Anmutige Gräser machen mit Stauden ganzjährig Freude

Die mit dem Wind im Garten tanzen


Im Gräsergarten mit Federborstengras ´Cassian´, violetten Vernonien, Fetthenne ´Herbstfreude´ und Ruten-Hirse ‘Shenandoah’ sowie vielen anderen Arten.
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Im Gräsergarten mit Federborstengras ´Cassian´, violetten Vernonien, Fetthenne ´Herbstfreude´ und Ruten-Hirse ‘Shenandoah’ sowie vielen anderen Arten.

„Gräser waren noch nie so populär wie heute“, hat Staudengärtnermeister Cassian Schmidt, Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim an der Bergstraße erfreut festgestellt. Diese anmutigen Stauden bieten inzwischen in nie zuvor dagewesener züchterischer Vielfalt von der buntlaubigen bis zur streifigen Sorte für fast jede Gartensituation ein schier unerschöpfliches gestalterisches Potenzial.

Prof. Cassian Schmidt, Staudengärtnermeister und Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim an der Bergstraße

Gräser sind Überlebenskünstler

Gräser haben die Fähigkeit, sich mit ihren erfolgreichen Überlebensstrategien auch an den schwierigsten Naturbezirken der Erde von der Meeresdüne bis zur Schneegrenze der Hochgebirge zu behaupten, dies erkannte schon 1957 der legendäre Staudenzüchter und Gartenschriftsteller Karl Foerster. Seine in einem wegweisenden Buch festgehaltene Vision vom „Einzug der Gräser und Farne in die Gärten“ hat sich seither mehr als erfüllt – nicht zuletzt wegen des gewandelten Verständnisses von naturnaher Gartengestaltung unter Bedingungen des Klimawandels.

Dazu begeistern sie mit ihrer famosen Gartenwirkung - wenn die flauschigen Blütenstände an hochaufragenden Halmen im flirrenden Hochsommerlicht mit dem Wind zu tanzen scheinen, gar nicht erst zu reden. Wegen ihrer Standfestigkeit erzielten hohe Sorten zudem eine „tolle Winterwirkung bei Eis und Schnee“.

Blütenreiche Spätsommer-Gesellschaft: Diamant-Reitgras (Calamagrostis brachytricha) zwischen orangeroten Scharlach-Dahlien.

Gräser mit großem Farbenreichtum

Der Farbenreichtum des Laubes reicht je nach Sorte von Sattgrün, Silbrig-oliv, Feuerrot, Gelb und Braun bis hin zu Violett und beinahe Schwarz. Ob als niedriges Polster oder 350 Zentimeter hoher Sichtschutz oder Heckenersatz, ob straff aufrecht stehend oder überhängend wachsend – den Gestaltungsmöglichkeiten bei Gräsern sind in allen Gartenbereichen von Sonne bis Schatten kaum Grenzen gesetzt. Das liegt auch am aktuellen, klimabedingten Trend zu sogenannten Präriegärten – naturnahen Pflanzengemeinschaften aus winterharten Steppengräsern und Blütenstauden wie Sonnenhut (Rudbeckia) und Astern, die vor allem im Herbst für Furore sorgen.

Sehr beliebt: Das zweifarbige Blutgras (Imperata) ‘Red Baron’.

Am Beispiel der Rutenhirse, der „Staude des Jahres 2020“, erklärt Schmidt, wie sehr sich das züchterische Sortiment bei Gräsern erweitert habe: „In unserem Weinheimer Schaugarten haben wir jüngst erst 40 Panicum-Sorten in allen nur erdenklichen Wuchshöhen und Blattfarben gepflanzt.“

Gräser mit vielen Züchtersorten

Zu Zeiten des Gräserpioniers Foersters und auch lange Zeit danach habe man eher auf Blütenreichtum gesetzt. Die sogenannten „Ziergräser“ galten viel Jahre lang eher als schmalblättrige, etwas mitgenommene Grünpflanzen mit wilder Frisur, die allenfalls zum Lückenbüßer im Vorgarten taugten – eher eine Notlösung denn ein Gestaltungselement.

„Heute bieten sogar Baumärkte viele in Farbe und Form bemerkenswerte Züchtersorten für den Massenmarkt an – Gräser sind Mainstream geworden“, freut sich der Weinheimer Staudenspezialist, gibt aber zu bedenken, dass es mitunter schon manchmal zu viel des Guten sei. So sei etwa das zweifarbige Japanische Blutgras (Imperata cylindrica ‘Red Baron’) heutzutage „in beinahe jedem Garten anzutreffen“.

