Das Haus neu verputzen und dabei Schäden ausbessern

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Berlin - Der strenge Winter hat an mancher Fassade deutliche Spuren hinterlassen. Risse im Putz, abblätternde Anstriche und hohl klingende Putzflächen sind keine Seltenheit.

“Damit aus einer Kleinigkeit keine große Sache wird, sollten Hausbesitzer die Außenhaut des Gebäudes im Frühjahr gründlich in Augenschein nehmen“, rät der Architekt Ulrich Zink vom Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung in Berlin. Bei der Begutachtung sollten Hausbesitzer auf typische Schwachstellen wie Fensterbrüstungen, Übergänge von Balkonen und Terrassen sowie Dachanschlüsse achten.

Risse oder bröckelnder Putz sind wegen der ins Mauerwerk eindringenden Feuchtigkeit mehr als nur Schönheitsfehler. “Auf Dauer führen unerkannte Schäden zu gravierenden Mängeln an der Bausubstanz“, warnt Zink. Seien deutliche Veränderungen des Fassadenbildes erkennbar, sollte man einen Spezialisten hinzuziehen, um die Ursache und den Umfang des Schadens zweifelsfrei zu klären. Nicht bei jedem Handwerker sollte aber Spezialwissen, etwa über Bauphysik, vorausgesetzt werden. Es sei sinnvoll zu fragen, ob solche Arbeiten schon erfolgreich ausgeführt worden seien.

Nach einer Analyse kann entschieden werden, ob repariert oder neu verputzt und gestrichen wird. “Ein guter Zeitpunkt hierfür ist das Frühjahr“, sagt Ludger Küper, Direktor des Paint Quality Institute in Frankfurt am Main. Denn für das Gelingen des Anstrichs müssen die Wetterbedingungen stimmen. Generell sollte Fassadenfarbe nur bei Temperaturen über zehn Grad verarbeitet werden, da sie nur so eine gute Verbindung mit dem Putz bilde.

Das Verputzen von Fassaden ist ein komplexes System, erklärt Zink. Deshalb müssten die einzelnen Komponenten richtig aufeinander abgestimmt werden. Sonst drohten Schäden durch die Auswahl der falschen Baustoffe. Das Abblättern der Fassadenfarbe beispielsweise sei nicht selten auf eine falsche Kombination von Putz und Farbe zurückzuführen. Oft zeigten sich solche Schäden erst nach Jahren.

Bei vielen Altbauten reicht aber Verputzen und Streichen allein nicht aus. Denn bei der Sanierung solcher Häuser sind Maßnahmen zur Verbesserung des Dämmstandards laut Energieeinsparverordnung (EnEV) vorgeschrieben: “Wer in Bestandsgebäuden die Gebäudehülle sanieren will - wie Außenwände, Dach oder Fenster - muss die EnEV beachten, wenn die Fläche des zu modernisierenden Bauteils eine gewisse Größe überschreitet“, erklärt Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur (dena) in Berlin.

Maßgeblich dafür sei das Verhältnis der Fläche des zu sanierenden Bauteils zur gesamten Bauteilfläche des Gebäudes. Nicht betroffen von der neuen EnEV ist das sanierte Bauteil nur, wenn es maximal ein Zehntel der gesamten Bauteilfläche einnimmt. Wer beispielsweise mehr als ein Zehntel der gesamten Außenfassade eines Gebäudes saniert, muss die neuen Anforderungen für den Wärmeschutz berücksichtigen.

Investitionen in eine energetische Sanierung von Fassaden sind aber keine Schikane des Gesetzgebers. Sie rechnen sich auch für die Hausbesitzer und Bewohner. Denn durch einen verbesserten Wärmeschutz lässt sich der Heizbedarf deutlich senken und der Wert des Hauses steigern. “Wenn eine Fassade ohnehin neu gestrichen und instand gesetzt werden muss, ist dies ein guter Zeitpunkt auch für eine energetische Sanierung“, sagt Marc Großklos vom Institut Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt. Denn dann entstehen ohnehin Kosten für das Verputzen, das Gerüst und die Baustelleneinrichtung.

dpa

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