Von Sonne bis Schatten

Clematis: So pflanzen und pflegen Sie die vielseitige Kletterpflanze richtig

Violetter Pompom mit weißem Herz: Die stark gefüllten Blüten der Clematis-Hybride „Multiblue“ sind nicht zu übersehen.
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Violetter Pompom mit weißem Herz: Die stark gefüllten Blüten der Clematis-Hybride „Multiblue“ sind nicht zu übersehen.

Besonders für den Garten geeignet: Die vielseitige Clematis. Mit diesen Tipps und Tricks pflegen Sie die Kletterpflanze richtig.

Kassel - Als pfiffiger Klettermaxe mit einem unglaublich vielfältigen Spektrum an Blütenformen und -farben erobert die Waldrebe, besser bekannt unter ihrem botanischen Namen „Clematis“, im Handumdrehen nicht nur Mauern, Rankgerüste und sogar Bäume, sondern auch alle Herzen. „Kaum eine Gartenblume ist so vielseitig und für alle Gartenbereiche geeignet“, schwärmt der Clematis-Gärtner und -Züchter Friedrich Manfred Westphal aus Prisdorf im schleswig-holsteinischen Landkreis Pinneberg.

Seine Spezialgärtnerei hat über 400 Sorten im Angebot, die mit ganz unterschiedlichen Wuchseigenschaften und Blütezeiten vielseitige Akzente überall im Garten setzen können.

Friedrich Manfred Westphal - Clematis-Experte.

Tipps für den Garten: Clematis als vielseitiger Kletterer

Clematis können ganz klassisch als Solisten Rankhilfen erobern, aber auch als unaufdringliche Begleiterinnen fungieren. Gehölze wie Rhododendron, Forsythie, Korkenzieherhaselnuss und immergrüne Koniferen sowie Laubgehölze gewinnen durch die Gesellschaft einer blühfreudigen Clematis ganzjährig an Attraktivität, wobei Kletterpflanze und Gehölz nebeneinander, nicht ineinander gepflanzt werden sollten, sagt Westphal.

Als Begleitstauden im Rosenbeet eignen sich besonders die staudig wachsenden Sorten der Clematis integrifolia. Sie geben eine blühende Zugabe, wenn die Rosen ihren großen Auftritt hinter sich haben oder eine Blühpause einlegen.

Pretty in pink: Clematis „Piilus“.

Tipps fürs Einpflanzen im Garten: Das sollten Sie beim Kauf beachten

Schon beim Kauf sollte man darauf achten, dass die Pflanze gut bewurzelt ist und keine Blattflecken aufweist. „Je stärker die Triebe sind, desto besser ist die Pflanze. Sie sollten zudem fest am Stab fixiert sein und nicht lose herumhängen“, rät der Experte. Das späte Frühjahr, wenn sich der Boden erwärmt hat (14 bis 22 Grad sind optimal zur Wurzelbildung) und der Spätsommer gelten als beste Pflanzzeitpunkte.

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Je nach Standortwunsch (Sonne oder (Halb)schatten; Freiland oder Kübel) und Bodenbedingungen vor Ort sollte man sich im Gartenfachhandel bei der Wahl der passenden Sorte beraten lassen. Statt spontan im Gartencenter eine Clematis zu erwerben, weil diese gerade so günstig ist oder hübsch blüht, ist es laut Westphal sinnvoller, zunächst im Garten nachzusehen, wo mehr Blütenfülle gewünscht sei und dann gezielt die passende Sorte zu erwerben.

Rotes Glöckchen: Clematis „Peveril Peach“.

Garten-Tipps: Humusreiche Erde ist optimal

Das Pflanzloch ist mit einem „guten Spatenstich“ groß genug. Optimal ist humusreiche und gut durchlässige Erde. Dichter Lehmboden kann mit Humus oder hochwertiger Blumenerde verbessert werden. Beim Einsetzen dürfen die zarten Triebe nicht abgeknickt werden.

Auf Staunässe reagieren die ursprünglich aus den aus kargen Gebirgsregionen Asiens und Südeuropa stammenden Clematis wie viele andere Gartenpflanzen sehr empfindlich. Gedüngt wird zum ersten Mal drei bis vier Wochen nach der Pflanzung. Gute Nährstoff- und Wasserversorgung ist vor allem während der ersten beiden Jahre wichtig, dann ist die Kletterpflanze „erwachsen“ und hat sich an ihrem Platz etabliert.

