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Echter Lavendel liebt Sonne satt

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Von: Gisela Busch

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Echter Lavendel entwickelt nur eine Blütenrispe pro Stängel und wächst niedriger
Echter Lavendel entwickelt, anders als Lavandin, nur eine Blütenrispe pro Stängel und wächst niedriger. An die 350 Sorten gibt es, neben dem typischen Lila blühen einige auch in Pastellviolett, Rosa, Weiß oder fast Blau. © Helix

Auch wenn in unseren Gärten der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) seit Langem seinen festen Platz hat, denken wir bei der mediterranen Pflanze mit dem unverwechselbaren Duft doch in erster Linie an die sonnigen Regionen der südfranzösischen Provence. Nach der Blüte jetzt im Juli wird es Zeit für den Schnitt.

Tatsächlich sind die buschigen Halbsträucher, die zur Familie der Lippenblütengewächse gehören, in der dortigen Bergwelt in Höhen zwischen 600 und 1600 Metern beheimatet. Aus diesem Grund gedeiht der Echte Lavendel auch hierzulande am besten auf kargen und trockenen, steinigen Böden an sonnigem Platz. Als einzige Lavendel-Sorte ist er in Deutschland winterhart.

Nach Deutschland auf dem Umweg über England

Zu uns kamen viele der neu gezüchteten Lavendel-Sorten aber nicht direkt aus dem sonnigen Süden, sondern über einen kleinen Umweg: Die Downderry Nursery im südenglischen Kent ist seit Jahrzehnten die erste Adresse in Europa, wenn es um Lavendelvielfalt geht. Über 350 Sorten werden in dieser sonnenreichen und sommertrockenen Region von dem vielfach ausgezeichneten Lavendelzüchter Simon Charlesworth kultiviert: Es gibt die Pflanzen in Wuchsformen von kompakt-klein und kissenbildend bis hin zu stattlichen Exemplaren von einem Meter Höhe.

Sorten in Weiß, rosa und violett

Das Farbspektrum der Blüten ist erstaunlich: Neben dem klassischen Violett in vielen Schattierungen entdeckt man hier auch zahlreiche Rosa- und Blautöne und sogar reinweiße Lavendelsorten.

Ein Teil dieses beeindruckenden Sortiments wird seit geraumer Zeit im hiesigen Gartenfachhandel unter den Namen „Englischer Lavendel“ oder „Downderry Lavendel“ angeboten. Der Halbstrauch eignet nicht nur für mediterrane Gartengestaltung im Freiland, sondern auch für die Topfbepflanzung. Hier sind vor allem die niedrig wachsenden Sorten zu empfehlen. Der weißblühende Lavandula angustifolia ‘Nana Alba’ beispielsweise erreicht nur eine Höhe von 15 Zentimetern und ‘Peter Pan‘, der sich sowohl mit hell- als auch dunkellila Blüten schmückt, wird etwa 45 Zentimeter hoch.

Hat man genügend Platz und kann entsprechend große Kübel aufstellen, gedeihen auch die imposanten höheren Lavendel wie der violette ‘Grosso‘ und die tiefblaue ‘Elizabeth‘ auch gut auf dem Balkon. Ein aparter Hingucker ist es, wenn man in seinem Topfgarten verschiedenfarbig blühende Lavendelsorten miteinander kombiniert.

Standort: Bitte sonnig, mager und trocken

„Damit sich Lavendel auch in Töpfen und Kübeln gut entwickelt, ist vor allem ein sehr sonniger Standort wichtig“, erläutert Hans Müller von der Gärtnerei Helix Pflanzen im baden-württembergischen Kornwestheim. „Ideal sind daher Balkone und Terrassen, die sich auf der Süd- oder Westseite des Hauses befinden. Vor sehr starkem Wind oder heftigen Niederschlägen sollte man die Pflanzen aber auch hier schützen.“ Da sie ein sehr großes Wurzelgeflecht bilden, empfiehlt es sich, die Pflanzen direkt nach dem Kauf in größere Gefäße umzutopfen, die ihnen genügend Freiraum bieten.

Lavendel und Mohn sind ein tolles Gespann, beide mögen es trocken und nährstoffarm.
Lavendel und Mohn sind ein tolles Team im Garten, beide mögen es trocken und nährstoffarm. © Helix

Lavendel mag nährstoffarme Erde

Beim Substrat sind Lavendel regelrechte Hungerkünstler. Müller empfiehlt möglichst nährstoffarmes Substrat wie etwa Kräutererde. Handelsübliche Blumenerde sei in der Regel zu stark vorgedüngt. Wer diese dennoch verwenden möchte, soll die Erde zu gleichen Teilen mit Sand oder feinem Kies mischen und auf diese Weise „abmagern“.

