Schlichte Architektur gekonnt in Szene gesetzt

Ein großzügiger Bungalow erstrahlt in neuem Glanz und besticht mit einem weitläufigen Grundriss zum Umherschreiten.

„Bei der ersten Inaugenscheinnahme des Bungalows der engeren Wahl in Kassel-Bad Wilhelmshöhe hätte ich am liebsten gleich auf dem Absatz kehrt gemacht“, erklärt die Bauherrin. Die Vorbesitzer hatten im Laufe der Jahre dem äußerst eleganten zweigeschossigen Bungalow aus dem Jahr 1960 rückseitig mehrere Holzanbauten hinzugefügt. Das Haus war durch die Anbauten in seiner Ursprünglichkeit, seinem architektonischen Konzept, erheblich gestört. „Dass wir einen zweiten Blick gewagt haben, ist nur dem Umstand zu verdanken, dass unser Architekt Peter Grund, Architektengemeinschaft Groger, Grund, Schmidt, sofort gesehen hat, dass dieser Bungalow unsere Vorstellung großzügigen Wohnens bestens erfüllen kann.“ Er war schon vor dem Kauf des Bungalows überzeugt, die Proportionen des Hauses und den Zuschnitt der Räume ideal herausstellen zu können. Ihm war klar, was der damalige Architekt Hans Grünewald aus Kassel mit seinem Entwurf so gekonnt umgesetzt hat.

Schlichte Architektur

Nach eingehender kritischer Prüfung konnte Architekt Grund die Bauherren hinsichtlich der Bausubstanz beruhigen. Er sicherte ihnen zu, dass es sich lohnen würde, den Bungalow umzubauen. „Allein seine Idee, die straßenseitige Loggia im ersten Obergeschoss in das Grundrisskonzept einzubeziehen, war sensationell“, schwärmen die Bauherren. Peter Grund hat geschafft, dass es nach dem Umbau möglich ist, in dem Haus regelrecht herumzulaufen, umherzuschreiten. „Durch die einbezogene Loggia ergeben sich richtige Rundgänge innerhalb einer großen Ebene. Das macht das Wohnen hier zu einem besonderen Erlebnis“, so die Bauherren. Die angestrebte Großzügigkeit ist beim Wohnen in diesem Bungalow spürbar. Der Vorschlag des Architekten im ersten Obergeschoss die Glasfront zur Straßenseite anzubringen ergänzt dieses Wohngefühl perfekt.

Stilechte Architektur

Das stilreine 60er-Jahre-Treppenhaus befindet sich mitten im Haus und ist nun – dank des Glasriegels – lichtdurchflutet. Die Treppe windet sich einladend vom Souterrain in das erste Obergeschoss, der Wohnbereich öffnet sich so Schritt für Schritt. „Das Treppenhaus haben wir rückgebaut“, erklärt die Bauherrin. Die damals typischen Werksteinstufen mit Basalteinstreuung waren mit einem Kunststoffbelag verklebt. Jetzt ist das Treppenhaus mit Stufen und Geländer wieder stilecht.

Auch die Idee, die Farbe der Fassadenverkleidung des Souterrains für die Rahmen der neuen Fenster zu wählen, fanden die Bauherren überzeugend. Der Anröchter Sandstein ist nicht nur aus der benachbarten Region, er manifestiert die Architektur der 60er-Jahre untrennbar mit diesem schicken und stilechten Bungalow und verleiht ihm eine ganz eigene Note. „Das macht das Haus elegant und gleichzeitig modern“, finden die Bauherren.

Wohnen wie in einer Galerie

„Es ist einfach ein schönes Wohnen in unserem Bungalow“, sagt die Bauherrin. „Das viele Glas, die Helligkeit, die tollen Blickbeziehungen sind schlicht wunderbar.“ Tolle Blicke gibt es nicht nur nach Draußen, im Haus selbst stehen die Räume in direkter Blickbeziehung zu- und miteinander. Die Wohnebene lädt durch die Möglichkeit eines Rundgangs von Zimmer zu Zimmer zum Flanieren ein und erscheint dem Besucher wie Ausstellungsfläche, innerhalb derer es wieder und wieder neue Ein- und Ausblicke zu entdecken gibt. „Wir können durch das Haus schreiten. Es ist wie in einer Galerie“, sagt die Bauherrin. Diese Möglichkeit macht die 180 Quadratmeter Wohnfläche enorm weitläufig. Lediglich einen nachträglich angebauten Wintergarten haben die Bauherren belassen. Das Besondere daran: Auf zwei Seiten, dem schön eingewachsenen Garten zugewandt, sind die großen Panoramafenster in den Boden abzusenken. So liegen zwischen Wintergarten und Natur weder Türschwellen noch Rahmenkonstruktionen oder Fensterflügel. Die zwei großen Fenster sind über einen Kurbelzug bodengleich zu versenken und öffnen den Wintergarten auf zwei Seiten komplett.

Auf Vordermann gebracht

„Diese besondere, aber leider in Vergessenheit geratene Konstruktion gab es in Kassel damals wohl nur in ein oder zwei Neubauten“, so Architekt Peter Grund. Eine Spezialfirma aus Stuttgart hat die in den Boden versenkbaren Fenster ausgetüftelt, geliefert und eingebaut. Ende August 2009 hat der Umbau begonnen. Die Bauherren ließen den Bungalow unter energetischen Gesichtspunkten umfassend sanieren: Die alte Putzfassade ist durch die Aufbringung eines Wärmedämmverbundsystems auf Neubaustandard gebracht worden. Das Flachdach wurde zusätzlich gedämmt, die Bauherren ließen dreifach verglaste Holzfenster einbauen. Darüber hinaus hat der Bungalow eine neue Heizungsanlage und rundum neue Elektrik bekommen. Auch die Bäder sind neu. „Die Zimmertüren haben wir weitestgehend erhalten“, erklärt die Bauherrin. „Die Türen, die wir ergänzen mussten, haben wir in Anlehnung an die vorhandenen Türen stilecht anfertigen lassen. Im April 2010 konnten die Bauherren ihren behutsam sanierten, clever modernisierten und geschmackvoll eingerichteten Bungalow beziehen.

von Hendrike Racky

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