümmert, empfiehlt Mais auch für den Anbau im Hausgarten.

Botanisch zählen Zuckermais und Gemüsemais botanischen Familie der Süßgräser (Poaceae). Dem VEN ist es ein Anliegen, die beachtliche Sortenvielfalt bekannter zu machen und sie zu bewahren. Mais wächst ab Mai unter fast allen klimatischen Bedingungen auf nährstoffreichen, humosen, schon erwärmten Böden an vollsonnigem Standort ohne Staunässe, eignet sich aber auch für eine Vorkultur ab April auf der Fensterbank.

Im Freiland werden die Pflanzen mit 30 Zentimeter Abstand in Reihen oder blockweise gepflanzt, damit sie sich in der Blüte besser gegenseitig bestäuben können. Später werden die Pflanzen etwas angehäufelt, damit die später sich entwickelnden Stützwurzeln guten Halt finden. Manche Sorten erreichen Höhen von bis zu drei Metern und darüber. Als gute Nachbarn für Mais gelten Gurken, Kartoffeln, Kürbis, Erbsen, Bohnen, Salat, Tomaten und Zucchini.

Den VEN-Info-Flyer gibt es zum Download hier.

Drei Fragen: Gemüsegarten auf Klimafolgen anpassen

Trockenere Sommer, Starkregenereignisse, ein verlängertes Gartenjahr. Wolfgang Roth von der Gartenberatung des Verbandes Wohneigentum zeigt Strategien, wie sich der Anbau im Gemüsegarten, bezogen auf die Klimafolgen, anpassen lässt.

Wolfgang Roth, Gartenberater beim Verband Wohneigentum.
Wolfgang Roth, Gartenberater beim Verband Wohneigentum. © privat

1. Was tun, wenn die Sommer trockener werden?

Man sollte Gemüsebeete rechtzeitig bestellen und auf frühe Arten setzen. So haben Blumenkohl und Kohlrabi, Erbsen sowie Puffbohnen, Rettich, Spinat, verschiedene Salate und Blattpetersilie ihre Wachstumsphase mit dem hohem Wasserbedarf bereits abgeschlossen, wenn der Boden trocken wird. Geeignet sind auch Gemüsearten mit tief reichenden Pfahlwurzeln wie Möhren, Pastinaken, Rote Rüben, Schwarzwurzeln oder Wurzelpetersilie.

2. Wie geht man sparsamer mit Wasser um?

Der sparsame Umgang mit Wasser wird immer wichtiger. Beispielsweise sollte Regenwasser gesammelt, versiegelte Flächen sollten wasserdurchlässig umgestaltet werden und wassersparende Bewässerungssysteme installiert werden. Nachhaltig und indirekt sehr wirkungsvoll sind auch Maßnahmen, die den Humusgehalt des Bodens erhöhen, denn Humus ist ein guter Wasserspeicher. Besonders nützlich ist diese Eigenschaft im Winter, weil überschüssige Niederschläge gespeichert werden und nicht in den Untergrund versickern und so verloren gehen. Mit Beginn der Wachstumsperiode steht dann das Wasser den Pflanzen zur Verfügung. Unerlässlich ist in Wassermangelzeiten auch das Einschränken der Verdunstung durch häufiges Lockern der Bodenkrume oder durch eine Mulchschicht.

3. Was hilft bei Starkregenereignissen?

Gegen Regengüsse mit großen Wassermassen ist ein vollständig bedeckter Boden der sicherste Schutz. Auf Beeten, die mit heranwachsenden Kulturen bepflanzt oder mit Gründüngung, die später untergegraben wird, bestellt sind, ist die Gefahr gering. Die größeren Lücken bei einer Neupflanzung können Sie übergangsweise mit einer Mulchschicht füllen. Bei frischen Aussaaten hält häufiges Hacken den Boden auch bei starkem Regen aufnahmebereit. Positiv daran ist, dass Starkregen die leere Wassertonne füllt. Mit einer hohen Speicherkapazität kann man dem misslichen Wetterereignis auch eine gute Seite abgewinnen.

(Von Gisela Busch)

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