Familiäres Miteinander im Fokus

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Auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück war für die fünfköpfige Familie ein wichtiges Kriterium, dass der Bauherr zu Fuß zur Arbeit in die Melsunger Innenstadt laufen kann. Anfang 2009 konnte die Familie ihr perfekt auf die familiären Wohnbedürfnisse zugeschnittenes Einfamilienhaus beziehen.

Als erstes ließ die Familie ein Bodengutachten erstellen. Das sollte klären, ob das schwierige Hanggrundstück überhaupt gut zu bebauen ist. „Eine Hangbebauung ist aus statischer Sicht nicht ganz einfach“, sagt Architekt Andreas Tollhopf aus Kassel. Das Grundstück hat oben, von der Straße her, einen schmalen Zugang, fällt dann ca. 1,5 Meter steil nach unten ab. Im unteren Bereich ist es weiterhin abfallend, nur weniger steil. Insgesamt stellt es an das planerische Können eines Architekten hohe Anforderungen.

Herrlicher Fernblick

Bildergalerie:

Traumhaus in Eigenregie

Was dagegen aufwiegt ist der fantastische Fernblick. Vom Wohnbereich aus eröffnet sich ein uneingeschränkter Blick in die Na- tur. Auf der anderen Seite – und natürlich von der Dachterrasse – aus hat man einen herrlichen Blick auf Melsungen. Der Blick auf Stadt und Natur ist prägend für die Lage des Gebäudes auf dem Grundstück, die Anordnung der Innenräume und das gesamte architektonische Konzept. „Die baurechtlichen Vorgaben zum Maß der baulichen Nutzung des Grundstücks waren eng“, erklärt Andreas Tollhopf. Bei der Planung alles einzuhalten, ist mitunter eine richtige Herausforderung an einen Architekten. „Das war bei diesem Bauvorhaben auch nicht ganz so einfach.“

Gute Kommunikation

„Architektur kann nur funktionieren, wenn die Kommunikation stimmt“, weiß Architekt Andreas Tollhopf. Die Bauherrenfamilie hat sich schon vor Planungsbeginn sehr intensiv mit der Frage des Wohnens auseinandergesetzt. Allerdings hatten sie nicht allzu konkrete Vorstellungen, so dass sich der Architekt mit anfänglich konventionellen Vorschlägen an das ideale Haus für die Melsunger Familie angenähert hat. So ist letztendlich aus dem ursprünglichen Satteldach eine ganz eigenwillige Dachform entstanden, die Andreas Tollhopf als eine Art Prisma bezeichnet. Außerdem ist das Haus mit einer klaren, einfachen Formensprache umgesetzt. „Dieses Haus ist das Ergebnis einer sehr konstruktiven Kommunikation mit den Bauherren“, so der Architekt. „Mir war wichtig, dass wir offenes Wohnen leben können“, sagt die Bauherrin. „Das Leben in unserem Haus soll kommunikativ und offen sein.“ Ihr Mann ergänzt: „Wir wollen als Familie zusammen wohnen – nicht nur unter einem Dach wohnen.“ Das belegt auch das große Bad im ersten Obergeschoss. „Ein großes Familienbad zu haben, war uns sehr wichtig“, sagen die Bauherren. Die Klarheit des Entwurfs, die Formensprache des Gebäudes, findet sich auch in dem Bad wieder. Das Innere entspricht der Erscheinung der äußeren Gebäudehülle. Die bodentiefen Fenster im ersten Obergeschoss schaffen einen stimmigen Übergang von innen nach außen. In jedem Zimmer des Hauses gibt es einen Bezug nach außen.