Reinweiß: Clematis Baby Star „Zobast“.

Clematis: Mythos der „Fußpflanze“ hält sich nach wie vor

Nicht nur was den Schnitt betrifft, gelten für die modernen Clematissorten inzwischen andere Regeln als früher. „Völlig überholt“ sei das in Gartenkreisen immer noch hartnäckig verbreitete Märchen von der „Fußpflanze“. „Dieser alte Mythos ist falsch und wird dennoch immer wieder zitiert“, bedauert der Clematis-Experte.

Fußpflanzen bescherten der Clematis beim Anwachsen nur völlig unnötige Wurzelkonkurrenz. „Seit Jahrzehnten arbeite ich daran, diesen Irrglauben aus den Köpfen der Menschen zu bekommen“, sagt Westphal. Bei keiner anderen Pflanze käme jemand auf die Idee, die Konkurrenz gleich mit einzupflanzen.

Glutrot und gefüllt blühend: Die bezaubernde Clematis „Red Star“.

Clematis gilt als langlebige Gartenpflanze - sogar im Winter

Mit wenigen Ausnahmen (etwa den im Winter blühenden immergrünen Clematis) sind die langlebigen Gartenpflanzen absolut winterhart und brauchen keinen Schutz. Wasser- oder Nährstoffmangel können dazu führen, dass die Clematis in ihrer Blühfreude nachlässt. Wurde zum Beispiel der Rückschnitt nicht tief genug ausgeführt, können die Triebe dünn und kraftlos werden.

Eine der gefürchtetsten Krankheiten, die Clematiswelke, wird von pilzlichen Erregern verursacht. Allerdings gibt es Züchtungen, die dafür kaum noch anfällig sind. Anzeichen für Befall sind Flecken an den unteren Blättern, die sich vergrößern, bis das ganze Blatt zerstört ist, erklärt Westphal. Infizierte Pflanzenteile müssten abgeschnitten und im Hausmüll entsorgt werden. Fungizide wirken leider nicht gegen alle Verursacherpilze.

Garten-Tipps: Ein luftiger Standort ist wichtig

Beste Vorbeugung gegen Welke wie auch Mehltau ist ein sonniger und luftiger Standort mit humos-lockerem Boden („waldähnlich“, so wie es die Waldrebe mag). Bodenmüdigkeit sei für die Kletterpflanze auch nach Jahrzehnten kein Thema, die Pflanze kann also am gleichen Standort problemlos ersetzt werden – falls dies angesichts der für Stauden „biblischen“ Lebenserwartung überhaupt nötig sein sollte. Clematis können unter guten Bedingungen 70 bis 140 Jahre alt werden. Nur die immergrünen Arten, die aus Neuseeland stammen, sind mit etwa 20 Jahren Lebenserwartung weniger ausdauernd.

Ihre europaweite Beliebtheit hat die Clematis zwei Engländern zu verdanken: Vater und Sohn George Jackman verhalfen mit ihrer 1858 gezüchteten großblumigen „C. x Jackmanii“ der in England längst grassierenden Clematis-Begeisterung auch auf dem Kontinent zum Durchbruch.

Info: Viele Pflanz- und Pflegetipps rund um die Clematis gibt’s unter clematis-westphal.de

Die Clematis-Familie

Die Pflanzengattung Clematis umfasst rund 300 verschiedene Arten. Ihre Einteilung in Familien erleichtert das Verständnis dafür, welche Pflanze an welchem Platz im Garten gut aufgehoben ist und wie sie gepflegt wird.