Lavendel nur sparsam gießen

Gegossen werden müssen die mediterranen Schönheiten selbst in den heißen Sommermonaten nur sehr sparsam. Das Pflanzgefäß muss auf jeden Fall ein Loch besitzen, damit überschüssiges Gießwasser abfließen kann. Staunässe vermeidet man mit einer mit einer Schicht Kieselsteine, Blähton oder Tonscherben am Topfboden.

Anders als viele andere Sommerblumen ist Echter Lavendel winterhart und für eine dauerhafte Kübelbepflanzung geeignet. „Nur wenn längere Zeit tiefe Minustemperaturen herrschen, sollte man die Töpfe mit Bastmatten oder ähnlichem schützen oder sie vorübergehend in einen hellen, ungeheizten Kellerraum stellen“, rät Müller.

Informationen über Englischen Lavendel gibt es bei Helix.

Lavandin - was ist das?

Die südfranzösische Provence und der Lavendel gehören in unserer Vorstellung einfach zusammen. Was kaum bekannt ist: Tatsächlich handelt es sich bei den dort großflächig angebauten Halbsträuchern zumeist gar nicht um Echten Lavendel, sondern um Lavandin. Diese Pflanze ist eine natürliche, aber sterile Kreuzung von Echtem Lavendel (Lavandula angustifolia) und Lavandula latifolia, also dem Breitblättrigen Lavendel. Aufgrund der üppigen Fülle an Rispen wird Lavandin großflächig für die Produktion von Duftstoffen und Öl angebaut. Kauft man sich beispielsweise Duftsäckchen, liest man auf dem Etikett meist Lavandin. Auch in Waschmitteln, einfachen Seifen oder Schaumbädern ist in der Regel das Öl dieses Hybridlavendel enthalten. Es gilt aber als weniger edel und auch die medizinische Wirkung kommt nicht an die des Echten Lavendels heran.

Lavendel-Schnitt: So geht´s

Ideale Partner: Lavendel und Allium.
Ideale Partner: Lavendel und Allium. Die Blütenkugeln der Zwiebelblume bringen Höhe in die Anpflanzung, der dicht wachsende Lavendel verdeckt das wenig attraktive Laub des Alliums. © Helix

Für einen kompakten, formschönen Wuchs sollte Lavendel ein- bis zweimal im Jahr zurückgeschnitten werden. Als sogenannter Halbstrauch verholzt die Pflanze mit der Zeit von Natur aus. Das heißt, es bilden sich dickere Stämme, die nur noch an ihren Enden Blätter und Blüten tragen. Man nennt das auch „Verkahlung von unten“.

Ohne Schnitt legten sich die Pflanzen mit den Jahren aufgrund ihres Gewichts auf die Seite, erläutert Klaus Schlosser vom Kräutergarten Klostermühle in Edenkoben, der Downderry und andere Lavendel in großen Mengen kultiviert. Bei regelmäßigem Rückschnitt bildet Lavendel neue Triebe am Fuße der Pflanze und verholzt deutlich langsamer. Zudem verzweigt er besser und wächst dichter.

Im Juli ist der beste Zeitpunkt für den Schnitt

Der ideale Zeitpunkt für diese Arbeit ist im Juli, wenn die erste Blütezeit des Lavendel zu Ende geht. Dann beginnt normalerweise die Samenbildung. „Durch den rechtzeitigen Schnitt wird bewirkt, dass die Pflanze ihre Kraft nicht in die Samen lenkt, sondern zu einer zweiten Blüte im Jahr motiviert wird“, weiß Schlosser. Keinesfalls dürfe der Rückschnitt erst im Herbst erfolgen, weil die neuen Triebe sonst nicht rechtzeitig winterfest werden und später zu erfrieren drohen.

Normalerweise kann Lavendel um ein Drittel bis zur Hälfte gekürzt werden. Je nach Verholzungsgrad und Alter der Pflanze sowie Sorte sogar um bis zu zwei Drittel. „Grundsätzlich gilt: Junge Pflanzen können stärker gestutzt werden als alte“, so Schlosser. Besitze der Lavendel schon längere holzige Zweige, müsse man behutsam vorgehen. Der Schnittpunkt sollte möglichst immer „im Grünen“ liegen. Setzt man die Schere zu tief im alten Holz an, besteht die Gefahr, dass die Pflanzen nicht mehr neu austreiben. Bei einem fachgerechten Schnitt sieht der Lavendel schon nach etwa einem Monat wieder aus wie neu – und trägt im Folgesommer abermals unzählige Blütenähren.

(Von Gisela Busch)

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