Ihrem federleichten Charme können sich Staudenfreunde kaum entziehen

Das Schweben der Wiesenraute über dem Beet

Perfektes Paar: Die zartlila Blüten der Wiesenraute (Thalictrum delavayi) tanzen zwischen den grünen Stängeln der Wolfsmilch (Euphorbia), und lehnen sich bei ihnen zugleich ein bisschen an.
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Perfektes Paar: Die zartlila Blüten der Wiesenraute (Thalictrum delavayi) tanzen zwischen den grünen Stängeln der Wolfsmilch (Euphorbia), und lehnen sich bei ihnen zugleich ein bisschen an.

Luftig, leicht, federgleich, grazil – bei der Wiesenraute können einem schnell die poetischen Adjektive ausgehen, wenn es darum geht, die Anmutung der Blüten treffend zu beschreiben. Auch Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sind ihrem Charme beziehungsweise den Pollen verfallen – Gründe genug also, um beim nächsten Pflanzenmarkt oder online nach den „schwebenden“ Blüten Ausschau zu halten.

Bei gut sortierten Staudenanbietern sollte man Glück haben, denn das zerbrechlich wirkende aber pflegerisch anspruchslose Geschöpf namens „Thalic-trum“ ist wahrlich (noch) keine Trendpflanze und hierzulande in Beeten und Kübeln eher selten anzutreffen.

Jörg Pfenningschmidt ist Gartendesigner in Hamburg.

Einer, der das Potenzial der ebenso grazilen wie hochaufragenden Staude für die Gestaltung naturnaher Staudenpflanzungen längst erkannt hat, ist der Gartendesigner Jörg Pfenningschmidt aus Hamburg. Neben der einzigen heimischen Art, der Akeleiblättrigen Wiesenraute, setzt er vor allem auf die langstieligen Verwandten aus Fernost, etwa die Chinesische Wiesenraute (Thalictrum delavayi, T. flavum und die Hybride „Elin“), die allesamt stattliche Höhen bis zu zwei Metern erreichen können.

Plustert sich cremeweiß auf: Thalictrum Hybride „Elin“ mit dekorativem, dunkelgrünem Laub.

Mit den winterharten, aber teils etwas „anlehnungsbedürftigen“ Pflanzen, die selbst wenig Raum beanspruchen und Nachbarstauden niemals verdrängen, lassen sich – in Gesellschaft von gern standfester Gesellschaft – betörend schöne Effekte erzielen: Da umgarnen Wiesenrauten unaufdringlich Flammenblume (Phlox), Sommer-Eisenhut (Aconitum napellus) und Prachtspiere (Astilbe), mit denen sie glücklicherweise auch die Standortansprüche teilen. Oder sie schweben scheinbar schwerelos hoch oben über Purpurglöckchen (Heuchera), Sonnenhut (Echinacea) und Storchschnabel (Geranium). Für den von dem Landschaftsgärtner Piet Oudolf begründeten Trend zu naturnahen Kompositionen aus Gräsern, Stauden und Wildblumen sei die Wiesenraute mit ihren zarten Pastellfarben von Weiß über Rosa und Violett bis Gelb eine wunderbare Ergänzung, sagt Pfenningschmidt. Nur sollte das Beet groß genug sein, damit das tausendfache Blütenflirren auch üppig zur Geltung kommt.

Neben dem Blütenflor ist auch das Laub eine Zierde: meist tiefgrün (T. „Elin“), aber auch silbergrau-mediterran (T. flavum) – und dem der Akelei zum Verwechseln ähnlich, aber botanisch nicht verwandt. Idealerweise braucht die Staude einen feucht-halbschattigen Standort, nur die gelben Sorten vertragen auch mehr Sonne, wenn die Bodenfeuchtigkeit stimmt.

Viele Arten und Sorten in zarten Pastellfarben

Zarte Farben geben bei der Wiesenraute den Ton an. Einzige einheimische Art ist die Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium), die etwa einen Meter hoch wird und schon ab Juni in pastelligen Rosa- und Violetttönen blüht. Sie benötigt wie die meisten Arten humusreichen, nicht zu trockenen Boden und einen halbschattigen Platz. Deutlich mehr Sonne vertragen die Chinesischen Wiesenrauten (Thalictrum delavayi), die bis zu zwei Meter Höhe erreichen können und vor allem in Rosaviolett blühen. Ein Hingucker ist die reinweiße T. delavayi „Album“.

Filigrane Blütenwolken trägt die akeleiblättrige Wiesenraute Thalictrum aquilegifolium „Black stockings“.

Die einzige gefüllte Sorte ist Thalictrum delavayi „Hewitts double“, die pupurviolett blüht und wegen ihrer mäßigen Standfestigkeit unbedingt stützende Begleiter zum Anlehnen braucht. Sie ist nur mäßig winterhart.

Mit mediterraner Laubfarbe bezaubert die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum ssp. flavum), eine echte Sonnenanbeterin, die 1,50 Meter erreicht und auch mit mehr Sonne klarkommt, wenn das Bodenklima stimmt. In hellerem Gelb flirren die Blüten der ebenfalls silberlaubigen Flavium-Sorte „Tukker princess“ in zwei Metern Höhe über dem Beet.

Ihr silbrig-dunkelgrünes Laub macht die Thalictrum-Hybride „Elin“, deren rosa Knospen sich zu fluffigen weißen Blütenwolken öffnen, zu einer ebenso aparten wie stattlichen Erscheinung auch außerhalb der Blütezeit. Trotz der imposanten Größe von bis zu zwei Metern gilt sie als sehr standfest. Ebenfalls eine Hybrid-Züchtung ist Thalictrum Hybride „Black stockings“ mit ihren purpurrosa Blütenkügelchen und den dunklen Stängeln, die bis zu 80 Zentimeter erreichen. Die Prächtige Wiesenraute Thalictrum rochebruneanum macht ihrem Namen alle Ehre: Ihre Rispen voller hellvioletter Blüten mit gelben Staubgefäßen kommen am besten vor einem dunkellaubigen Hintergrund zur Geltung.

Für Pflanzgefäße eignen sich Zwerg-Wiesenrauten wie Thalictrum kiusianum, die nur 15 Zentimeter groß werden und in rauen Lagen einen Winterschutz brauchen. gis

Mehr Info: Eine große Auswahl an Wiesenrauten bietet auch die Staudengärtnerei Gaissmayer, Illertissen, in ihrem E-Shop.

(Gisela Busch)

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