Vielseitiges Hochbeet

Gärtnern ohne Bücken immer beliebter: Hoch das Beet!

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Frühere Aussaat, längere Ernte, bequemeres Arbeiten ohne Bücken und Gärtnern an fast jedem Standort – Hochbeete haben viele Vorzüge. 

Das Gärtnern auf Komfortebene und ohne Bücken erfreut sich wachsender Beliebtheit.  Die Bandbreite reicht vom Eigenbau aus Holz über rustikale Hochbeete aus Stein oder rostig-edlem Cortenstahl bis hin zur rollenden Pflanzkiste für den Balkon.

Anbauen lässt sich darin – sicher vor Schnecken – so ziemlich alles, was das Gärtnerherz begehrt: Vom Lieblingsgemüse, über Erdbeeren, Salat und Küchenkräuter bis zu Blumen und Ziersträuchern. „Kurzum: Hochbeete sind eine wirkliche Bereicherung des Gartens“, sagt der promovierte Gartenbauwissenschaftler Dr. Folko Kullmann. Seine Tipps verrät der erfolgreiche Gartenbuchautor, der seine grüne Passion auch im eigenen Garten auslebt, im Interview.

„Eine echte Bereicherung“ ist das Gärtnern im Hochbeet für  den Gartenbau-Fachlektor Dr. Folko Kullmann. Foto: privat/nh

Gärtnern ohne Bücken wird immer beliebter – nicht nur bei älteren Semestern. Was hat das moderne Hochbeet dem ebenerdigen Anbau sonst noch voraus?

Eine ganze Menge. Man ist unabhängig vom gewachsenen Boden. Wenn der Untergrund lehmig und schwer zu bearbeiten oder, wie oft in der Stadt, mit Bauschutt durchsetzt ist, dann ist man mit dem Hochbeet viel flexibler, denn man kann selbst bestimmen, was reinkommt.

Wie wirkt sich die erhöhte Pflanzebene auf den Ertrag aus – herrscht da womöglich ein anderes Klima als am Boden?

Vor allem am Anfang kann im Hochbeet durch die Verrottung der Schichten aus Kompost und Grüngut Wärme entstehen. Das kommt dem Anbau zugute. Selbst wenn im Winter die Erde im Hochbeet schneller durchfriert – die Kälte kommt ja nicht nur von oben wie im Beet, sondern auch von den Seiten – so wird es im Frühjahr schneller wärmer, da die Sonne dann auch auf die Seitenwände scheint und die Erde im Beet schneller aufwärmt. Deshalb kann man oft schon im März mit den ersten Aussaaten oder dem Pflanzen von Frühsalaten begonnen werden – ein bis zwei Wochen vor der Aussaat im Beet. In milden Wintern kann man sogar das ganze Jahr über Gemüse anbauen.

Gibt es Gemüse- oder Obstsorten, die im Hochbeet ganz besonders gut gedeihen?

Eigentlich wachsen alle Gemüse im Hochbeet gut. Lediglich kletternde Arten wie Stangenbohnen sind nicht so gut geeignet, da sie viel Platz brauchen und arg in die Höhe wachsen. Man braucht ja schon im Garten eine Leiter zum Ernten an den hohen Stangen, im Hochbeet wird das schnell schwierig. Beim Obst wachsen Erdbeeren und alle Beerensträucher im Hochbeet gut. Besonders praktisch ist ein Hochbeet für Blau- oder Heidelbeeren, die ja keinen Kalk vertragen und deshalb im Garten oft in der normalen Erde nicht gut gedeihen. Ein Hochbeet mit kalkfreier oder kalkarmer Moorbeeterde, wie sie für den Rhododendron angeboten wird, ist da perfekt.

Was muss man bei der Standortwahl beachten?

Wenn man Gemüse anbauen möchte, ist ein sonniger Standort ideal – genau wie im Beet im Garten. Zu windig sollte der Standort auch nicht sein und gut erreichbar. Schließlich braucht das Gemüse im Hochbeet regelmäßig Wasser und wenn es zu weit vom Haus steht, wird die Kannenschlepperei schnell lästig. Für Beerensträucher reicht auch ein halbschattiger Platz. Wichtig ist es, dass die Pflanzen im Hochbeet pro Tag mindestens sechs Stunden Sonne abbekommen.

Egal ob Eigenkonstruktion aus Holz, Stein oder Metall oder Bausatz – was darf in keinem Hochbeet fehlen?