Leichtigkeit im Fokus

Das Einfamilienhaus mit 250 Quadratmetern Wohnfläche plus Keller füllt das Hanggrundstück perfekt aus und nutzt die spezifischen Merkmale für seine Zwecke und entfaltet seine ganze Wirkung – innen wie außen. Das Erdgeschoss liegt wie ein Riegel auf dem Kellergeschoss. „Das soll dem Haus Leichtigkeit geben“, so Tollhopf. „Wichtig war den Bauherren auch, dass sich das Gebäude aus einfachen geometrischen Formen zusammensetzt.“ So bildet das Untergeschoss mit einer Außenterrasse ein Plateau, auf dem das Hauptgebäude würfelartig ruht und hangseitig auskragt. Vier Wohnebenen einschließlich der Dachterrasse werden über innenliegende Treppen erschlossen.

Haus an die Küche angepasst

Das Haus soll den Bewohnern die schöne Landschaft, die freie Natur näherbringen und gleichzeitig einen städtischen Charakter haben. Beide Blickbeziehungen – Natur und Stadt – sind von den Innenräumen und den Terrassen aus zu erfassen. Ein Highlight des Hauses ist das große Panoramafenster im Erdgeschoss. Es erstreckt sich über die gesamte Gebäudebreite und gibt talseitig den Blick frei auf eine malerische Landschaft. Die Gebäudeecken sind durch Eckfenster aufgelöst. „Diese kleine Maßnahme erweitert den Blick ungemein“, sagt der Architekt. „Bei der Planung unseres Hauses spielte die Küche eine ganz zentrale Rolle“, sagt der Bauherr und veranschaulicht die Herangehensweise: „Wir stellten uns die Frage, wie und wo gegessen wird.“ Nach reiflicher Überlegung stand für die Bauherren fest: Kochen und Essen ist der Lebensmittelpunkt. Die Küche ist weit mehr als ein Ort zur Zubereitung von Speisen. Das breite Fensterband in der Küche ermöglicht einen guten Überblick über Hof, Carport und Straße. Die Offenheit des Grundrisses soll das familiäre Miteinander fördern. „Auf keinen Fall sollte der Tisch im Esszimmer zu einem Sonntag-Mittag-Tisch werden. Wir wollten eine tagtägliche Nutzung“, so der Bauherr. Auf diese Vorgabe ist der offene Grundriss die einzige Antwort. Die Küche und der Esstisch sind das Herz des Hauses. Deshalb haben sich die Bauherren bei der Planung mit dem Architekten auch darauf verständigt, den Antritt der Treppe zur Küche hin zu legen.

Ein besonderer Clou

Hinsichtlich der Innentreppen ist dieses Einfamilienhaus besonders individuell: Zentral gelegen ist die einläufige Treppe vom Erdgeschoss in das erste Obergeschoss weit mehr als ein Aufgang zu den oberen Geschossen. Herausragend sind auch die drei Kinderzimmer, die sich allesamt über zwei Ebenen erstrecken. So gibt es in jedem Kinderzimmer eine Treppe in das zweite Obergeschoss. Von der zweiten Ebene der Kinderzimmer aus erfolgt der Zugang zu der riesigen Dachterrasse, die sich über die gesamte Breite des Gebäudes erstreckt. Die mutige Entscheidung für einen offenen Grundriss ist voll aufgegangen. Die Offenheit des Grundrisses ist kommunikativ und fördert den Familienzusammenhalt. „Das Haus ist auf unsere ganz persönlichen Bedürfnisse und unser Familienleben zugeschnitten. Es spiegelt unsere Vorstellungen vom Zusammenleben, vom familiären miteinander Wohnen und Leben, wider“, sagt der Bauherr. Und seine Frau fügt hinzu: „Der Architekt hat all unsere Vorstellungen zu unserer Zufriedenheit umgesetzt und unsere individuellen Wohn-Wünsche bestens erfüllt.“ Das Gebäude entspricht einem KfW-60-Standard, es ist in Massivbauweise errichtet. Die Gebäudehülle ist hochwärmegedämmt und hat den Luftdichtigkeitstest bestanden. Beheizt wird das Einfamilienhaus mit einer Luft-Wärmepumpe.

Von Hendrike Racky

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