Winterharte Stauden mit kräftigem Blattgrün und kuriosen Formen

Farne sind die Dinosaurier der Botanik

Makroaufnahme eines Farns, der aussieht wie ein Elch. Oder doch eine Pflanze? Farne sind immer für Überraschungen gut. Als unkomplizierte Gartenpflanze werden sie noch häufig unterschätzt.
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Elch oder Pflanze? Farne sind immer für Überraschungen gut. Als unkomplizierte Gartenpflanze werden sie noch häufig unterschätzt.

Farne sind wahre Überlebenskünstler. Ein botanisches Erfolgsmodell, das seit der Zeit der Dinosaurier so variantenreich wie kaum eine andere Pflanzenart in gemäßigten Klimazonen heimisch ist. Manche der weltweit rund 12.000 Farnarten (botanisch: Pteridopsida) bedecken den Boden wie Moos, andere entwickeln sich, vor allem in den Tropen, zu meterhohen Stauden. Immerhin rund 100 Arten sind in Mitteleuropa beheimatet.

Das Farnfieber

Deren Vorzüge für die Gartenkultur hatte man schon im viktorianischen England entdeckt, wo seinerzeit die „Pteridomania“, eine Farnverrücktheit, in weiten Teilen der Bevölkerung grassierte. Farnsammeln in den Wäldern hatte Kultstatus, für seltene Mutationen wurden, ähnlich wie zur Zeit der holländischen Tulpenmanie, Unsummen bezahlt. Der Leidenschaft für die blütenlose Urzeitpflanze frönen bis heute die Mitglieder der 1891 gegründeten „British Pteridological Society“.

Farngärtner Ingo Danielsen mit einem Königsfarn (Osmunda regalis).

Einer von ihnen ist Staudengärtner Ingo Danielsen aus dem südniedersächsischen Hameln. Der Mittvierziger besitzt eine Farnsammlung von 300 verschiedene Gattungen, Arten und Sorten und schwärmt von den „mannigfaltigen Formen und Farben der Wedel“, für die sich seit rund zehn Jahren auch hierzulande „eine kleine, aber wachsende Farngemeinde“ begeistere. Als Farnspezialist bei der Gärtnerei Stauden Junge, die als einzige deutsche Gärtnerei Farne selbst vermehrt (siehe Hintergrund), verweist er auf die vielen attraktiven Sorten, die vor allem in schattigen Bereichen kultiviert werden können.

Blätter wie Flaumfedern trägt der Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris „Plumosum“).

Robust und langlebig

Für dunkle Problemzonen seien Farne als treue Gartenbegleiter über viele Jahre bestens geeignet. Außerdem brauchten heimische Farnsorten keinerlei Dünger und seien winterhart, robust und widerstandsfähig gegen Schädlinge und Krankheiten: „Mehltau, Blattläuse, Wühlmäuse, Schnecken – für Gartenfarne alles kein Problem.“ Wintergrüne Arten hätten gerade in Gesellschaft einziehender Stauden den Vorteil, dass sie dem Gartenbeet auch in der kalten Jahreszeit eine Struktur gäben, sodass dieses nicht kahl wirke.

Genügsam in der Pflege

Als Waldpflanze benötigen Farne einen locker-humosen Boden. Schwere Lehmböden, so rät Danielsen, sollte man beim Pflanzen mit Rindenkompost auflockern. Der Wasserbedarf des Farns ist auch bei Sommerhitze gering. Gleiches gilt für die kaum nennenswerten Pflegeansprüche. Wintergrüne Arten werden im Frühjahr bei Bedarf etwas ausgeputzt, indem man welkes Laub entfernt; sommergrüne Arten ziehen wie andere Stauden im Herbst ein.

Anmutig: sich entrollende Farnwedel.

Informationen über Farne gibt es bei der Staudengärtnerei Junge in Hameln unter bluetenblatt.de sowie bei der Fachgruppe Farne in der Gesellschaft der Staudenfreunde. Da findet man auch eine Anleitung zum Vermehren von Farnen. Sehenswert ist die Farnschlucht des Botanischen Gartens der Marburger Philipps-Unversität mit über 80 Farnarten.

(Gisela Busch)

Farne für (fast) jeden Standort im Garten

Für beinahe alle Gartenbereiche gibt es den passenden Farn. Manche Arten sind horstig wachsend, also eher standorttreu, andere breiten sich rasch aus und erobern auf diese Weise auch schattige Problemzonen. Als Kulturfolger des Menschen siedeln sich kleine Arten des Waldrandbewohners sogar in Steingärten und Mauerritzen an.

Im Schatten gedeihen am besten Frauenfarn (Athyrium), Rippenfarn (Blechum) und Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris).

Im Halbschatten fühlen sich Schildfarn (Polystichum), Sichelfarn (Cyrtomium) und Pfauenradfarn (Adiantum) wohl.

In der Sonne wird es schwierig. Teilweise können Schild- und Wurmfarne Sonne gut vertragen, vor allem wenn sie auch feucht genug stehen.

