Langlebige Sträucher geben Räumen zwischen Blumen und Gemüsebeet Struktur

Blühende Gehölze machen das Gartenzimmer perfekt

Sträucher sind Trumpf: Gärtnermeisterin Heike Mehle, Chefin der Baumschule Steuber in Kassel, mit einer rosa blühenden Kolbenspiere (links) und einer mediterran duftenden Blauraute (rechts).
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„Blühende Sträucher sind im Garten unverzichtbar“ sagt Gärtnermeisterin Heike Mehle. Ihre persönlichen Favoriten sind die rosa blühende Kolbenspiere (links) und die mediterran duftende Blauraute (rechts).

Kaum etwas ist spannender, als die verborgenen Schätze eines Gartens zu entdecken – von Raum zu Raum durch eine grüne Sommerwohnung zu wandern, die ihre Vorzüge nicht auf den ersten Blick offenbart. Hinter blühenden Sträuchern verbirgt sich der lauschige Sitzplatz, der Gemüsegarten wird von einer Windschutzhecke umrahmt und die Staudenpflanzung wird erst durch unterschiedliche Kleingehölze, Sträucher und Immergrüne zum großen Gartentheater.

Gehölze sorgen für Spannung

Kassel - Wie jedes Bild erst durch einen Rahmen seine Wirkung perfektioniert, so geben Gehölze und Sträucher dem Garten Struktur und Spannung, sagt Gärtnermeisterin Heike Mehle von der Baumschule Steuber in Kassel. Blumen kommen und gehen, aber Gehölze bleiben – oft für viele Jahre. „Man sollte sich trauen, seinen Garten in Räume aufzuteilen, empfiehlt die Gärtnermeisterin. Sie begrenzen Beete, geben Sicht- und Windschutz und trennen die einzelnen Gartenzimmer – vom Rosengarten über die Kräuterecke bis zum Gemüsebeet – optisch voneinander.

Schmetterlinge fliegen geradezu auf die extralangen Rispen des Sommerflieders „Fascination“.

Nahrung für Insekten

„Blüte, Herbstfärbung und Duft – darauf kommt es bei der Auswahl von Sträuchern an, rät Mehle. Manche Gehölze bieten sogar viele wünschenswerte Vorzüge in einem. So etwa der Japanische Zwerg-Schneeball (Viburnum plicatum „Watanabe“), ein etagenförmig aufgebauter Kleinstrauch, der bis zu zwei Metern groß wird und mit den tellerförmigen Schirmrispen nicht nur alle Blicke auf sich zieht, sondern auch Insekten anlockt. Vögel freuen sich im Herbst über die knallroten Beeten inmitten des orangerot gefärbten Laubs. Ein Insektenmagnet ist auch die Kolbenspiere (Spiraea billardii „Triumphans“), die eine Höhe von zwei Metern erreicht und fluffige, rosafarbene Blütenrispen bildet.

Robust und regenfest: Die neue weiße Rispenhortensie „Magical Himalaya“.

Regenfeste Blüten

Vor allem Schmetterlinge haben es auf die bis zu 50 Zentimeter langen Blütenrispen des Sommerflieders (Buddleja davidii „Fascination“) abgesehen. In Sachen Blütengröße muss sich auch die cremeweiße Rispenhortensie (Hydrangea paniculata „Magical Montblanc“), eine Züchterneuheit aus den Niederlanden, nicht verstecken. Ihre übergroßen, spitz zulaufenden Blüten sitzen sehr knickfest auf stabilen Stielen, denen auch ein kräftiger Regenguss nichts anhaben kann.

Purpurfarbener Exot: Die Blüte der Karamellbeere.

Duftendes Laub

„Mit ihrem silbergrauen Laub und den tiefblauen Blütenrispen sorgt die Blauraute (Perovskia abrotanoides) für mediterranes Flair“. Sie wird auch Silberbusch genannt und sollte wegen ihrer Blätter, die eine zarte Lavendel- und Thymiannote verströmen, in keinem Duftgarten fehlen“, sagt Mehle.

Strubbelige Blüten: Perückenstrauch „Smokey Joe“.

Sträucher-Raritäten

Ein immer noch seltener Anblick in unseren Gärten ist laut Mehle der auffällige, bis zu drei Meter hoch werdende Perückenstrauch (Cotinus coggygria „Smokey Joe“). Ganzjährig wegen seiner hauchzarten Blütenstände, die wie rosa Zuckerwatte aussehen, ohnehin eine Augenweide, läuft er im Herbst zur Hochform auf, wenn das Laub orangerot leuchtet. Kleinwüchsige Sorten wie Cotinus coggygria „Young Lady“ eignen sich auch für die Topfkultur. Ihren essbaren, leicht nach Lakritz schmeckenden dunkelroten Beeren verdankt die Karamellbeere (Leycesteria formosa „Purple Rain“) ihren Namen. Der exotische Halbstrauch besticht durch seine duftenden, ährenförmigen, tiefroten Blüten und kann an geschützten Orten bis zu fünf Meter groß werden. Wegen der langen Blütezeit von Juli bis November können Blüten und Früchte gleichzeitig am Strauch stehen – besonders im Herbst ein toller Blickfang.

(Gisela Busch)

Schneeweiße Blüten trägt der Zwerg-Schneeball.

Tipps von der Baumschule: Gehölze richtig schneiden - aber wie und wann?

Damit Gehölze und Sträucher kräftig wachsen und mit den Jahren immer schöner werden, kommt es auf den richtigen Schnitt an. Während manche Pflanzen radikal geschnitten werden müssen, um den Neuaustrieb anzuregen, brauchen andere nur einen Auslichtungsschnitt. Gärtnermeisterin Heike Mehle empfiehlt, sich beim Pflanzenkauf von Fachleuten dazu beraten zu lassen.

. 1. Im zeitigen Frühling – das kann bei milder Witterung schon ab Anfang März sein – werden sommerblühende Ziersträucher wie zum Beispiel Blauraute, Bartblume, Säckelblume, Sommerflieder und Rispenhortensie kräftig (etwa um zwei Drittel) zurückgeschnitten. Je früher das passiert, desto eher stellt die die Pflanze darauf ein und entwickelt neue Austriebe. Je stärker der Schnitt ausfällt, umso kraftvoller treibt die Pflanze neu aus.

2. Keinesfalls im späten Winter, sondern erst nach der Blüte werden dagegen Frühjahrsblüher wie zum Beispiel Gewürzstrauch, Flieder, Weigelie und Forsythien geschnitten, die an dem im Vorjahr gebildeten Holz blühen. Hier reicht es aus, etwa alle drei Jahre die ältesten und nicht mehr blühenden Äste zu entfernen, damit junge Triebe nachwachsen können.

3. Ein Verjüngungsschnitt empfiehlt sich bei sehr alten Sträuchern. Dabei kann die Pflanze um zwei Drittel eingekürzt werden.

- Ganz ohne Rückschnitt kommen immergrüne Gehölze sowie Blühsträucher wie Felsenbirne, Federbuschstrauch, Seidelbast, Zier-Ahorn, Zaubernuss und Magnolie aus.

- Mit Sträuchern in (ausreichend großen) Töpfen lassen sich Gartenzimmer und Balkone flexibel gestalten. Es ist wichtig, ihnen ein Kübelpflanzensubstrat zu gönnen, regelmäßig zu wässern und mindestens zweimal pro Jahr Langzeitdünger zu geben. (Gisela Busch)

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