Gärtnerin Andrea Kölzer gibt Tipps zum Säen, Pflanzen und Bodenverbessern

Im August geht noch was im Gemüsebeet

Hat auch im Spätsommer noch Saison: Pflücksalat frisch aus dem Garten. Wer jetzt die freien Lücken im Gemüsebeet für letzte Aussaaten nutzt, kann schon bald wieder ernten.
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Hat auch im Spätsommer noch Saison: Pflücksalat frisch aus dem Garten.

Selbstversorgung mit eigenem Obst und Gemüse aus dem Garten oder vom Balkon liegt in Folge der Cororakrise im Trend wie seit langem nicht. Neben Salat, Erbsen und Radieschen reifte bei vielen Menschen auch die Erkenntnis, dass gesundes Grünzeug Marke Eigenbau vielleicht nicht immer so perfekt aussieht wie jenes im Supermarktregal, dafür aber jederzeit verfügbar ist und ganz besonders schmeckt.

Während sich im Frühjahr die Pflanzungen und Aussaaten geradezu drängelten und man manchmal mit der Arbeit nicht nachkam, ist jetzt Zeit, den Garten zu genießen, aber auch dem Boden etwas Gutes zu tun. Viele Salate und Gemüsesorten aus dem Frühjahrsanbau sind schon abgeerntet – höchste Zeit, also, noch ein paar spätherbstliche oder frühwinterliche Freuden auszusäen oder noch das ein oder andere Wintergemüse auszuprobieren. „Es geht noch ganz viel im Juli und August“, macht Gärtnerin und Landschaftsplanerin Dr. Andrea Kölzer vom Pflanzenhof in Kassel-Nordshausen Mut zum Experimentieren und erklärt, wie man die Lücken in den Beeten auffüllt.

Gemüseexpertin Dr. Andrea Kölzer vom Pflanzenhof in Kassel-Nordshausen.

Gemüse zum Aussäen

Vor allem bei Salaten, Radieschen, Rüben und Möhren klappt eine zweite Kultur problemlos. Feldsalat (auchNüsschen oder Rapunzel genannt), kann bis Mitte September breitwürfig oder in Reihen (da hackt es sich leichter in den 15-cm-Zwischenräumen) ausgesät werden, erklärt die Expertin. Der winterharte Salat braucht kühlere Temperaturen unter 20 Grad zum Keimen und kann noch im Herbst geerntet werden, spätere Aussaaten sind dann im Frühjahr erntereif. Kölzer empfiehlt bewärte Sorten wie „Dunkelgrüner Vollherziger“, „Verte de Cambrai“, „Holländischer Breitblättriger“ und „Etampes“. Bis Mitte August kann man Kopfsalat säen, der zu den Lichtkeimern gehört und und nur dünn mit Erde bedeckt werden darf. Ist es zu warm, geht die Saat nicht auf. Kölzer rät zu späten Sorten wie „Larissa“, „Merveille des Quartes Saisons“ und „Maiwunder“. Beim krausen Pflücksalat „Gelber Krauser“ (Aussaat bis Mitte August) hat die Gärtnerin beobachtet, dass sich einzelne Pflanzen, wenn man sie schießen und blühen lässt, selbst versamen: „Diese jungen Pflänzchen kommen erstaunlich gut durch den Winter.“ Im Trend liegt auch rasch wüchsiges Asiatisches Blattgemüse mit teils scharfem Aroma wie „Amchoi Red Giant“, Komatsuna Green Boy“, „Moutarde Roude Metis“, Grenn Wave“ und „Mizuna Early Green“ (Aussaat bis August beziehungweise September je nach Sorte). Asia-Gemüse dürfen als Lichtkeimer ebenfalls nur dünn mit Erde bedeckt werden. Zum Keimen schätzen sie gemäßigte Temperaturen.

Ein Klassiker bei der Spätsommer-Aussaat ist der Spinat (Aussaat von Ende August bis Mitte September für Herbsternte oder bis Oktober für Winter- oder Frühjahrsernte). Er muss als Dunkelkeimer gut mit Erde bedeckt werden. Gut geeignet sind Sorten wie „Matador“ mit großem, dunkelgrünen Blatt und „Winterriesen Verdil“, der kräftige Rosetten bildet.

