Was schmeckt welchem Insekt?

Die richtigen Blumen für Bienen: nah am Nest und ganz nach Geschmack

Eine Hummel labt sich an einem Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus Latifolia).
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Eine Hummel labt sich an einem blühenden Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus Latifolia).

Blütenpflanzen bieten für Bienen, Wildbienen, Schwebfliegen, Hummeln und andere Bestäuberinsekten lebensnotwendige Nahrung. Die muss allerdings erst einmal gefunden werden. Vor allem die solitär lebenden Wildbienen gelten dabei nicht gerade als Langstreckenflieger.

Wissenschaftler der Uni München haben im Vorjahr bei einer Studie über 2600 Wildbienen im Botanischen Garten Nymphenburg markiert und ihre Flugaktivität beobachtet. Aus den 450 Rückmeldungen errechneten die Biologen, dass die Flugdistanz der Weibchen auf Futtersuche zwischen 73 und 121 Meter weit lag – wobei kleinere Bienenarten wie erwartet weniger weit flogen, als größere. Staatenbildende Honigbienen legen da deutlich weitere Distanzen zurück, aber die müssen sich ja auch nicht um ihre Brut sorgen, die derweil im Nest von Abertausenden Geschwistern bewacht und versorgt wird.

Bienenblumenexpertin: Ute Ruttensperger

Umso wichtiger ist nach Auskunft von Ute Ruttensperger von der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Heidelberg daher ein vielfältiges Nahrungsangebot für Bestäuberinsekten wie Wildbienen in unmittelbarer Umgebung ihrer Nisthöhlen.

Bienenblumen

Als Bienenblumen gelten Blüten mit honigartigem Duft, deren Nektar maximal einen Zentimeter tief in der Blüte verborgen ist, sodass Bienen und Hummeln ihn, entsprechend ihrer Rüssellänge, gut erreichen können und dabei auch einen Sitzplatz finden. Viele Wildbienen sind dabei nicht wählerisch. Einige Arten sind jedoch auf bestimmte Pflanzengattungen spezialisiert. Auf die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia) haben es zum Beispiel die Schuppensandbienen und die Glockenblumen-Scherenbienen abgesehen, während die Knautien-Sandbiene Witwenblumen (Knautia) bevorzugt und die Zaun-Wicken-Sandbiene auf Platterbsen fliegt. Kurios: Kurzrüsselige Hummel-Arten können mit ihren Mundwerkzeugen die langen Kronröhren von Blüten wie Akelei, Rittersporn und Salbei anbeißen, um den Nektar tief am Boden zu erreichen. Damit „wildern“ sie sozusagen frech in Blüten, die eigentlich aufgrund ihrer Biologie für langrüsselige Hummeln vorgesehen sind.

Wespenblumen

Wespen bevorzugen Pflanzen mit scheibenförmigen, also leicht erreichbaren Nektarquellen wie Storchschnabel, Malven, Efeu und Wolfsmilch. Der Geruch spielt dabei keine Rolle.

Käferblumen

Fruchtiger Blütenduft (aber auch Aas-Geruch) lockt Käfer an. Sie bevorzugen gut zugängliche Apfel- und Rosenblüten, aber auch Seerosen und Doldenblütler wie Schafgarbe, Dost und Engelwurz.

Schwebfliegenblumen

Schwebfliegen haben es vor allem auf asternartige Blüten mit schwachem Geruch, aber offen zugänglichem Nektar abgesehen. Dazu gehören Aster, Chrysantheme, Kamille, Margerite sowie alle Doldengewächse.

Wer Bestäuberinsekten in seinem Garten unterstützen möchte, sollte laut Ruttensperger eine möglichst große Vielfalt an geeigneten Blüten als Nahrungsquelle anbieten. Wichtig sei es auch, Blumen, Stauden und Gehölze sowie möglichst auch Gemüse- und Kräuterpflanzen ganz abblühen zu lassen. Die meisten Bienen besuchten heimische und nicht heimische Blumen gleichermaßen. Züchterisch bearbeitete Pflanzen hätten oft den Vorteil einer längeren und reicheren Blüte und stellten so über einen längeren Zeitraum Nahrung zur Verfügung. Manche Kulturformen heimischer Pflanzenarten wie die aus der Landschaft weitestgehend verschwundene Glockenblume seien ein wichtiger Ersatz für viele Wildbienen-Arten geworden. (Gisela Busch)

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