Heimische Wildgehölze bieten Unterschlupf und machen Tiere im Herbst und Winter satt

Diese Hecken schmecken allen Gartenvögeln

Imbiss im Weißdornstrauch: Ein Schwarzdrossel-Weibchen lässt sich die roten Früchte schmecken.
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Imbisspause Imbiss im Weißdornstrauch: Ein Schwarzdrossel-Weibchen lässt sich die roten Früchte schmecken. Das dornenreiche, dichte Geäst bietet Vögeln zudem einen sicheren Platz fürs Mittagsmahl.

Heimische Gehölze sind nicht nur perfekt an ihre Lebensregion angepasst und damit unempfindlicher gegen klimatische Schwankungen und Schädlingsbefall, sondern bieten auch der Tierwelt – vor allem den Gartenvögeln – ein üppiges Nahrungsangebot, Schutz vor Fressfeinden und Nistplätze. Viele gute Gründe also, bei einer Heckenpflanzung auf ökologisch wertlose und pflegerisch anspruchsvolle Exoten wie immergrüne Kirschlorbeer, Thuja und Zypresse zu verzichten und stattdessen auf heimische Alternativen zu setzen. Das empfiehlt der Naturschutzverband Nabu.

Im Gegensatz zu klassischen Schnitthecken (etwa aus Hainbuche oder Liguster), die wegen des regelmäßigen Stutzens kaum zum Blühen und Fruchten kommen, können sich Wildsträucher in einer naturnahen Heckenpflanzung deutlich freier entfalten und bieten ein abwechslungsreiches Gartenbild – wenn man sie lässt, raten die Hamburger Naturschützer.

Zahlreiche attraktive Wildgehölze kommen als Heckenpflanzen in Frage – auch Immergrüne wie Mahonie und Eibe, Feuerdorn, Schwarzgrüner Liguster und Wacholder. Viele von ihnen tragen leckere Früchte, die nicht nur den tierischen Gästen, sondern (roh, gekocht oder als Saft, Gelee und Likör) auch dem Gärtner schmecken, etwa Weißdorn, Sanddorn, Schlehe, Kornelkirsche, Holunder und Hagebutte. Wer mag, pflanzt einfach alle zusammen, denn eine vielfältige Vogelschutzhecke ist immer auch eine ausgewogene Mischpflanzung.

Liefert Vitamine für Mensch und Tier: der Sanddornstrauch mit seinen orangefarbenen Beeren.

Schon weil jeder Wildstrauch bei tierischen Kostgängern unterschiedlich beliebt ist, empfehlen sich möglichst viele verschiedene Straucharten. Allerdings sollte kein x-beliebig bunt zusammengewürfeltes Sammelsurium entstehen, sondern sich die Pflanzenauswahl zumindest in groben Zügen nach den jeweiligen Standortansprüchen der einzelnen Arten richten.

Weitere Aspekte bei der Zusammenstellung der Pflanzengesellschaft sind die unterschiedliche Wüchsigkeit der einzelnen Arten und damit ihr Platzbedarf sowie die unterschiedlichen Blüh- und Fruchtphasen. Bei der Länge einer Vogelschutzhecke gilt: je länger, desto lieber.

Rotkehlchen lieben die Früchte des Pfaffenhütchens. Deren giftige Steinkerne schaden ihnen nicht.

Wenn der Platz es erlaubt, können die Sträucher zwei- oder noch besser dreireihig versetzt eingepflanzt werden, um einen stufig-natürlichen Aufbau zu erreichen. Hier finden Sie eine kleine Auswahl beliebter Vogelsträucher mit teilweise essbaren Früchten für eine naturnahe Heckenpflanzung vor:

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra): essbare Blütendolden und schwarze Beeren (roh ungenießbar), breit verzweigt wachsend, Höhe drei bis zehn Meter.

Sanddorn (Hippophae rhamnoides): kleine, unscheinbare Blüten, essbare, sehr aromatische Beeren, scharfe Dornen, breit wachsend, Höhe bis fünf Meter.

Weißdorn (Crataegus): duftende weiße Blüten, rote essbare Früchte ab September, Höhe zwei bis fünf Meter.

Berberitze (Berberis vulgaris): gelbe Blüten, essbare knallrote säuerliche Beeren ab August, Höhe bis 2,50 Meter.

Schlehe (Prunus spinosa): weiße Blüten, essbare schwarzblaue Beeren (erst nach Frost genussreif), Dornen, Höhe: zwei bis vier Meter.