Ganzjährig sind Radieschen unverzichtbar im Gemüsegarten: Je nach Sorte wird bis August oder Anfang September in Reihen flach ausgesät. „Ich habe besonders gute Erfahrungen mit den Sorten „Sora“, „Radis de 18 Jours“, „French Breakfast 2“, „Rude und „Eiszapfen“ gemacht“, rät die Gärtnerin. Auch Rettich („Runder schwarzer Winter“ und „Runder weißer Winter“) gelingt noch bis Anfang August im Freiland, ebenso Mairüben (auch Navets oder „Teltower Rübchen“ genannt“), wachsen bei Aussaat bis August noch in nur acht Wochen zur Ernte heran. Gute Sorten sind goldgelbe „Navets ‘Petrowski’“ und weiß-violette „Mairüben ‘Di Milano a colletto viola’“. Bei Möhren, die man bis Anfang August aussät, empfiehlt Kölzer frühe Sorten wie „Duwicker“ und „Pariser Markt“, die zwar nicht mehr so groß werden wie bei der Frühjahrsaussaat, aber dafür schneller wachsen. Sogar mit Fenchel kann man (bis Anfang August gesät) noch Glück haben. Speziell für den Herbstanbau eignen sich „Doux de Florence“ und „Géant Mammouth perfection“. Frische Kräuter wie Petersilie, Rucola, Blattkoriander, Schnittknoblauch und Winterheckenzwiebel können jetzt ebenfalls (bis August) nachgesät werden.

Gemüse zum Pflanzen

Auch wenn das Angebot nicht mehr so üppig ist wie im Frühjahr, bietet der Gartenfachhandel auch jetzt noch einige vorgezogene Salat- und Gemüsepflanzen. Kopf- und Pflücksalate sind teils ebenso noch erhältlich wie Eissalat, Chicorée, Zuckerhut und Radicchio.

Beim Kohl ist es für Aussaaten schon etwas spät, aber vorgezogene Pflanzen von Blumenkohl („Odysseus“ und „Neckarperle“), Brokkoli („Calinaro“ und „Ramoso Calabrese“) und Weißkohl („Eerteling“) können jetzt noch problemlos ins Beet. Auch hier sollte man auf frühe Sorten achten – die haben nämlich eine kürzere Entwicklungszeit. „Wir wollen ja noch etwas ernten, bevor vielleicht doch noch mal ein heftiger Winter kommt,“ sagt Kölzer. Winterkohlarten wie Grünkohl, Palmkohl und Rosenkohl hätten dagegen eine lange Entwicklungsdauer und sollten daher, wie Rotkohl und Wirsing, die im August schon gut verwurzelt in den Beeten stehen. Beim Kohlrabi lohnt ein Versuch mit „Azur Star“, „Lanro“ oder „Blaro“ (Pflanzen bis Mitte August).

Gründüngung

„Die Natur hat keinen offenen, also unbewachsenen Boden vorgesehen“, sagt die Expertin. Wer zwar nichts mehr ernten, seinem Gartenboden aber etwas Gutes tun möchte, kann jetzt Gründünger aussäen. Diese Pflanzen schützen vor Austrocknung und Erosion, unterdrücken Unkraut und lockern mit ihrem tief reichenden Wurzelsystem selbst schwere, verdichtete Böden bis in tiefe Schichten auf, sodass herbstliches Umgraben überflüssig wird. Eine perfekte Gründüngerpflanze, die nicht mit anderen Kulturpflanzen verwandt ist, ist die „Phacelia“ – mit ihren duftenden blauen Blüten zudem eine tolle Bienenweide. Bis Anfang September ausgesät, keimt sie in ein bis zwei Wochen und friert, wenn sie nicht nach Blühbeginn gemäht wird, beim ersten Frost ab. Pflanzenreste können direkt untergraben, kompostiert oder als schützender Mulch auf dem Boden belassen und erst im Frühjahr eingearbeitet werden.

Bei Gründüngungspflanzen sei es grundsätzlich wichtig, so betont Kölzer, in der Fruchtfolge auf unterschiedliche Pflanzenfamilien zu achten. Verwendet man etwa Hülsenfrüchtler (Leguminosen) wie Saatwicke oder Serradella, beides Stickstoffsammler, sollten in den folgenden zwei Jahren im selben Beet keine Bohnen oder Erbsen angebaut werden.

pflanzen-hof.de

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