Sinnvoll ist auf jeden Fall eine Lage aus engmaschigem Gitter oder Maschendraht auf dem Boden, damit sich keine Mäuse oder Ratten einnisten. Bei einem Hochbeet aus Holz ist eine Abdichtung mit Teichfolie oder Noppenbahn an der Innenseite sinnvoll. Dann wird das Holz nicht so schnell morsch, da es nicht mit der feuchten Erde in Kontakt kommt. Hochbeete aus Metall brauchen unbedingt eine Isolierung auf der Innenseite mit Styropor- oder Styrodurplatten, damit sich die Erde im Inneren nicht aufheizt, wenn die Sonne direkt auf die Metallwände scheint.

Was muss man bei der Bewässerung beachten?

Das Gemüse im Hochbeet bekommt nur von oben Wasser – durch Regen oder durch Gießen. Daher muss man vor allem bei Hitze die Pflanzen regelmäßig kontrollieren, und bei Bedarf häufiger gießen.

Bei einem Beet auf der Erde können die Pflanzen Wasser aus tiefen Bodenschichten saugen, das geht im Hochbeet nicht so gut. Die vielen Vorteile beim Hochbeetgärtnern überwiegen aber dieses kleine Manko um ein Vielfaches. Gießen muss man im Gemüsegarten so oder so – egal ob Topf, Hochbeet oder Gartenbeet.

Buchtipp: Folko Kullmanns Buch „Gärtnern im Hochbeet“ wurde mit dem 3. Platz beim Deutschen Gartenbuchpreis ausgezeichnet. Es erschien bei Gräfe&Unzer, Preis 16,99 Euro.

Hochbeet-Pflanzkalender rund ums Jahr

Saat und Ernte im Hochbeet vom Frühling bis zum Winter:

Im Frühling ... beginnt ab März/April im Hochbeet-Garten die Saison. Ausgesät werden Radieschen, Rettichen, Spinat, Mangold sowie Schnitt- und Pflücksalate. Dazu kommen Kräuter wie Petersilie, Kresse, Kerbel und Rucola. Ab April folgen Lauchzwiebeln und Knoblauch. Wichtig: Gegen Kälte die Aussaat mit Vlies (keine Folie verwenden, Gefahr von Schimmel abdecken. 

Im Sommer ... kommt die Zeit wärmeliebender Gemüse wie Paprika, Chili und Tomaten. Rankende Pflanzen wie vorgezogene Hängeerdbeeren (als Dauerbepflanzung) sowie einjährige Gurken, Auberginen und Zucchini passen perfekt an den Beetrand, wo sie sich ausbreiten können und nur wenig Platz brauchen. Auch Kohlrabi und und Knollenfenchel fühlen sich im warmen Hochbeet wohl. 

Im Herbst ... kommen, wenn die Sommergemüse abgeerntet sind, Gemüse wie späte Brokkoli-Sorten, Chinakohl, Grünkohl und Spinat (der bei kühler Witterung nicht mehr so leicht „schießt“) ins Hochbeet. In kalten Nächten ab September kann man den Hochbeet-Garten wieder mit Frostschutz-Vlies abdecken. Im Winter ... können Lauch, Pastinaken, Rucola und Petersilie, denen Kälte nichts ausmacht, geerntet werden. Eine Vliesabdeckung erleichtert die Ernte bei Schnee. In den ersten Jahren braucht das Hochbeet nicht gedüngt zu werden. Wenn sich die Erde gesetzt hat, kann man frisches Kompost-Erde-Gemisch nachfüllen. 

Hochbeet anlegen - So geht es:

Die richtige Befüllung eines Hochbeetes sorgt dafür, dass später optimale Bedingungen für die Pflanzen darin herrschen. Das sei einfacher, als man glaubt, sagt Folko Kullmann: „Ich habe im Internet und in Büchern schon viele unglaublich komplizierte Anleitungen gelesen, mit mehreren Schichten und vielen Materialien. Ich halte es einfacher.“ 

Das geht so: Ganz unten hinein kommt Mäusedraht, darauf gehäckseltes Grüngut, Äste-Schnitt und Zweige. Darauf dann Holzhackschnitzel und frischer, halbverrotteter Kompost hinein, etwa in einer Schicht von 30 bis 40 Zentimetern. Wichtig ist, dass das Material nicht zu locker ist, denn sonst sackt das Beet im ersten Jahr gut 20 Zentimeter ab. Als nächste Schicht folgen etwa 20 Zentimeter reifer (also schon gänzlich verrotteter) Kompost. Als Deckschicht obenauf kommt eine Zehn-Zentimeter-Lage aus Hochbeeterde (gibt es im Fachhandel) oder eine Mischung aus Gartenerde und Kompost – fertig. 

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