Felsenbirne (Amelanchier ovalis): weiße Blüten, essbare beerenartige Apfelfrüchte, Höhe bis drei Meter.

Eberesche /„Vogelbeere“ (Sorbus aucuparia): weiße, duftende Blüten, essbare orangeroten, säuerliche Beeren, Höhe: bis 12 Meter.

Kornelkirsche (Cornus mas): sehr frühe gelbe Blüten, essbare säuerlich-herbe Früchte, Höhe: bis fünf Meter.

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus): weiße Blüten, dekorative (für Menschen giftige) Früchte, die jedoch Gartenrotkehlchen sehr köstlich finden, Höhe: bis vier Meter.

Vogelkirsche (Prunus avium): kleine weiße Kirschblüten, rundliche Kirschen, prächtige Herbstfärbung, Höhe: bis acht Meter.

Gemeine Traubenkirsche (Prunus padus): duftende weiße Blütentrauben, rotschwarze essbare Früchte mit giftigem Samen, Höhe: bis 15 Meter.

Faulbaum (Rhamnus frangula): Den kurio sen Namen verdankt er dem fauligen Geruch, den seine Rinde verströmt, wenn man sie anritzt. Früher auch als „Pulverholz“ bekannt, denn aus seiner Holzkohle wurde lange Zeit Schwarzpulver hergestellt, lange Blütezeit mit kleinen weißen Blüten, erbsengroße giftige Früchte, Höhe: bis drei Meter.

Wolliger Schneeball (Viburnum lantana): cremeweiße Blütendolden, rote und später blauschwarze giftige Früchte, die teils erst im Winter reifen, Höhe bis vier Meter.

Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum): gelbweiße duftende Lippenblüten, scharlachrote giftige Früchte, weit verzweigt wachsend, Höhe: bis drei Meter.

Die roten Beeren der Fächer-Zwergmispel sind für Menschen giftig, Vögel mögen sie.

Perfektes Zusammenspiel von Tieren und Pflanzen

Heimische Tiere und Pflanzen sind eng aufeinander eingespielt, darauf weist das Onlineportal des Hamburger Nabu hin. Daher sind viele exotische Gehölze im ökologischen Sinne Fremdkörper. Dazu zwei Beispiele: Die Früchte des heimischen Weißdorns werden von 32 Vogelarten gefressen, die des nah verwandten nordamerikanischen Scharlachdorns nur von zweien. Der Gemeine Wacholder ernährt 43 Vogelarten, der Chinesische Wacholder dagegen nur eine(!). Ähnliches gilt für Insekten in allen Entwicklungsstadien, denen nur die heimischen Wildsträucher ein schier unerschöpfliches Nahrungsangebot liefern. 

23 Geschichten: „Geheimnisse der Hecken“ ist im Ulmer-Verlag erschienen.

Buchtipp: 23 bezaubernde Heckengeschichten

Es muss wohl daran liegen, dass dieses Buch und seine zauberhaften Geschichten aus der Volksheilkunde rund um heimische Wildsträucher nach augenzwinkerndem Eingeständnis des Autors „im Schatten einer blühenden Schlehenhecke“ ausgeheckt worden ist. Denn wer mit dem Mythos von der Hecke als geheimnisvollem Ort, der dunkle Geheimnisse und magische Geschichten verbirgt, bisher nur wenig anfangen konnte, wird beim nächsten Spaziergang gewöhnliche Wildgewächse wie Holunder, Heckenkirsche und Hundsrose (auch: Hagrose) mit neuem Interesse betrachten. Obwohl weiterhin unklar ist, ob Dornröschen vom Stachel einer Hag-rose oder einer Spindel aus Weißdornholz in den 100-jährigen Schlaf geschickt wurde.

Rudi Beiser erweist sich als famoser Geschichtenerzähler und klärt zu jedem der 23 vorgestellten Gehölze über überlieferten Volksglauben sowie traditionelle und moderne Naturheilkunde mit Heil- und Genussrezepten auf und gibt praktische Tipps für die Verwendung der Sträucher im eigenen Garten. Wie unschätzbar wichtig deren ökologische Bedeutung ist, zeigt das Beispiel Pfaffenhütchen: Der Strauch ernährt mit seinen roten Früchten sage und schreibe 24 Vogelarten, dazu nagen 15 Säugetierarten an Blättern, Trieben und Früchten.

Info: Rudi Beiser: Geheimnisse der Hecken, Ulmer, 256 Seiten, 161 Farbfotos, Preis 29,95 Euro.

(Von Gisela Busch)

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