Von Aroniabeeren bis Zierquitten: Die Natur hat den Tisch reich gedeckt

Wildobst: Der Herbst trägt süße und saure Früchtchen

Reif schmecken sie sehr süß: Felsenbirnen.
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Reif schmecken sie sehr süß: Felsenbirnen.

Wildfrüchte sind meistens klein, schmecken nicht immer süß, sondern manchmal richtig sauer oder sogar herb – also ganz und gar nicht wie das perfekte Obst aus dem Supermarkt. Doch gerade wegen dieser geschmacklichen Ungezähmtheit und ihres vielfach hohen Vitamingehaltes lohnt es sich, sie zu entdecken.

Duften herrlich, sind aber steinhart: Zierquitten.

Manche Wildfrüchte zergehen auf der Zunge, andere möchten erst in der Küche um Geschmacksentfaltung gebeten werden. Mispeln, Holunder, Schlehen, Ebereschen und Fruchtrosen werden seit Jahrhunderten wegen ihrer wertvollen Inhaltsstoffe in alten Kloster- und Bauerngärten kultiviert und verarbeitet. Allesamt zeichnet sie aus, dass sie züchterisch kaum oder gar nicht bearbeitet wurden.

Brauchen Frost, um Süße zu entwickeln: Schlehen.

Gärtnerische Vorzüge

Die gärtnerischen Vorzüge der Frucht- und Beerengehölze kann man, so weiß Eberhard Walther, Versuchsleiter Obstbau beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), aus langjähriger Erfahrung gar nicht genug loben. Mit Holunder als Ergänzungsfrucht zum Kirschenanbau würden einige landwirtschaftliche Betriebe in Nordhessen seit Ende der 1980er-Jahre gute Erfahrungen machen. Mit Apfelbeeren etwa werde in Witzenhausen aktuell weiter experimentiert.

Süßsäuerlich im Geschmack: Kornelkirschen.

Ideal für den Garten seien Wildobst-Arten als Hecken mit ihrem über das Jahr sehr abwechslungsreichem Erscheinungsbild oder als Solitärgehölze im Staudenbeet: „Sie tragen als Zierstrauch im Frühling einen tollen Blütenflor, gefallen im Sommer mit ihrem bunten Fruchtschmuck und beeindrucken je nach Art mit famos gefärbtem Herbstlaub.“ Von den kulinarischen Möglichkeiten als Naschobst oder Saft, Gelee, Konfitüre und Likör ganz zu schweigen. Die meisten Arten stellten zudem kaum gärtnerische Ansprüche an Boden und Klima, sagt Walther. Zudem müssten sich viel beschäftigte Gärtner keine Sorgen um ungeerntetes Obst machen, denn eine abwechslungsreiche Wildobst-Hecke sei für Gartenvögel und andere Tiere über das ganze Jahr hindurch der perfekte Unterschlupf und – spätestens wenn im Herbst die erste Beere knallrot am Strauch leuchtet – ein gefundenes Fressen. Empfehlenswerte Wildobst-Arten für den Garten sind:

Eberhard Walther, Obstbaumberater der LHH-Gartenakademie

Empfehlenswerte Wildobst-Arten:

Apfelbeere (Aronia melanocarpa), cremefarbene Blüten, blauschwarze, herbsüße Beeren (roh sehr sauer) für Marmeladen und Säfte.

Kornelkirsche (Cornus mas), frühe Bienenweide, rote, säuerliche und Vitamin-C-reiche, roh essbare Früchte. 

Zierquitte (Chaenomeles japonica), korallenrote Blüten und duftende, steinharte Früchte, nur gekocht zu verwenden für Saft und Gelees.

Apfelartige Früchte trägt der Azaroldorn.

Sanddorn (Hippophae rhamnoides), leuchtend orange, dekorative und äußerst vitaminreiche Beeren für Saft und Konfitüren.

Wildrose (Rosa rugosa), hübsche Rosenblüten im Mai, vitaminreiche Hagebuttenfrüchte für Tee, Saft, Marmeladen und Gelees.

Felsenbirne (Amelanchier), dekorativer Solitärstrauch mit sternförmigen, weißen Blüten im Frühjahr, apfelförmige Früchte, die roh essbar sind oder sich für Saft und Marmelade eignen.

Herbe Note: Apfelbeeren (Aronia). 

Mahonie (Mahonia aquifolium), wintergrüner Strauch mit glänzendem Laub, gelben Blüten, dunkelblauen Beeren. Roh essbar und für Saft und Likör.

Früchte der Rosen: Hagebutten.

Was ist Wildobst?

Wildobst oder Wildfrüchte sind gar nicht oder nur sehr wenig züchterisch veränderte Obstsorten, die frisch vom Strauch oder gekocht gegessen werden können. Am bekanntesten sind Holunder und Sanddorn. Auch die Früchte von Felsenbirne, Kornelkirsche, Maulbeere, Maibeere, Mini-Kiwi, Mispel und Wildrose stehen immer öfter auf dem Speiseplan. Manche Wildfrüchte wie Schlehen (Vorsicht, wuchert stark durch Wurzelausläufer) entwickeln ihre Fruchtsüße erst nach ein paar Frostnächten. Andere wie Holunder und Zierquitten sind roh giftig oder ungenießbar, können aber zu Likör, Marmelade oder Saft verarbeitet werden. Vor dem Verzehr sollte man sich unbedingt über die Art informieren. Infos über essbares Wildobst gibt es auf selbstversorger-tipps.de

Buchtipp: So kommt man auf den Wildobst-Geschmack

Ein gefundenes Fressen ist Wildobst für Vögel – selbiges gilt für das gleichnamige Buch und naturverbundene, experimentierfreudige Gartenfans. Bisher finden wir Holunder zwar im Hugo-Cocktail unverzichtbar, aber nicht unbedingt im Gartenbeet. Das könnte sich ändern, denn wer sich auf ungewohnte, anfangs vielleicht sogar gewöhnungsbedürftige Geschmackserlebnisse – auf dem Obstteller ebenso wie in der Marmeladen- und Saftküche – einlassen kann, den bringt die Journalistin Ina Sperl mit vielen gärtnerischen Praxistipps, 40 ebenso detaillierten wie liebevollen Pflanzenporträts und Rezepten auf den Wildobst-Geschmack. Je nach Gartentyp (Natur-, Küchen- oder Familiengarten) erfährt man zudem, wie naturnahe Pflanzideen vom Blumentopf bis zum Hausbaum sinnvoll umgesetzt werden und lernt dabei noch allerlei über die richtige Pflege der heimischen Wildnis. „Wildobst“ von Ina Sperl, Ulmer, 168 Seiten, 24,90 Euro.

(von Gisela Busch)

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