  • Clematis-Hybriden: Einmal blühende Arten (große Blüten ab Mitte Juni, Halbschatten/Sonne, humusreicher Boden, Höhen bis zu 3,50 Meter, erhöhter Wasser- und Nährstoffbedarf) und zweimal blühende Arten, ungefüllt und gefüllt blühend ab Mitte Mai und noch mal ab Juli, Halbschatten bis Schatten, mäßig wüchsig bis zwei Meter (gut für Kübel geeignet).
  • Clematis alpina und macropetala: Blüht zwei Mal ab April und im Spätsommer, sehr robust, winterhart und trockenheitsresistent, staunässeempfindlich, erreicht zwei bis drei Meter Höhe und rankt gern waagerecht an Zäunen und in Hecken).
  • Clematis montana und chrysocoma: Blüht einmal und sehr üppig im Mai/Juni, stark wüchsig, erreicht 10 bis 20 Meter Höhe, erobert schnell Pergolen und Bäume. Ideal ist die Kombination mit einer früher oder später blühenden, anderen Clematis-Sorte.
  • Stauden-Clematis integrifolia: Hauptblütezeit Juni-September, duftend, viele Blüten- und Blattformen, staudig wachsend und im Winter einziehend, frosthart, klettert nicht und braucht teils Rankhilfe, toller Rosenbegleiter.
  • Clematis viticella (auch „italienische Waldrebe“): lange, üppige Blütezeit von Juni bis September, alle Standorte von Schatten bis Sonne, toller Kletterrosenbegleiter, kaum krankheitsanfällig.
  • Clematis texensis und viorna: Glockenförmige Blüten von Juni-Oktober, friert im Winter meist zurück, liebt volle Sonne, bis zwei Meter Höhe, botanische Arten niedriger, hübsche Samenstände.
  • Clematis orientalis und tangutica: Blüten glocken- oder kugelförmig von Juni/Juli bis Oktober, silbergraue Samenstände, extrem winterhart, keine Krankheitsanfälligkeit.
  • Clematis vitalba: Blüht immer cremeweiß von Juni bis Oktober, stark wüchsig bis über 10 Meter, alle Standorte, extrem robust.
  • Immergrüne Clematis: Blüht im Frühjahr, hierzulande nur bedingt winterhart, im Kübel kühl und hell überwintern.
Dunkelviolett: Clematis „The President“.

Tipps für den Garten: So schneiden Sie die Kletterpflanze richtig

Wie die meisten Stauden profitieren auch Kletterpflanzen wie die Clematis vom Rückschnitt, der Neuaustrieb und Blütenbildung fördert. Um in der Großfamilie der Waldreben mit ihren unterschiedlichen Arten nicht den Überblick zu verlieren, unterscheidet man drei Schnittgruppen, die sich am Wuchs- und Blühverhalten orientieren.

  • Schnittgruppe 1: Dazu gehören die im zeitigen Frühjahr blühenden Arten Clematis alpina, C. macropetala, (sowie weitere aus der Atragene-Gruppe), C. montana und heimische Wildarten, die „am vorjährigen Holz“ blühen. Bei diesen Sorten werden einzelne Triebe nur nach Bedarf (Platzgründe, Vergreisen oder Verholzung) nach der Blüte im Mai/Juni leicht eingekürzt. Den Pflanzen bleibt dann genug Zeit, um wieder Knospen für das nächste Jahr anzulegen.
  • Schnittgruppe 2: Dazu gehören alle früh blühenden Hybriden und viele gefüllte Clematis, die zweimal im Jahr (Mai/Juni und August/September) blühen. Diese werden jährlich im November/Dezember leicht, also etwa auf die Hälfte aller Triebe, zurückgeschnitten. Typisch für diese Sorten ist der reiche Fruchtansatz nach der ersten Blüte, den man entfernen sollte. Durch dieses „Ausputzen“ wachsen viel schneller neue Triebe nach, an denen sich etwa sechs Wochen später der zweite Blütenflor zeigt.
  • Schnittgruppe 3: Alle Stauden-Clematis sowie einmalblühende, großblumige Hybriden (zum Beispiel die alte englische Sorte “Clematis x jackmanii“) sowie alle Sorten von C. viticella und C. texensis, die ausschließlich erst im Sommer blühen, sollten jährlich im November/Dezember bodennah (auf 20 bis 50 Zentimeter) zurückgeschnitten werden, da sie sonst von unter her verkahlen. Alle diese Arten und Sorten bilden jährlich neue Langtriebe aus, an denen sich Massen von Blüten bilden.

Gut zu merken ist diese Faustregel von Manfred Westphal: „Je später die Blüte, desto tiefer der Rückschnitt“. Wer kein Pflanzennamenschild mehr hat, beobachtet die Blüte: Gruppe 2 bedeutet frühe Blüte ab Mitte Mai/Anfang Juni; Gruppe 3 bedeutet spätere Blüte ab Mitte/Ende Juni. Alle Arten, deren Blüte erst nach dem 10. Juni beginnt, werden also tief zurückgeschnitten. (Gisela Busch)

Wer nicht nur seinen Garten, sondern auch den Balkon mit Pflanzen aufpeppen will, sollte einige Fehler vermeiden. Denn nicht jede Pflanze gehört auf den Balkon.

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