Warum Nisthilfen im Garten dennoch nützlich sein können erklärt Melanie von Orlow vom Nabu

Die wenigsten Insekten benötigen ein Hotel

Fast wie Kunst: Mit etwas Geschick lassen sich sinnvolle Nisthilfen für Insekten selbst bauen.
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Fast wie Kunst: Mit etwas Geschick lassen sich sinnvolle Nisthilfen für Insekten selbst bauen.

„Welche Biene will schon in der Höhle wohnen, wenn es auch schicke Hotels gibt?“ denkt sich so mancher Gartenfreund und kauft oder bastelt allerlei Nisthilfen fürs heimische Insektenvolk – in bester Absicht. Allerdings bleiben die Gästezimmer oft leer. Viele Insektenhotel-Besitzer wissen schlicht nicht, dass fast drei Viertel der über 560 bedrohten Wildbienen-Arten nur im Boden nisten. „Da helfen die schönsten Hotels nicht“, sagt Melanie von Orlow vom Nabu Berlin.

Dennoch können die richtigen Nisthilfen für Hummel, Wespe, Wildbiene & Co., so die Sprecherin der Fachgruppe Hymentopterenschutz, die sich um Hautflügler-Insekten kümmert, durchaus sinnvoll sein. „Gut gebaute Nisthilfen aus unbehandelten Materialien und an günstigen Stellen aufgestellt, werden durchaus besiedelt.

Leider schaden manche Holzkonstruktionen den Insekten womöglich mehr, als dass sie ihnen nutzen. Bei billiger Massenware seien unscharf und unsauber gebohrte Nisthölzer, chemisch behandelte Materialien und vor allem größtenteils unnütze Fächer das Problem. Auch wenn es hübsch aussieht: „Tannenzapfen und Stroh hinter Gittern werden allenfalls von Spinnen besiedelt.“

Fazit: So richtig „brauchen“ die wenigsten Insekten ein Hotel, denn üblicherweise finden sich vornehmlich nur häufige, anpassungsfähige Arten darin. Vor allem solitäre, also als Einsiedler lebende Bienen und Wespen nutzen die Behausungen gerne und leisten ihre ökologischen Dienste in der Bestäubung von Blüten und der Bejagung von Schadinsekten. Das beste Insektenhotel, so von Orlow, ist der naturnahe, vielfältige Garten mit Totholz, Natursteinmauern, Hecken, Komposthaufen und Stauden.

Melanie von Orlow, Sprecherin der Nabu-Fachgruppe Hymentopterenschutz

Aber auch auf dem Balkon geht vieles: Wildbienengerechte Saatmischungen können selbst trockene Balkonkästen zum Blühen bringen und sollten möglichst viel Verbreitung finden. Zur Nisthilfe kann auch ein mindestens zehn Zentimeter tiefer Bereich mit Lehm beitragen, der liefert den Tieren Baumaterial. Sauber gebohrte und hinten geschlossene Nistgänge in Laubholz, Reet- oder Bambusstängel können das Angebot ergänzen. „Selber bauen ist eigentlich immer besser, gerade solche Lehm-Angebote kann man nicht kaufen.“, sagt von Orlow.  

(Von Gisela Busch)

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