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Feinstaub-Ausstoß durch Holzofen reduzieren

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Sauberer heizen
Der Ofen muss beim Anzünden der ersten Ladung Holz schnell auf hohe Temperaturen im Innenraum kommen, sonst stößt er viel Feinstaub aus. © Florian Schuh/dpa-tmn

Wer einen hat, kann sich glücklich schätzen: Holzöfen reduzieren die Kosten für die Zentralheizung. Aber sie sind eine Belastung für die Umwelt. Doch man kann ein bisschen umweltfreundlicher heizen.

Sankt Augustin/Straubing - Zwar gelten Fahrzeuge als die größten Verursacher von Feinstaub, doch auch Holzöfen sorgen für einen hohen Gehalt der winzigen Partikel in der Luft. Das ist die Folge einer nicht vollständigen Verbrennung von Holz im Ofenraum.

Und das wird zum Problem, wenn in diesem Herbst und Winter mit so hohen Gas- und Öl-Preisen viele ihre Holzöfen intensiver nutzen und noch mehr Öfen installiert werden. Die Emissionsbelastung der Luft steigt. Aber jeder Ofenbesitzer kann etwas dazu beitragen, die Emissionen, vor allem den Feinstaub, zumindest zu reduzieren:

Hohe Temperaturen beim Entzünden erreichen

Das Problem: Brennt das Holz am Anfang zu langsam ab, gibt der Kamin über den Schornstein vergleichsweise viele unverbrannte Kleinstoffe in die Luft ab.

Die Lösung: Damit sich das Holz schnell entzündet und anschließend gut durchbrennt, empfiehlt Andreas Walburg vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks, daraus ein Türmchen zu errichten. Unten liegen ein paar Holzscheite mit der Schnittkante nach oben. Darüber kommen gitterartig in mehreren Etagen Scheite aus dünnerem Anzündholz.

Der Stapel wird oben gezündet, sodass sich das Feuer nach unten durchfrisst. So entsteht auf dem Boden ein Glutbett, in das später weitere Hartholzscheite nachgelegt werden.

Der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) weist darauf hin, dass bei Öfen mit einem Bodenrost sich das umgedrehte Stapeln der Anzündhölzer sowie das Entzünden von unten anbietet. Es ist also sinnvoll, immer auch die Bedienungsanleitung des jeweiligen Ofens zu lesen.

Viel Luft zum Anzünden

„Wichtig ist, dass am Anfang die Luftregler geöffnet sind, damit genügend Verbrennungsluft zuströmen kann“, sagt Andreas Walburg. Erst wenn das Holz gut brennt, sollte die Luftzufuhr entsprechend der Herstellerangaben zum Ofen angepasst werden.

Übrigens, ob Sie Ihren Ofen mit ausreichend Temperatur und Luftzufuhr entzünden, können Sie sehen: Je mehr sichtbarer Rauch aus dem Schornstein kommt, desto mehr Feinstaub verbreitet der Ofen. Anfangs ist das normal, aber laut HKI sollte 20 Minuten nach Entzünden des Feuers optisch kaum noch Rauch aus dem Schornstein treten.

Getrocknetes Holz nutzen

Es ist verboten, frisch geschlagenes oder noch nicht ausreichend getrocknetes Holz zu verfeuern. Denn es produziert mehr Ruß- und Staubpartikel, die durch den Schornstein in die Umwelt gelangen, so Schornsteinfegermeister Andreas Walburg.

Daher darf nur Holz mit einer Restfeuchte von unter 25 Prozent genutzt werden. Das entspricht weniger als 20 Prozent Wassergehalt. Zum Vergleich: Frisch geschlagenes Holz aus dem Wald kann abhängig von Jahreszeit und Sorte bis zu 60 Prozent Wassergehalt beziehungsweise 150 Prozent Feuchtegehalt enthalten. Günstige Messgeräte zur Überprüfung gibt es im Baumarkt.

Das bedeutet: Frisch geschlagenes Holz muss erst mal trocknen. Fichte und Pappel brauchen ein Jahr, Birke, Erle und Linde anderthalb Jahre Trockenheit an einem luftdurchlässigen Ort, so Andreas Walburg. Harte Hölzer wie Buche, Esche und Obstgehölze müssen zwei bis zweieinhalb Jahre liegen. Und Eichenholz braucht bis zu drei Jahre.

Nur naturbelassenes Holz verbrennen

Übrigens: Es ist auch nicht erlaubt, etwas anderes als unbehandeltes Holz als Scheite, Pellets oder Briketts im Ofen zu verbrennen. Denn Müll, Kunststoffe, selbst Zeitungspapier und Stoffe, aber auch Sperrholz, Faserplatten sowie verleimtes, lackiertes und gestrichenes Holz setzen beim Verbrennen hohe Emissionen und womöglich auch andere Schadstoffe frei.

Alte Öfen nachrüsten oder austauschen

Vor allem alte Öfen verursachen viele Emissionen. Um diese zu verringern, greift der Gesetzgeber ein: Seit Jahren werden Ofengenerationen schrittweise neuen gesetzlichen Regelungen in der Ersten Bundesimmissionsschutz-Verordnung (1. BImSchV) unterworfen.

Heizungsanlagen, die mit Festbrennstoffen wie Holzscheiten, Pellets, Hackschnitzel oder Kohle befüllt werden und vor 1995 zugelassen wurden oder mit keiner Datumsangabe versehen sind, müssen einen Grenzwert erfüllen. Dieser liegt bei 0,15 Gramm pro Kubikmeter für Feinstaub. Für Kohlenmonoxid liegt er bei 4 Gramm pro Kubikmeter.

Ist das nicht der Fall, müssen die Anlagen stillgelegt und ausgetauscht oder mit einem Staubfilter nachgerüstet werden. Andernfalls drohen Bußgelder.

Es gibt auch Ausnahmen

Geräte, die von 1995 bis 21. März 2022 errichtet wurden, müssen ab 2025 diese Grenzwerte ebenfalls einhalten. Ausnahmen gibt es für Grundöfen, Kochherde, Backöfen, Badeöfen und offene Kamine, die nur gelegentlich benutzt werden, sowie für Öfen, die vor 1950 gebaut wurden.

Der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) führt eine Datenbank zum Nachweis der Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen an Emissionen häuslicher Feuerstätten für feste Brennstoffe. Darin sind die Kennwerte älterer Feuerstätten anhand von Herstellernamen und Modellbezeichnung zu finden. So können Besitzer von Kaminen leicht überprüfen, ob ihr Modell noch den aktuellen Anforderungen entspricht. dpa

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