„Cold season“ und „Warm season“-Gräser

Bei winterhartem Ziergras unterscheidet man nach Blüte- und Wachstumszeit. Zu den „Cold season“-Gräsern (zum Beispiel Seggen, Hakonechloa, Festuca) zählen die wintergrünen mitteleuropäischen Arten, die eher niedrig bleiben, auch bei niedrigen Temperaturen wachsen, früh austreiben und schon ab dem Frühling blühen. „Warm season“-Gräser (Miscanthus, Pennisetum, Panicum) sind oft hochwachsend, brauchen ausreichend Bodenwärme und erscheinen erst ab Mai, wachsen dann aber rasant heran und blühen erst im Spätsommer.

Bei der Auswahl von winterharten Gräsern für die Gartengestaltung sei es wichtig, ihre Eigenschaften und vor allem die Vegetationszeit zu kennen. Nach dem Vorbild nordamerikanischer Gärtner unterscheide man hier „Cold season“- und „Warm season“-Gräser nach Blüte- und Wachstumszeiten.

Blauer Ehrenpreis ‘Dark Maetje’ und Mexikanisches Federgras (Nassella).

Gräser: Standort nach Herkunftsregion wählen

Der ideale Standort hängt auch von der Herkunft ab: Robuste Steppengräser wie etwa Schwingel (Festuca) mit graugrünen oder blauen Halmen vertragen pralle Sonne, Trockenheit und mageren Boden. Waldgräser mit zarten hellgrünen Halmen wie das Japanische Berggras (Hakonechloa) brauchen es eher schattig bei feuchtem, humusreichem Boden. Als Schattengräser schlechthin gelten die wintergrünen Seggen (Carex), die man in der Natur an Waldrändern, Wasserrändern und Sumpfwiesen findet. Die meisten Gräser aber sind eher Sonnenkinder mit mäßigem Wasserbedarf, wie etwa Chinaschilf (Miscanthus), Lampenputzergras (Pennisetum), Diamant-Reitgras (Calamagrostis), Rutenhirsen (Panicum), Blauschwingel (Festuca), Blaugras (Sesleria) und Zartes Federgras (Stipa). Je nach Art und Züchtung reicht es, sie im Frühjahr handbreit über dem Boden zurückzuschneiden. Bei manchen Arten lassen sich die oberirdisch abgestorbenen Pflanzenreste einfach von Hand abstreifen.

Gräser: Verjüngen durch Teilen

Entwickeln sich manche Gräser wie etwa das Chinaschilf mit den Jahren zu üppig, empfiehlt Schmidt, die zumeist mittig verkahlten, ringförmigen Horste im März oder April mit Beil oder Axt so zu verkleinern, dass nur noch ein Drittel der Pflanze stehen bleibt. „Keine Sorge, die derart revitalisierte Pflanze treibt dann später wieder kräftig aus“, versichert Schmidt. Die Wurzelballenreste könne man an andere, ebenso gräserliebende Pflanzenfreunde verschenken.

Info: Beschreibungen von trockenheitsgeeigneten Gräserpflanzungen findet man im Sichtungsgarten des Hermannshofs. ebenso wie herrliche Stauden-Gräser-Kombinationen - Infos zu vielen ausgezeichneten Gräserarten gibt es unter staudensterne.de
Terminhinweis: Einen Online-Vortrag über die Gestaltung von Gräsergärten mit Joachim Hegmann gibt es am 17. Februar, 20 Uhr, auf der Garten-Plattform Campus Botanicus.

Buchtipp: Wilde Staudenwiesen

Sonnendurchflutet, blütenreich und von Insekten umschwirrt – bunte Wiesenlandschaften sind Sehnsuchtsorte, die man auch im Garten erschaffen kann. Doch während artenreiche Naturwiesen an ihren Standort angepasst und über lange Zeit gewachsen sind, braucht es für „ungezähmte Wildheit“ rund ums Haus, selbst wenn sie auf kleinstem Raum verwirklicht wird, eine gute Planung und durchdachte Pflanzenwahl, damit die Staudenwiese jahrelang ohne größere Pflegeeingriffe „funktioniert“.

Was wie Natur anmutet, ist eben keineswegs Chaos, sondern klug geplantes Miteinander. Neben der wichtigen Bodenvorbereitung erläutert das fachkundige Autorenduo Hegmann/Lugerbauer sinnvolle Gestaltungsstrategien und die wichtigsten Planungsschritte, ehe es ans Pflanzen geht. Praktische Anleitungen für Gartenstandorte jeder Art und Größe sowie betörend schöne Fotos gelungener Vorzeigeprojekte ebnen den Weg zum eigenen Sehnsuchtsort Staudenwiese.

Info: „Wilde Wiesen gestalten“ von Katrin Lugerbauer und Joachim Hegmann, Ulmer, 160 Seiten mit 151 Fotos, 24,95 Euro.

(Von Gisela Busch)

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