Gartenberater Walther gibt Tipps zu Schädlingsabwehr und Sortenwahl bei Süß- und Sauerkirschen

Trend bei Kirschen geht zu frühen Früchtchen

Prall, rot und sehr saftig: Während Sauerkirschen (im Bild die beliebteste Sorte Schattenmorelle) sich besonders gut zum Backen und Entsaften eignen, schmecken Süßkirschen am besten frisch vom Baum.
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Prall, rot und sehr saftig: Während Sauerkirschen (im Bild die beliebteste Sorte Schattenmorelle) sich besonders gut zum Backen und Entsaften eignen, schmecken Süßkirschen am besten frisch vom Baum.

Die dicken roten Früchte zerplatzen beim darauf Beißen saftig-süß auf der Zunge, mit den Kernen lässt sich herrlich um die Wette spucken und dem Kuchen verleihen vorzugsweise die sauren Arten der Gattung Prunus das gewisse Etwas – Kirschen sind einfach unwiderstehlich.

Den Unterschied zwischen Süß- und Sauerkirsche macht dabei der unterschiedlich hohe Gehalt an Fruchtsäure aus. Während die süße Prunus avium (auch: Vogelkirsche) mit den Zuchtformen Herzkirsche (weichfleischig) und Knorpelkirsche (festfleischig) am liebsten roh gegessen wird, eignet sich die saure Prunus cerasus (auch: Weichselkirsche) gut zum Einkochen und Entsaften. Von beiden Kirscharten gibt es eine bunte Vielfalt von dunkelroten, fast schwarzen bis orangenen und gelben Sorten.

Eberhard Walther von der LLH-Gartenberatung in Kassel

Zum Glück für Hobbygärtner mit kleinem Grundstück gehören die bis zu zwanzig Meter hohen Süßkirsch-Riesen aus Omas Kindertagen zumeist der Vergangenheit an. Die süßesten Früchte sind zur Erntezeit längst nicht mehr nur den „großen Tieren“ vorbehalten, waghalsige Kletterpartien bis in die sonnigen Baumwipfel unnötig.

Zu verdanken ist dies der Veredelung von Kirschsorten auf niedrig wachsenden Unterlagen wie der hierzulande am häufigsten verwendeten „GiSelA 5“ – wobei der gedrungene und langsamere Wuchs einer üppigen Kirschenernte nicht entgegensteht, weiß Gartenberater Eberhard Walther von der Kasseler Gartenakademie des Landesverbandes Landwirtschaft Hessen (LLH).

Sehr ertragreich: die Süßkirsche Lapins aus Kanada.

Nicht nur wegen ihres geringeren Platzbedarfes und der unkomplizierteren Ernte liegen kleinwachsende Kirschbäume und vor allem früher reifende Sorten im Trend. Denn mit Früchten, die frühzeitig reif werden und geerntet werden können, ist man auf der sicheren Seite, wenn die Kirschfliegensaison beginnt.

Zu größten Sorge der gewerblichen Obstbauern ebenso wie der Hobbygärtner hat die hierzulande heimische Kirschfruchtfliege, die ab Mitte Mai bis Ende Juni aus ihren Puppen schlüpft und mittelspäte bis späte Kirschen befällt, unheilvolle Verstärkung bekommen: Die Kirschessigfliege, ein aus Südostasien stammender Schädling fühlt sich seit einigen Jahren in unserem zunehmend milden Klima pudelwohl und macht Kirschen und Beerenfrüchte binnen Tagen ungenießbar.

Im zurückliegenden nassen Sommer hätten beide Fliegenarten nicht nur den nordhessischen Obstbauern im Kirschenanbaugebiet Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) dramatische Ernteausfälle beschert, sagt Walther.

Wenn sich die Kirschen in ihrem Reifeprozess von Grün und zu Gelb verfärben, sei es daher im Hausgarten sinnvoll, den ganzen Kirschbaum (oder bei größeren Bäumen einzelne Äste) mit einem speziellen weißen Fliegenschutznetz (<0,8 mm Maschenweite) zu überziehen, damit die Fliegen die Früchte nicht erreichen können. Nach der Ernte wird das Netz wieder entfernt, dem Baum schadet die Verhüllung nicht. Foto: Gisela Busch

Info: Eine Liste mit Süß- und Sauerkirschsorten mit Angabe der Kirschwoche gibt es bei Wikipedia.

Dunkelrot: die mittelfrühe Knorpelkirsche Hedelfinger Riesenkirsche.

Auf GiSelA kommt’s an beim Kirschbaumkauf

Die wichtigste Nebensache beim Kirschbaumkauf in der Baumschule ist die Auswahl der Unterlage, auf welcher die gewünschte Süß- oder Sauerkirschensorte veredelt wurde. Wuchsfreudigkeit und spätere Baumhöhe sowie der Ertragsbeginn nach der Pflanzung hängen nämlichstark von ihr ab. „GiSelA 5“ (wie alle der insgesamt sechs Varianten aus wilden Zierkirschen gekreuzt) gilt derzeit als wichtigste, schwach wachsende (Höhe 3 bis 4 Meter) Kirschen-Unterlage für den Hausgarten. Wer einen größeren Baum wünscht, wählt als Unterlage GiSelA17. 

Ob süß oder sauer: Der Geschmack muss stimmen

Bei den Süßkirschen bedeutet eine frühe Blütezeit nicht unbedingt auch für eine frühe Reifezeit, sagt der Kasseler Gartenberater Eberhard Walther. Im Regelfall brauchen Kirschen etwa 55 Tage von der Blüte bis zur Ernte. Weil nur wenige, meist neuere Züchtungen selbstbefruchtend sind, also für hohe Erträge keine weiteren Artgenossen in der Nachbarschaft brauchen, empfehle es sich, gleich mehrere Kirschbäume in den Garten zu pflanzen. Walthers persönliche Favoriten bei den Süßkirschen (Prunus avium) sind diese Sorten:

Early Burlat: mittelfrühe Sorte mit großen, süßen, festfleischigen Früchten (Erntezeit: 2. Kirschwoche).

