Aus versiegelten Flächen können wieder Blütenbeete werden

Genug vom Schotter? So belebt man die Wüste im Vorgarten neu

Im mageren Boden eines Kiesbeets fühlen sich viele Stauden wohl.
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Im mageren Boden eines Kiesbeets fühlen sich viele Stauden wohl.

Gegen Versiegelte Schotterflächen spricht so einiges. Wer sie satt hat, aber die teure Sanierung scheut, für den gibt es hier Tipps. 

Immer mehr Hausbesitzer in Deutschland bekommen neuerdings Post von ihrer Baubehörde. Darin werden sie aufgefordert, ihre mit Schotter, Kies und Folien versiegelten Vorgärten wieder zu begrünen. Bremen plant gar als erstes Bundesland, die Begrünung oder Bepflanzung von Freiflächen vorzuschreiben.

In Kassel prüft der Magistrat derzeit eine Satzung zum Stadtgrün, die laut Pressesprecher Claas Michaelis „neben einem Verbot oder einer Begrenzung von Schottergärten auch Themen wie Gestaltung von Oberflächenbefestigungen, die Begrünung baulicher Anlagen und die Qualität von Bepflanzungen regeln“ soll. Mit einem Beschluss sei aber frühestens im nächsten Jahr zu rechnen.

Schottergärten droht die Baubehörde

Wer also heute noch seinen Vorgarten mit Schotter versiegelt, auf den könnte in Zukunft ein von der Baubehörde geforderter Rückbau zukommen, der ebenso aufwendig und teuer werden kann: Die Steinschüttung muss nämlich mühsam abgetragen, die Versiegelung entfernt und neue Erde aufgebracht werden.

Dr. Folko Kullmann, Präsident der deutschen Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS), empfiehlt eine wesentlich einfachere und günstigere Variante: „Es gibt eine Vielzahl an Stauden, Gräsern und Kleinsträuchern, die sich in kiesig-steinigen Flächen wohlfühlen und bis auf einen einmaligen Rückschnitt im Spätwinter praktisch keine Pflege benötigen,“ so der Gartenbauingenieur.

Die Gartengestalterin empfiehlt 

Das bestätigt auch Dorothea Steffen, Gartengestalterin aus Bochum und Vizepräsidentin der GdS: „Bepflanzte Kiesgärten sind viel pflegeleichter als eine Schotterfläche, in der sich Staub, Schmutz, Müll und Zigarettenkippen ansammeln, die mühsam zwischen den Steinen herausgeklaubt werden müssen.“ 

Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu den Steinflächen, die Wärme speichern und gerade im Sommer die Temperaturen im Haus steigen lassen, sorgen begrünte Vorgärten für ein angenehmes Klima in ihrer direkten Umgebung.

Einfache Umwandlung möglich 

Die Vorgehensweise bei der Umwandlung von Schotterflächen ist denkbar einfach: Außer einer Schaufel und ein paar Säcken Sand wird nichts benötigt. Zuerst werden vorhandene Kiesel, Schottersteine oder Splitt zur Seite geschoben, dann die darunterliegende Folie oder das Unkrautvlies entfernt. „Dieser Schritt ist absolut wichtig, denn bleibt die Folie oder das Vlies liegen, kann Regenwasser nicht abfließen und es kommt zu Staunässe“, warnt Tjards Wendebourg, Gartenbauingenieur und Fachmann für ökologische Pflanzenverwendung. 

Anschließend werden die Steine wieder auf der Fläche verteilt und die Zwischenräume mit Sand gefüllt. „Das hat den Vorteil, dass sich kein Schmutz zwischen den Kieseln ansammeln kann und die Pflanzen schnell durch den Sand und Schotter in den Unterboden wachsen können“, erklärt Kullmann. 

Keine Chance für Unkraut 

Unkräuter wie Disteln, Löwenzahn oder Birkensämlinge haben kaum Chancen, sich zwischen den Stauden anzusiedeln. Diese werden nun mit etwas Pflanzerde in den Sand zwischen die Steine eingesetzt. Falls doch Unkraut sprießt, lässt es sich leicht aus dem Sand herausziehen, was zwischen Schottersteinen nur mit enormem Aufwand möglich ist.

„Jetzt im Herbst ist übrigens der beste Zeitpunkt zum Pflanzen“, so Steffen. „Schon im Frühjahr kann man dann ein Blütenmeer genießen und schlägt zudem zwei Fliegen mit einer Klappe: Man vermeidet teure Rückbaukosten und spart sich die zeitaufwendige Sauberhaltung der alten Schotterfläche.“

Info: gds-staudenfreunde.de

Buchtipp: Gärten des Grauens von Ulf Soltau, 128 Seiten, Verlag Eichborn, Preis 14 Euro.

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