Als Pflanzpartner für Farne eignen sich viele Stauden wie Gedenkemein, Bergenien, Anemonen, Herbstanemonen, Alpenveilchen, Funkien und Purpurglöckchen. Wichtig ist es dabei, auf den Blattkontrast von Farn und Begleitpflanze zu achten, sagt Danielsen und verweist auf das Pflanzkonzept des berühmten Staudengärtners Karl Foerster aus Potsdam: „Man sollte die Beete mit „Pauken und Trompeten“ gestalten – also schlanke und wuchtige Blätter in Kombination.“

Selbst teilen kann man Farne, wenn an der Pflanze mehrere Triebköpfe vorhanden sind. Dabei funktioniert reißen besser als schneiden, sagt Farngärtner Danielsen, weil die meisten Pflanzen eine Sollbruchstelle haben. Nach dem Einpflanzen wird das Laub des Ablegers um die Hälfte gekürzt, damit dieser in der Anwachsphase nicht so viel Wasser verdunstet.

Vermehrung: Farne sind keine Blütenpflanzen. Sie gehören botanisch zu den sogenannten Lagerpflanzen, deren Körper nicht in Stamm, Blatt und Wurzel gegliedert ist. An der Unterseite ihrer Blätter entwickeln sie zur Vermehrung Sporen – ähnlich wie Pilze. Fallen diese zu Boden, entwickeln sich bei genug Feuchtigkeit sogenannte moosähnliche Vorkeimblätter (Prothallium) mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen. Dann erst findet die Befruchtung statt, und als Folge entsteht eine junge Farnpflanze. Das klingt einfach, ist es aber nicht, weil die Umweltbedingungen stimmen müssen. So ist es kein Wunder, dass die Natur millionenfach Sporen ausschleudern muss, damit ein einziger Farn entsteht.

Das besondere Buch: Von Farnen und Menschen

Nicht nur für Farnenthusiasten ein köstlicher Lesegenuss: Der britische Neurologe und Farnfan Oliver Sacks reist in Gesellschaft ebenso skurriler wie leidenschaftlicher Pflanzenliebhaber im Jahr 2000 zu einer botanischen Exkursion nach Mexiko. Er lernt viel über die Liebe zur Botanik und noch mehr über die Menschen, die ihr verfallen sind. „Die feine New Yorker Farngesellschaft“, Oliver Sacks, Liebeskind, 192 Seiten, Preis 20 Euro.

Kurios - das Japanische Farnblatt: Ein blühender „Farn“, der gar keiner ist

Die Pteridomania, die viktorianische „fern craze“ (Farnverrücktheit), war auf ihrem Höhepunkt, als der englische Schriftsteller und Pflanzensammler Reginald Farrer anno 1903 von einer Reise nach Japan einen hübschen, kleinen, wenn auch nicht besonders außergewöhnlichen „Farn“ mitbrachte. Den hatte er, so erzählt Gärtnermeister Karl Heinz Härtl aus Niedenstein/Schwalm-Eder-Kreis die Geschichte , in dem fernöstlichen Land in einem halbschattigen Fächerahornhain entdeckt.

Gärtnermeister Karl Heinz Härtl aus Niedenstein.

Die Anordnung der einzelnen Blättern und die Blattgliederung hatten täuschende Ähnlichkeit mit dem bekannten Rippensaumfarn (Blechnum), weshalb das Gewächs mit den dunkelgrünen, einfach gefiederten, bis 30 Zentimeter langen Blättern damals in der britischen Heimat Farrers zunächst als Farngewächs identifiziert worden sei. Die große Überraschung folgte im folgenden Sommer, als die kleine Waldpflanze ihre wahre Identität enthüllte: Sie zeigte weiße, leicht duftende Blütenglöckchen, die traubenförmig um den Stil angeordnet waren.

Laut Gärtnermeister Härtl ist das kuriose Kraut heute als Pteridophyllum racemosum bekannt und gilt als einziger Vertreter seiner Gattung. Botaniker rechnen es inzwischen zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Das Farnblatt ist auch in unseren Breitengraden durchaus gartentauglich, benötigt aber – ebenso wie Leberblümchen und Waldlilien – an seinem kühlen geschützten Standort im Schatten und Halbschatten feuchten, leicht sauren Laubhumus sowie (nur im ersten Pflanzjahr) einen leichten Winterschutz. Gut etablierte Exemplare, so vermeldete die Fachzeitschrift „Gartenpraxis“, haben „auch schon Temperaturen von minus 18° Grad im Kasseler Bergland überstanden“.

Japanisches Farnblatt mit zarten Blüten: Florian Härtl mit dem prämiierten Pteridophyllum racemosum.

Mit seiner Nachzucht des Pteridophyllum racemosum gewann Härtls Sohn Florian 2019 beim Gartenfestival auf Schloss Fasanerie in Fulda den Botanikpreis in Silber.

(Gisela Busch)

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