Celeste: mittelfrühe Neuzüchtung aus Kanada, süße, kräftig-rote Früchte (4.).

Süß, aromatisch und blassgelb: Dönissens Gelbe Knorpelkirsche ist eine besondere Erscheinung. Bei Vögel und Kirschfliegen ist sie deswegen auch weniger beliebt.

Lappins: mittelspäte, ertragreiche Knorpelkirsche mit knackig-karminroten, süßen Früchten (6.)

Empfehlenswert seien aber auch viele andere neue Sorten, die zum Teil selbstbefruchtend sind. Zum Beispiel:

Rita: sehr frühe Sorte mit mittelgroßen, dunkelroten Früchten (1.-2.)

Bellise: großfrüchtige, dunkelrote Knorpelkirsche mit hohen Erträgen (2.).

Sabrina: Großfruchtige Sorte mit sehr großen, mittelfesten Früchten (5.-6.)

Satin: mittelfrühe Sorte mit sehr großen, dunkelrot glänzenden Früchten und hohem Ertrag (4.)

Bei den Sauerkirschen (Prunus cerasus) steht die altehrwürdige „Schattenmorelle“ trotz ihrer Krankheitsanfälligkeit für Monilia-Spitzendürre unverändert hoch im Kurs. Die spätreife, selbstbefruchtende Sorte liefert hohe Erträge, ist anspruchslos und verträgt auch Schattenlagen. Neuerdings sorgen jedoch vielversprechende „Edelsteine“ für Aufsehen: Die Sauerkirschsorten „Safir“, „Jade“ und „Achat“ liefern bereits nach wenigen Standjahren beachtliche Erträge und große Früchte. Bestnoten nicht nur in Sachen Ertrag, sondern auch noch beim Geschmack heimst in Fachkreisen die „Ungarische Traubige“ ein, die – für eine Sauerkirsche“ – sehr süß schmeckt.

Orangerote mittelspäte Süßkirsche: Büttners Rote Knorpelkirsche, auch bekannt als „Witzenhäuser Königskirsche“, eine der ältesten deutschen Kirschsorten.

Kirschfliegen im Obst - was tun?

Schädlinge, wie Kirschfruchtfliege und Kirschessigfliege dezimieren in den letzten Jahren zunehmend die Ernteerträge bei Süßkirschen, befallen aber auch Sauerkirschen und anderes Beerenobst. Die Larven beider Insekten, weiße Maden, die mit chemischen Mitteln nicht bekämpft werden können, fressen sich durchs Fruchtfleisch.

Bei Befall mit der heimischen Kirschfruchtfliege ab Mitte Mai empfiehlt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen neben klebrigen Gelbtafeln und feinmaschigen Fliegenschutznetzen als wichtigste und wirksamste Maßnahme die Dezimierung der Puppenzahl. Dazu sollte Folie unter dem Baum ausgelegt werden. Entsorgt man die herabgefallenen Larven und Kirschen regelmäßig im Müll, kann die Zahl der Puppen, die den Boden erreichen (und damit die der Fliegen des nächsten Jahres) deutlich reduziert werden. Allerdings wird der Effekt wegen der Langlebigkeit der Puppen erst nach zwei bis drei Jahren deutlich. Übrigens: Hervorragende Helfer bei der Vernichtung von Larven und Puppen sind übrigens Hühner. Sie picken nicht nur herabfallende Larven – mit und ohne Kirsche – auf, sondern scharren auch Puppen aus dem Boden.

Problematischer ist ein Befall mit der in Deutschland seit 2011 bekannten, mit südostasiatischen Importfrüchten eingeschleppten Kirschessigfliege, die ihre Eier nicht nur in reife Kirschen, sondern viele andere weichschalige Früchte legt. Mildes Winterklima und (wie im Jahr 2021) sehr nasse Sommer sind für den Schädling perfekt. Mit Lockfallen (Apfelessig und Wasser im Verhältnis 50:50 gemischt und mit einem Spritzer Spülmittel versetzt) lässt sich ein Befall nachweisen. Fliegenschutznetze helfen, vor allem wegen der rasanten Generationsfolge(bis acht im Jahr) nur begrenzt. Vorbeugend hilft ein naturnaher Garten, in dem sich die natürlichen Fressfeinde der Fliegen – Vögel, Schlupfwespen, Ohrwürmer, Spinnen und Ameisen – wohlfühlen. Mehr Infos dazu unter lwk-niedersachsen.de

Die Kirschwochen

Die Reife der Kirschen ist in sogenannte „Kirschwochen“ unterteilt, die jeweils 15 Tage dauern. Das System hat einst der Kirschpomologe Christian Truchseß von Wetzhausen zu Bettenburg (1755 bis 1826) erdacht und für Deutschland verbindlich festgelegt. Die Süßkirschensorte „Früheste der Mark“ (Speyrer Maikirsche), mit ihrer Reifezeit um den 1. Mai herum (damals die am frühesten reifende Kirsche), wurde als Ausgangspunkt für die Einteilung genommen. Ursprünglich wurde in sieben Kirschwochen unterschieden. Wegen des inzwischen stark vergrößerten Sortiments an Züchtungen unterscheidet man heute bis zu zwölf Kirschwochen (Erntezeitraum von Mai bis Oktober), wobei dies nur Anhaltspunkte sind und es große regionale Unterschiede gibt.

(Von Gisela Busch)

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