„Allium x proliferum“ strebt auf eindrucksvolle Art himmelwärts

Etagenzwiebel, Luftzwiebel, ewige Zwiebel - das lustigste aller Allium-Gewächse hat viele Namen

Kurioses Geschöpf der Gattung Allium: Etagenzwiebeln im Hochbeet mit Jungzwiebelchen als schrägem Kopfputz.
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Kurioses Geschöpf der Gattung Allium: Etagenzwiebeln im Hochbeet mit Jungzwiebelchen als schrägem Kopfputz.

Etagenzwiebel, Luftzwiebel, Ewige Zwiebel, Ägyptische Zwiebel – dieses luftigste (und lustigste) aller Allium-Gewächse hat viele Namen, eine kuriose Wuchsform, vermehrt sich ausschließlich auf vegetative (also geschlechtslose) Weise, ist kulinarisch vielseitig verwendbar, winterhart und stammt aus Sibirien, wo es wahrscheinlich einer Kreuzung aus Küchen- und Winterheckenzwiebel entsprang.

Aber der Reihe nach. Wegen ihrer bizarren Erscheinung fällt es schwer, zu glauben, dass es sich bei „Allium x proliferum“ nicht etwa um die züchterische Ausgeburt eines gärtnernden Dr. Jekill handelt. Vielmehr lässt sich an der Etagenzwiebel herrlich studieren, wie einfallsreich die Natur in Sachen Vermehrung stets alle Register (oder in diesem Fall: alle Etagen) zieht. Steckt man im Frühjahr eine Brutzwiebel in die Erde, entwickeln sich zunächst, wie bei „normalen“ Zwiebeln hohle runde, spitz zulaufende Blätter von bis zu 40 Zentimetern Länge.

Fast zu schade zum Ernten: Luftzwiebeln können eine zweite oder sogar dritte Etage entwickeln - je nach Standfestigkeit.

Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Alliumgewächsen, bilden sich in der Folge keine Blüten aus. Stattdessen entwickeln sich kleine Nester aus Brutzwiebelchen (auch: Bulbillen) an den Spitzen von einigen der röhrenförmigen Blätter. Von diesen wiederum entwickeln einige nach weiterem Wachstum erneut Brutzwiebelnester und streben wiederum weiter nach oben, sodass eine zweite oder sogar dritte „Etage“ entsteht.

Allerdings setzt die Schwerkraft diesem verrückten Treiben – von der Natur durchaus so beabsichtigt – irgendwann ein Ende und der mehrstöckige Zwiebelturm senkt sich, wenn er keine Stütze bekommt, unter der Last seiner Zwiebelnester und dem Eigengewicht zu Boden. Dort grämt sich der Nachwuchs aber nicht, sondern wurzelt schnell ein, um eine neue Generation „ewiger“ Zwiebeln zu begründen, die wiederum im nächsten Frühjahr – Sie ahnen es bereits – den ewigen Kreislauf von Aufstieg und Fall fortsetzt.

Ein Kopfputz aus Jungzwiebelchen ziert die Luftzwiebel.

Leider bereitet es derart großes Vergnügen, dieser Allium-Varietät beim Wachsen zuzusehen, dass man sich kaum dazu entschließen kann, ihre zarten Triebe vor dem Erreichen der zweiten oder dritten Etage zu ernten. Verwendet werden sowohl der frische Austrieb, als auch die Luftzwiebeln, die frisch verwendet oder als Silberzwiebel eingelegt werden können.

Leider sind Etagenzwiebeln echte Hehlerware, werden unter Gartenfreunden gern getauscht und im Handel nur vereinzelt angeboten.

Mehr Information: samen-rohde.de

(Von Gisela Busch)

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